Die Sexkäufer im Fokus: München am 03.12.2016

Diese Fachtagung setzt sich kritisch mit dem Sexkäufer auseinander. Der gängigen Verharmlosung und Romatisierung der Sexkäufer wird auf dieser Fachtagung die Wirklichkeit entgegengesetzt: Frauenverachtung, Dominanzwünsche, Gewaltfantasien und reaktionäre Vorstellungen von Sexualität und Männlichkeit. Im Deutschland der weltweit krassensten legalen Prostitutionsindustrie lernen Frauen/Mädchen und Männer/Jungen täglich, dass die sexuelle Benutzung des Frauenkörpers durch Männer normal und käuflich ist. Dem stellt sich Stop Sexkauf energisch entgegen und fordert ein Ende der Prostitution mit dem Mittel der Freierbestrafung. 

Vor dem Hintergrund der längst vielfach widerlegten These des männlichen Sexualtriebs, der Befriedigung verlange, stellt eine staatliche unterstützte, ständig wachsende Prostitutionsindustrie den Männern kollektiv eine scheinbare „Entlastung“ bereit und zementiert damit eine patriarchale Grundstruktur, die eine menschen- und geschlechtergerechte Gesellschaft blockiert.

Auf dieser Fachtagung werden Argumente für die Unausweichlichkeit der Freierbestrafung mit: Aussteigerinnen, Ergebnissen der Freierforschung und mit einem Bericht über Zero Macho, Arbeit mit Männern und Jungen gegen Prostitution. Ferner berichten Mitarbeiterinnen von Mouvement du Nid, der größten Organisation von AktivistInnen gegen Prostitution in Frankreich mit Berichten zu Freierforschung, sowie dem Gesetz der Freierbestrafung in Frankreich und wie es sich aktuell auswirkt.

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Vancouver/Kanada vom 19.09. bis 20.09.2016: International approches to prostitution: Sweden, Germany, Canada.

Prostitution wird weltweit kontrovers diskutiert, auch in Kanada. Die Veranstaltung am 20. September in Vancouver will die unterschiedlichen Modelle diskutieren, die Schweden und Deutschland eingenommen haben. Die Redner werden ebenfalls das neue kanadische Prostitutionsgesetz prüfen, mit dem Fokus auf Vancouver.

Am Tag davor findet ein 3-stündiges Training für Professionelle, die mit Opfern sexueller Ausbeutung arbeiten, statt.

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Stellungnahme von Wolfgang Heide, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe

Stellungnahme zur öffentlichen Anhörung zur 
„Regulierung des Prostitutionsgewerbes“ im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Gesundheit im Deutschen Bundestag am 06. Juni 2016

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, sehr geehrte Damen und Herren.
Ich bedanke mich für die Gelegenheit, mich im Vorfeld der Sitzung am 06. Juni zum Themenkomplex „Prostitution und Gesundheit“ äußern zu dürfen.

Vorbemerkung:

Seit der Gründung Beratungsstelle „Amalie“ in Mannheim betreue ich dort, sowie in meiner Praxis in Heidelberg ehrenamtlich Prostituierte. Diese Betreuung geht weit über medizinische Untersuchungen hinaus, beinhaltet viele Gespräche, ebenso wie „Streetworking“ also aufsuchende Arbeit in den sogenannten Laufhäusern. Da die Frauen im Laufe der Jahre ein Vertrauensverhältnis zu mir aufgebaut haben, berichteten sie mir Dinge, die in einem kurzen Beratungsgespräch nicht an den Tag kommen können.

Aufgrund meiner Erfahrungen wurde ich gebeten eine Stellungnahme zur gesundheitlichen Situation von Prostituierten abzugeben. Weiterlesen

Lutz Besser: Stellungnahme zum ProstituiertenschutzG

Stellungnahme zur Anhörung zum Entwurf eines Gesetzes zur Regelung des Prostitutionsgewerbes sowie zu Schutz von in der Prostitution tätigen Personen. 04.06.2016

Als Arzt, Psychiater, Kinder- und Jugendpsychiater, Traumaexperte und Leiter des zptn – Zentrum für Psychotraumatologie und Traumatherapie Niedersachsen, möchte ich aus meiner lang-jährigen therapeutischen Arbeit mit misshandelten und sexuell ausgebeuteten Menschen und ihren Traumafolgebelastungen und -störungen nun als geladener Sachverständiger v.a. auch emotional unterlegt Stellung beziehen, da die sicherlich im juristischen Bereich notwendige schriftliche Versachlichung von Gesetzesentwürfen und Anträgen verschiedener Fraktionen, die hier zur Diskussion stehen, aus meiner Sicht mit zur Bagatellisierung und Ausblendung von gravierenden Fakten im Bereich der Prostitution in Deutschland beitragen.

