Archiv des Autors: Ingeborg Kraus

RENATE’s Training: Human Trafficking and Trauma: Care for the Victims and Preventive Care for the Carers, 30 April-4 May 2018

30 RENATE members have registered to attend training on the above theme, which will take place at the Pallotti House Conference Centre, Freising, Germany. The training is tailored specifically for RENATE members who in their work, have to address trauma and trauma-related issues.

Amongst the themes to be covered are: Psychotraumatology-short theoretical background, features and symptomatology; Working with victims of sexual abuse- a spiritual, practical approach; Burnout-signs and features, prevention, psycho-hygiene; Trauma Therapy with victims of sexual exploitation in Germany; Spiritual counselling with Victims of Trafficking in Nigeria.

Amongst those contributing to the training, are Sr. Dr. Lea Ackerman, Foundress of SOLWODI; Sr. M. Regina Pröls of the German Conference of Religious; Dr. Ingeborg Kraus will lead on the theme of ‘’Trauma Therapy with vicitms of sexual exploitation in Germany.’’ There will be representation from the German Federal Criminal Police Human Trafficking Unit and members of the German Bishop’s Conference’s Working Group on Human Trafficking. Bishop Dr. Stefan Heße, of the Santa Marta Group will also join us for input and sharing. Weiterlesen

Schattenfrauen

Schattenfrauen sind Frauen, die von ihren Ehemännern mit Prostituierten betrogen werden. Über diese „Kollateralschäden“ des Systems Prostitution wurde bislang kaum nachgedacht und es gibt so gut wie keine Erfahrungsberichte darüber.

Das folgende Interview, das ich mit einer betroffenen Frau führte, ging mir sehr nahe. Zum einen, weil mir die Dimensionen der Verletzungen erst richtig bewusst wurden. Es ist nämlich eine extreme Verletzung, wenn der Partner zu Prostituierten geht. Diese Form von Missbrauch hat zerstörerische Auswirkungen auf das ganze Familiensystem und die Opfer werden nicht ernst genommen und erhalten auch keine richtige Hilfe. Im Gegenteil, die Gefahr besteht, dass selbst Therapeuten eine Opfer-Täter Umkehrung betreiben und man von ihnen ein Brainwashing bekommt. Fachliteratur zu Sexsucht gibt es so gut wie keine in Deutschland, so besteht auch nicht die Möglichkeit sich selbst darüber aufzuklären um zu verstehen, was mit einem gemacht wird. Weiterlesen

Unterschreiben Sie die Petition!

Die Gesetzesform zur Prostitution ist im Juli 2017 umgesetzt worden. LobbyistInnen jubeln schon jetzt über dieses „Prostitutionsschutzgesetz“, das ihnen kaum Grenzen setzt. Die wichtigsten Punkte fehlen oder sind bis zur Wirkungslosigkeit aufgeweicht. Mit solch einer „Reform“ wird Deutschland auch in Zukunft ein Eldorado für Frauenhändler und Einreiseland für Sextouristen bleiben. Das muss gestoppt werden!

Das Bündnis „Stop Sexkauf“ fordert eine grundlegende Neuausrichtung des Prostitutionsgesetzes in Deutschland und hat eine weltweite Petition in 5 Sprachen gestartet. Im Ausland sind namhafte Organisationen „entsetzt“ über die inhumanen Verhältnisse im deutschen Prostitutionsgewerbe und international steht das Pro-Prostitutionsland Deutschland heute fast allein da. Diese Petition drückt auch eine weltweite Empörung gegenüber Deutschland aus! Wir brauchen dringend Eure/Ihre Hilfe, daher bitten wir um Unterzeichnung und Weiterleitung dieser Petition!

Hier kommen Sie zur Petition

Brief an eine Traumatherapeutin

Rede von Dr. Ingeborg Kraus in München auf der Veranstaltung „Prostitution – die unzensierte Wahrheit“, am 16.03.2018.

Lektorat: Ulrike Maier & Firdes Ceylan – Bild: Hailin Wang, „Tiefe Nacht“

Auf dem Weg nach München las ich in einem alternativen Stadtführer das Kapitel über das dritte Reich. Darin konnte ich erfahren, dass SS-Führer Heinrich Himmler ein großer Anhänger der Naturheilkunde war. Ein paar Meter neben seinem Kräutergarten in Dachau wurden Versuche mit homöopathischen Mitteln an Häftlingen unternommen, die an Tuberkulose erkrankt waren. Nur wenige Meter weiter wurden grausame medizinische Versuche mit Unterdruck- und Unterkühlung durchgeführt. Ein paar Meter vom Krematorium entfernt gab es ein KZ-Bordell und noch ein paar Meter weiter befand sich eine Kaninchenzucht um die sich die SS-Wächter liebevoll kümmerten. Nach dem Krieg wurden rund 80% der früheren Beamten wieder eingestellt.

