Archiv der Kategorie: Ungleichheit

Wie die evangelische Kirche und der grüne Pseudo-Feminismus zu Unterstützern der Zuhälterei in Deutschland wurden

Florence Humbert, Historikerin, Dezember 2016.

Emanzipatorische Fortschritte und neue Bürgerrechte in einem friedlichen Europa – das waren die Versprechen der Grünen zum Zeitpunkt ihrer Gründung im Jahr 1982. In den letzten 30 Jahren waren sie der Motor zahlreicher gesellschaftlicher Neuerungen und Umbrüche. Sie sicherten die freiheitlichen Grundrechte unterdrückter Minderheiten, indem sie die Rechte Homosexueller stärkten, das Abtreibungsrecht forderten oder den Weg für die freie Empfängnisverhütung ebneten. Die Grünen waren immer eine frauenfreundliche Partei, indem sie die politische Teilhabe von Frauen förderten. Sie schafften Angebote der Kinderbetreuung, damit auch sie künftig an Kongressen und Treffen teilnehmen konnten. Ein weiterer, historisch wertvoller Verdienst war die Einführung der Frauenquote. Damit waren die Grünen die erste Partei, die auf inner-demokratischer Ebene das von den anderen Parteien kontinuierlich kritisierte und verworfene Prinzip der Parität akkreditierte. Weiterlesen

Das deutsche Modell produziert die Hölle auf Erden!

Die folgende Präsentation von Frau Dr. Ingeborg Kraus über das deutsche Prostitutionsmodell wurde in Vancouver, Kanada am 20. September 2016 für die Veranstaltung „International Approaches to Prostitution: Sweden, Germany Canada” für ca. 200 Gäste im Orpheum Annex vorgetragen.  Folgende Organisationen haben diesen Vortrag gesponsort: Aboriginal Women’s Organizing Network; Asian Women Coalition Ending Prostitution; Formerly Exploited Voices Now Educating; Foy Allison Law; Resist Exploitation, Embrace Dignity; University Women’s Club of Vancouver; Vancouver Rape Relief und Women’s Shelter.

Danke, dass Sie mich hier nach Vancouver eingeladen haben. Danke an alle Organisationen, die dies möglich gemacht haben, insbesondere Suzanne Jay, die mich eingeladen und alles organisiert hat.

Prostitution war in Deutschland schon immer legalisiert, bis auf eine kurze Zeit im frühen 20. Jahrhundert[2] . Deutschland führte 2002 ein Gesetz ein, das aus der Prostitution versuchte, einen Job wie jeden anderen zu machen. Die Politiker_innen waren der Meinung, dass es nicht die Prostitution selbst war, die das Problem darstellte, sondern die Diskriminierung der Frauen durch die Gesellschaft und es ihnen an Rechten fehlte. Dieses Problem in Betracht ziehend, wollten sie die Frauen so gut wie möglich stärken. (Sie sagten), Prostitution solle nicht mehr als etwas „gegen die gute Moral“ angesehen werden, sondern als ein Job wie jeder Andere. Von nun an wurden die Frauen als Arbeiterinnen betrachtet, als „Sexarbeiterinnen“. Weiterlesen

Brief an UN-Frauen

Konsultation zur Ermittlung von Standpunkten zum Vorgehen von UN-Frauen in Bezug auf „Sexarbeit“, Sexhandel und Prostitution.

Dr. Ingeborg Kraus

„Wissenschaftler für eine Welt ohne Prostitution“[1] ist eine Gruppe von Gesundheits-ExpertInnen (im Fachgebiet Medizin, Psychologie und Psychotraumatologie) mit Sitz in Karlsruhe. Sie bietet Frauen in der Prostitution therapeutische und medizinische Unterstützung an. Diese Gruppe ist aus einem Appell[2] heraus entstanden, der besagt, dass Prostitution entmenschlicht, herabwürdigt und die universalen Rechte eines Menschen verletzt, ja dass Prostitution selbst Gewalt ist und eine Fortsetzung von Gewalt im Leben einer Frauen darstellt. In anderen Worten: „Es gibt keine gute Prostitution“.