Meine Haltung und die dazu gehörigen schriftlichen Formulierungen und verbalen Äußerungen sind frei von irgend einer parteipolitischen oder religiösen Überzeugung oder Zugehörigkeit und sind auch nicht Teil einer konservativen versus progressiven, anders ausgedrückt einer puritanischen, lustfeindlichen versus freie sexuelle Selbstbestimmung bejahenden Haltung. Zum Teilen sexueller Freuden und Lust von gleichgestellten Menschen bekenne ich mich ausdrücklich und halte beglückende Sexualität zwischen zwei Menschen für eine wichtige Ressource in der zwischenmenschlichen Interaktion. Aber es geht in der Diskussion um Prostitution um etwas ganz anderes. Weiterlesen

Eine Regulierung der Prostitution ist keine Lösung!

Regulierungen und Reglementierungen der Prostitution haben immer zwei Nachteile – außer dem Nachteil natürlich, dass sie seit mehreren 100 Jahren immer wieder ihr Scheitern gezeigt haben.

Nachteil 1: Sie treffen letztlich oft doch nur diejenigen, meistens Frauen, in der Prostitution. Das System, das die Prostitution aufrecht erhält und davon profitiert, und zwar die Zuhälter, Menschenhändler und Sexkäufer, werden dadurch nicht belangt. Die Täter kommen somit mal wieder gut davon!

Nachteil 2: Sie senden ein falsches Signal: Sie legen letztlich mit gesetzlichem Gütesiegel fest, welche Formen der Ausbeutung und der sexuellen Gewalt von einer Gesellschaft als normal und schützenswert per gesetzlicher Absicherung betrachtet werden – und verhandeln bestenfalls die Grenzen dazu. Weiterlesen

Die Wahrheit über Prostitution

Rachel Moran geriet mit 15 in die Prostitution. Der Vater hatte Selbstmord begangen, die Mutter war psychisch schwer verstört und lebte mit ihren fünf Töchtern in bitterer Armut am Rand der Gesellschaft. Rachel floh und wurde obdachlos – von da war es nur noch ein Schritt in die Prostitution. Die heute 38-jährige Journalistin prostituierte sich sieben Jahre lang: auf der Straße, im Bordell, als Escort-Girl. Sie hat es überlebt. Doch erst jetzt, viele Jahre später, schrieb sie die bittere Wahrheit auf. Das Buch räumt endgültig auf mit dem Mythos von der „freiwilligen, selbstbestimmten Prostitution“. Sie spricht vom Missbrauch der Täter wie der Scham der Opfer. Was das Buch so besonders und seine Lektüre so unverzichtbar macht, ist der Abgrund des Erlebten bei gleichzeitig hoher Reflektiertheit. Als Autorin und Bloggerin kämpft Moran heute gegen die Verharmlosung und Legalisierung der Prostitu­tion, als Aktivistin ist die Irin die Europa­Koordinatorin von SPACE (Survivors of Prostitution–Abuse Calling for Enlightenment).

Hier ein Auszug aus dem Kapitel „Scham“:

Eines Abends, vor einigen Jahren, fragte mich eine meiner Schwestern in leicht angetrunkenem Zustand: „Wurdest du je vergewaltigt oder missbraucht oder irgend so etwas? Du weißt ja, dass du mit mir über solche ­Sachen reden kannst“.