Bei der Lektüre dieses Kapitels wurde mir plötzlich bewusst, dass wir eine Geschichte der Dissoziation des Bösen haben. Nicht nur auf individueller Ebene, also dass der gleiche Mensch, der sich liebevoll um Kaninchen kümmert in der Lage ist, anschließend Menschen zu vergasen, sondern auch auf kollektiver Ebene. Unser Volk hat das Böse abgespalten und nach dem Krieg so weiter gemacht, als wäre nichts passiert.

Diese Form der kollektiven Dissoziation erlebe ich auch im Bereich der Prostitution. Hier ist es jedoch enorm wichtig hinzuschauen, aufzuklären und kritisch zu sein um dazu beizutragen, Frauen aus ihrer prekären Situation herauszuholen. Alles andere legitimiert die psychische und physische Zerstörung vieler Frauen, die im „System Prostitution“ gefangen sind. Weiterlesen

Fachtagung – Die Loverboy-Methode – Saarbrücken am 14.04.2018

Eine äußerst interessante Fachtagung über die Loverboy-Methode findet am Samstag, den 14. April in Saarbrücken statt. Sandra Norak ist über so einen Zuhälter in die Prostitution geraten. Sie wird über diese Zeit berichten, sowie über das Prostitutionssystem. Welche Hilfe brauchen die Opfer und was bedeutet Hilfe beim Ausstieg aus der Prostitution? Darüber wird Frau Linda Terpstra sprechen, die das Schutzhaus „fier“ in den Niederlanden leitet und Vivianne Wagner, vom Mouvement du Nid-Moselle in Frankreich. Über die Medienrealität und ihre Gefahren für Jugendliche wird Herr Prof. Dr. Jens Vogelgesang sprechen. Inge Hauschildt-Schön, Sprecherin der Marburger Bürgerinitiative bi-gegen-bordell, kämpft seit 2005 gegen das System Prostitution, wird ein Abschluss-Statement geben. Weiterlesen

Liebe Männer, wir müssen reden!

Ich freue mich sehr ein neues Buch gegen Sexkauf vorzustellen, für das ich das Vorwort schreiben durfte. Gisela Jaspersen informiert in ihrem Buch über die historische Einordnung von Prostitution, die verschiedenen Facette der negativen Seiten des Prostitionsgeschäfts und regt eine Neuorientierung in Bezug auf die heutigen Männerbilder an. Die Autorin möchte mit ihrem Buch in erster Linie die Männer erreichen, die als heterosexuelle Freier aktiv sind und sexuelle Leistungen von Mädchen und Frauen kaufen. Zugleich ist das Buch aber auch eine gute Zusammenstellung für Partnerinnen, Elternteile oder Jugendliche, die grundlegendes Wissen über Prostitution in Deutschland erfahren möchten. 

Hier mein Vorwort als Anregung zum Lesen:

Wir tun alle so, als wäre die Gleichstellung zwischen Mann und Frau schon erreicht, und wir müssten nur noch an Feinheiten schleifen. Natürlich ist eine gesetzliche Quote und Lohngleichheit wichtig. Es gibt aber eine Enklave in unserem Land, in der Frauen von allen frauenrechtlichen Errungenschaften ausge- schlossen sind: die Prostitution.

Die Politik behandelt Prostitution nur als Randthema, und eine liberale Gesellschaft will sich da nicht einmischen. „Jede/r soll so leben, wie sie/er es für richtig hält!“, bekommt man oft zu hören. Das Thema wird nicht tiefer reflektiert und analysiert.

Wir kennen sie alle, diese Gespräche unter Bekannten, in denen Prostitution schnell bagatellisiert und als Kavaliersdelikt verharmlost wird. Oft wird geschmunzelt, wenn aber Prostitution kritisiert wird, gibt es sehr schnell erheblichen Widerstand. Ich selbst kann mich an sehr viele solcher Gespräche erinnern. Ein Beispiel dazu: als ich als therapeutische Leiterin in einer Suchtfachklinik für Männer arbeitete, fielen mir nicht nur die pornografischen Poster in der Einrichtung auf, sondern auch, dass die Patienten am Wochenende mit der größten Selbstverständlichkeit in ein Bordell gingen. Als ich dies ansprach, musste ich bitter feststellen, dass die Einrichtung, die sich der männlichen Gesundheit widmete, das Ausleben männlicher Sexualität als wichtigeren Gesundheitsfaktor ansah als die Gewalt gegen Frauen durch Prostitution. Man kann aber nicht die eigene Gesundheit auf Kosten der Gesundheit anderer ausspielen. Man kann nicht die eigene Lust auf Kosten der anderen ausleben. Das geht so nicht!