Unsere Gruppe fordert ebenso ein Gesetz, das Männer in die Verantwortung nimmt und auf die gesetzliche Einführung eines Sexkaufverbotes besteht. Denn wir sind müde, zum zusammenflicken der Frauen gebraucht zu werden, während die Politik Männer dazu anstiftet „Frauen kaputt zu machen“. Dieser Appell wurde von den bekanntesten und einflussreichsten Traumatherapeutinnen und Experten aus Deutschland unterzeichnet. Wir wollen über die Realitäten in der Prostitution und ihrer Gesundheitsschäden informieren, über die verheerenden Auswirkungen eines Gesetzes, das Prostitution legalisiert, aufklären, die Stimmen der Gesundheitsexperten, die in direktem Kontakt mit den Opfern der Prostitution stehen, zu Wort kommen lassen. Wir wollen unsere klinischen Erfahrungen sowie Texte und wissenschaftliche Studien über Prostitution bekannt machen. Weiterlesen

Prostitution ist Gewalt gegen Frauen!

Vortrag von Dr. Ingeborg Kraus am 25.11.2016 in Straßburg.

Anlässlich des internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen, haben der Préfet der Region Alsace Champagne-Ardenne Lorraine, der Direktor der regionalen Gesundheitsbehörde, in Zusammenarbeit mit den Vereinen: centre d´information des droits des femmes et des familles (CIDFF), Mouvement du Nid France, Pénélope 67, zu einem grenzübergreifenden Symposium zum Thema „Prostitution und Gesundheit: Herausforderungen und Perspektivenwechsel in Europa“ geladen. 

Ich möchte mich bei den Veranstalterinnen und Veranstaltern für dieses deutsch-französische Symposium bedanken. Diese erste große Veranstaltung nach der Einführung des Gesetzes zum Abbau des Systems Prostitution in Frankreich neben Deutschland hat einen symbolischen Wert für uns. Ich denke, man muss Deutschland in der Tat wachrütteln. Deutschland, das in vielen europäischen Themen Vorgaben macht, wird in diesem Fall von Frankreich und von Schweden Nachhilfe gebrauchen können.

Anlässlich des internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen, möchte ich über die dramatischen Folgen, die Prostitution nach der Legalisierung in Deutschland angenommen hat, berichten und beweisen, dass Prostitution Gewalt gegen Frauen ist. Anschließend werde ich etwas über dessen psychische Folgen sagen.

Ich wollte meinen Fokus deshalb auch auf die Gewalt legen, weil die politischen Diskussionen in Deutschland den Aspekt der Gewalt nie wirklich zur Kenntnis genommen haben. Prostitution wird als private Spielerei betrachtet, wo sich der Staat nicht einzumischen hat.[1] Weiterlesen

Prostitution ist unvereinbar mit der Gleichstellung von Frau und Mann

Vortrag von Dr. Ingeborg Kraus in Madrid am 15.10.2015,  anlässlich der Fachtagung zu Prostitution, organisiert durch: „La Comision para la investigation de malos tratos a mujeres“.

In Deutschland wird die Idee eines Sexkauf-Verbots oft noch nicht einmal zur Kenntnis genommen, geschweige denn angestrebt, weil man denkt, es gäbe eine gute Prostitution. Es besteht natürlich Konsens darüber, dass „Kinderprostitution“ schlecht und Zwangsprostitution eine schwere Straftat ist, aber die Prostitution, in der sich zwei erwachsene Menschen einig werden…. Warum sollte sich da der Staat einmischen? Und ihnen vorschreiben, wie sie Sex haben? Oder ihn sogar verbieten? Das geht doch nicht!

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Sexkäufer weisen viele Gemeinsamkeiten mit sexuell gewalttätigen Männern auf!

Die neue Studie von Dr. Melissa Farley belegt, dass Sexkäufer ähnliche Strukturen aufweisen wie sexuell gewalttätige Männer. Diese Faktoren beinhalten folgende Auffälligkeiten: antisoziales Verhalten, eine Präferenz für unpersönlichen Sex, Sex als eine Sportart zu betrachten und nicht Teil einer intimen Beziehung, ein „feindseliges Männlichkeitsbild“ zu haben, was narzisstische Züge beinhaltet, eine ablehnende Haltung Frauen gegenüber und das Bestreben sie dominieren zu wollen.