Gehen wir davon aus, dass der Prostituierten ein Knebel verpasst wird (und ich weiß mit Gewissheit, dass das so ist). Wenn ich das Bild einer geknebelten Frau vor Augen habe, dann sehe ich, wie die Gesellschaft das eine Ende des Knebels festhält, während die Prostituierte das ­andere Ende hält – und sie gemeinsam darauf hinwirken, dass der Knoten sich fester zieht. Obwohl ich zu der Zeit der Prostitution seit mehreren Jahren den ­Rücken gekehrt hatte, war der Knoten meines Knebels noch fest an jenem Abend, als mich meine Schwester fragte, ob ich jemals vergewaltigt worden wäre. Deswegen konnte ich auch den ersten Gedanken, der mir durch den Kopf ging, nicht frei aussprechen. Er lautete: „Jeden Tag!“. Weiterlesen

„Alle Freier sind Täter“

Huschke Mau, Aussteigerin aus der Prostitution, in der Süddeutschen Zeitung: Nach einer Kindheit voller Missbrauch und Gewalt beginnt Huschke Mau, sich zu prostituieren. Der Ausstieg nach zehn Jahren im Milieu war schwierig. Heute sagt sie: Freiwillige Prostitution ist ein Mythos. Sie engagiert sich seit ihrem Ausstieg für ein Sexkaufverbot in Deutschland.

„Meine Familie würden viele wohl als asozial bezeichnen. Wir lebten zwar in einer Eigenheimsiedlung, mit dem Haus hat sich mein Vater allerdings finanziell übernommen. Unser Haus wurde nie fertig, es hatte innen lange Zeit nicht mal Türen – das wollte mein Vater auch nicht, der hatte das Bedürfnis, uns alle zu kontrollieren.

Verprügelt hat er die ganze Familie, meine Mutter auch häufig vergewaltigt. Oft mussten meine Schwester, mein Bruder und ich uns nackt ausziehen und er hat uns angebrüllt. Wenn ich gebadet habe, hat er meinen Kopf unter Wasser gedrückt. Und manchmal hat er uns auch mitten in der Nacht aus dem Bett geprügelt. Damals dachte ich, er wird uns alle umbringen.

So wuchs ich auf, in einer Atmosphäre von Terror und Angst – und mit dem Gefühl, alles falsch wahrzunehmen. Denn trotz der Brutalität meines Vaters hat meine Mutter immer zu ihm gehalten. Es war alles verdreht: Er hat sie verdroschen, ich bin dazwischengegangen und habe die Schläge abbekommen. Und danach haben beide so getan, als wäre ich einfach ein seltsames Kind. Ich erfuhr später, dass ich im Gegensatz zu meinen Geschwistern nicht das leibliche Kind meines Vaters war. Vielleicht erklärt das, warum ich am meisten abgekriegt habe. Weiterlesen

Trauma als Voraussetzung für und Folge der Prostituierung

Zum Nachhören: hier die Audiodatei des Fachvortrages von Dr. Ingeborg Kraus in Saarbrücken.  Die Veranstaltung wurde mit 5 Fortbildungspunkten von der Ärztekammer akkreditiert. Es kamen über 50 professionelle aus dem Bereich Medizin, Psychotherapie und Sozialarbeit. Somit bekommt der Abolitionismus eine neue Dimension: er wird als professionelle Fortbildung anerkannt. Es ist nicht mehr nur eine Meinung oder Idee!

http://www.frauengenderbibliothek-saar.de/blog/zum-nachhoeren/

Trauma und Dissoziation bei Kindern und Jugendlichen

Die DGTD ladet alle Professionellen ein, die mit traumatisierten Menschen und in diesem Jahr besonders mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Die Jahrestagung findet in Berlin vom 23. bis 24.09.2016 statt.

Es werden Themen vertieft, die in der Arbeit mit sexuell traumatisierten Menschen sehr hilfreich sein werden: 
* Sexualisierte Gewalt im Zeitalter des digitalen Exhibitionismus. * Rituelle / organisierte Gewalt: Folgen für Kinder und ihre Familien. * Traumasensible Ausstiegsbegleitung. * Überlebensstrategie Dissoziation bei häuslichen und anderen Gewalterfahrungen. * Traumapädagogik in Helfersystemen.

Was macht Gewalt mit Kindern? Was geschieht in ihrem noch reifenden Gehirn, wenn der Stress durch Vernachlässigung, seelische Qualen und körperliche oder sexualisierte Gewalt unerträglich wird?

Trauma und dissoziationTrauma und Dissoziation2

Weitere Infos finden sie unter folgendem Link: http://www.dgtd.de/tagung-2016/programm/freitag/