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Medien und Prostitution

Ein Beitrag von Ulrike Maier und Dr. Ingeborg Kraus

Bislang dominiert ein ganz bestimmtes Bild der Prostitution die deutschen Medien: Die selbstbewusste Sexarbeiterin, die ihrem Beruf gerne nachgeht. Nur vereinzelt gibt es kritische Stimmen, so wie ein Spiegel-Artikel von 2013 oder die neue ZDF-Dokumentation „Bordell Deutschland“. Durch massive mediale Gegendarstellungen, die immer noch einen romantischen Blick auf Sexarbeiterinnen werfen, verblassen diese realitätsnahen Reportagen und Fragen, die sich aus dem System Prostitution ergeben, werden erst gar nicht gestellt: Welche gesellschaftliche Konsequenzen hat der liberale Umgang mit dem Sexkauf? Wer sind die Sexkäufer? Was macht Prostitution mit Frauen? Was macht es mit Männern? Welche Konsequenzen hat Prostitution für das Verhältnis der Geschlechter untereinander? Hier ein paar Beispiele für gefährliche Verharmlosung: Weiterlesen

Kirche und Prostitution

Dieser hervorragende Artikel von Geneviève Hesse erschien am 21.01.18 in der Bistumpresse. Aufgrund von Beschwerden gegen die Interview-Aussagen (insbesondere gegen den Satz die „Säulen der Sex-Industrie“) hat die Redaktion von „Tag des Herrn“ den Beitrag am 24.01.18 von seiner Webseite entfernt. Wir bedanken uns bei Frau Hesse für Ihre Standhaftigkeit, sich bei ihrer Aufklärung gegen Prostitution nicht zensieren zu lassen. (Bild von Marc Chagall, der zahlreiche Bleiglasfenster für Kirchen gestaltete)

Anfang Dezember 2017 gab es in Berlin in der Urania eine Podiumsdiskussion über Wege aus der Prostitution und Strafen gegen Sex-Käufer – das sogenannte Nordische Modell, das schon in Schweden, Norwegen, Island, Irland, Kanada und Frankreich gilt. Referentinnen und einen Aktivisten fragte Geneviève Hesse, was sie von der Haltung der Kirche im Umgang mit Prostitution denken.

1 „Säulen der Sexindustrie“

Die katholische und die evangelische Kirchen in Deutschland helfen den Frauen nicht zum Ausstieg – so die Vorwürfe von Inge Bell, stellvertretende Vorstandsvorsitzende von Solwodi und Terre des Femmes, und von der Traumatherapeutin Dr. Ingeborg Kraus.

Was halten Sie von der Position der deutschen Kirchen über Prostitution?
Ingeborg Kraus: In jeder deutschen Großstadt existieren Beratungsstellen für Prostituierte. Fast alle sind kirchlich. Dem Sexkaufverbot gegenüber nehmen sie eine feindliche Haltung ein. Sie dienen den betroffenen Frauen zwar als Anlaufstelle, helfen ihnen aber nur dazu, im Prostitutionsgeschäft zu überleben. Insofern sind Caritas und Diakonie mächtige Säulen der Sexindustrie: Sie tragen dazu bei, dass Frauen in ihrer prekären Situation verharren. Folglich legitimieren sie die psychische und physische Zerstörung der Frauen durch Männer, die sich den erniedrigenden Zugang zu ihren Körpern erkaufen. Auf der katholischen Seite kenne ich nur Solwodi, das sich für das nordische Modell einsetzt (Hilfe beim Ausstieg aus der Prostitution und für ein Sexkaufverbot), auf der evangelischen Seite Neustart.

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Belle de jour und Catherine Deneuve – Die Rolle ihres Lebens

Beitrag von Dr. Ingeborg Kraus – Karlsruhe, den 14.01.2018

Der Film „Belle de jour“ ist ein Meisterwerk. Es ist kein sexistischer Film, kein Film einer Frau, die ihre sexuellen Phantasien ausleben will, oder eine Frau, die aus der prüden Gesellschaft ausbrechen will. Kein anderer Film wurde so wenig verstanden, wie Belle de jour. Catherine Deneuve selbst, die diese Rolle bis auf die Perfektion verkörperte, verstand sie nie. Es ist die Rolle ihres Lebens: eine Frau, die sexuellen Missbrauch nicht erkennt.

Warum lässt sich eine, aus gutem Hause kommende, bildschöne Frau von fremden Männern misshandeln, demütigen und sexuell missbrauchen? Es sind nur zwei kurze Filmszenen, die das Rätsel auflösen. In der 14. Minute des Films, sieht man für ein paar Sekunden ein Mädchen, die kleine Séverine, die von einem Erwachsenen geküsst wird, seine Hand greift unter ihr Kleid. Die zweite Szene: Kurz bevor Séverine zum ersten Mal an der Tür des Bordells klopft bekommt sie einen Flash-Back: Sie sieht die kleine Séverine, die in der Kirche die Hostie verweigert. Sie fühlt sich schuldig für das was ihr angetan wurde. Es ist nicht die Erwachsene, die ins Bordell geht, es ist das Mädchen, das sich schuldig fühlt. Es ist auffällig, wie sich die Erwachsene ständig entschuldigt. Sie leidet unter wiederkehrenden Albträumen, in denen sie gedemütigt, mit Dreck beschmissen, beschimpft, gepeitscht, vergewaltigt wird. Die Erwachsene ist im Leben oft abwesend, wie in Trance, unkonzentriert, sie lässt Dinge fallen. Zu ihrem Mann kann sie keine richtige Nähe entwickeln. Weiterlesen