Freier entwickeln weniger Empathie für Frauen in der Prostitution als Männer die keinen Sex kaufen. „Wir hoffen, sagt Farley, dass diese Studie den Mythos des Sexkäufers bricht, u.Z. dass Freier nur nette sexuell frustrierte Jungs seien“. Sexkäufer weisen ein hohes Maß an sexuell aggressiven Einstellungen und Verhalten auf!

Hier die Studie: Vergleichsstudie zwischen Sexkäufer und Männer die keinen Sex kaufen

Zur Realität in der Prostitution und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen

von Dr. Anita Heiliger

Die Existenz von Prostitution vermittelt Männern wie Frauen männliche Dominanz in der Gesellschaft. Männern wird (sexuelle) Verfügbarkeit von Frauen vermittelt und Frauen ihr unterlegener gesellschaftlicher Status. Die Juristin Rahel Gugel formuliert in ihrer Arbeit: „Das Spannungsverhältnis zwischen Prostitutionsgesetz und Art. 3 II Grundgesetz“: „Die faktischen Auswirkungen des ProstG normalisieren … nicht nur gesamtgesellschaftlich das sexistische und geschlechtshierarchische Frauenbild in Prostitution und Sexindustrie. Vielmehr stützen und zementieren sie auch allgemein eine diskriminierende geschlechtshierarchische Einstellung von Männern gegenüber Frauen in der Bundesrepublik.“
Prostitution an sich ist Gewalt gegen Frauen und stützt und fördert die männliche Herrschaft sowie die kollektive Entwürdigung von Frauen, sie untergräbt die Bemühungen um Gleichberechtigung der Geschlechter. Die folgenden Berichte von Aussteigerinnen zeigen, dass Prostitution kein Sex ist, sondern kommerzialisierte sexuelle Gewalt.
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Prostitution: Warum Deutschland Sexkauf verbieten muss

Bild 2Expertinnen aus ganz Deutschland haben sich  am 20.06.2014 in München getroffen, um die Situation der Frauen in der Prostitution zu diskutieren. Sie kamen einhellig zu dem Ergebnis, dass Prostitution an sich Gewalt gegen Frauen ist. Die Realität der Frauen in der Prostitution wird öffentlich, fachlich und politisch glorifiziert, bagatellisiert, ignoriert und geleugnet. Nach Ansicht der Expertinnen muss die Nachfrage nach Prostitution beendet werden, ein Sexkaufverbot sehen sie daher als unerlässlich an. Sie haben die Initiative Stop Sexkauf gegründet, die als Plattform für alle Gruppierungen und Personen fungieren wird, die eine grundlegende Lösung für die Frage der Prostitution anstreben. 

Die Journalistin Sabrina Hoffmann nahm an diesem Netzwerktreffen teil und schrieb folgenden Artikel dazu:

von Sabrina Hoffmann

Zwei Jahre waren genug, um ihr Leben zu zerstören. Zwei Jahre hat Marie als Prostituierte gearbeitet. Männer demütigten, benutzten und schlugen sie. Mit Anfang 40 fing Marie an, ihren Körper zu verkaufen. Weil sie keinen anderen Ausweg aus ihrer finanziellen Not sah.

Es schien eine gute Möglichkeit, schnell an Geld zu kommen. Warum auch nicht, dachte sie sich. „Du bist eine erwachsene Frau. Du hast gelebt, du hast geliebt.“ Am Anfang fühlte sie sich sogar geschmeichelt. Denn Männer bezahlten dafür, mit ihr zu schlafen. Also musste sie etwas wert sein.

Doch Marie merkte bald, dass sie den Männern gleichgültig war. Für die Freier zählte nur, dass Marie ihre sexuellen Wünsche erfüllte, egal wie ausgefallen oder abartig sie waren.

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Menschenhandel, Prostitution und Ungleichheit: Ein öffentlicher Vortrag von Catharine MacKinnon

Catharine MacKinnon ist Professorin für Rechtswissenschaft, Anwältin und radikale Feministin. In ihrem Gastvortrag an der University of Chicago Law School spricht sie über die Folgen und die Bedeutung der systematischen Misshandlung von Frauen, über ihre Erfahrungen in Indien, das schwedische Modell und warum das Experiment der Legalisierung gescheitert ist.

Die Textversion ihres Vortrags (PDF- englische Sprache) finden sie hier.