Conference on the sex trade. Stockholm 02.10.2017

Mit Gail Dines und Ingeborg Kraus. 

1999 hat Schweden den Weg der Freierbestrafung eingeschlagen, Deutschland hat sich 2002 für die Legalisierung der Prostitution entschieden. 15 Jahre danach: Was sind die Resultate? In welchem Land erfahren die Frauen in der Prositution mehr Schutz? Wie wirken sich die Gesetze auf die Gesellschaft aus? Welches Modell ist am effektivsten im Kampf gegen den Menschenhandel? Es ist Zeit Bilanz zu ziehen.

Program:

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Keine einzige etablierte Partei nimmt eine klare Stellung zur Prostitution ein. Das ist eine Schande!

Von Dr. Ingeborg Kraus. 

Diese Rede wurde in Saarbrücken am 02.09.2017 auf der Fachtagung „Warum Männer zu Prostituierten gehen?“ gehalten (und ergänzt).

Ich bedanke mich sehr bei Hadassah[2], auf dieser wichtigen und hochkarätigen Veranstaltung sprechen zu dürfen und etwas über die Schäden durch die Prostitution zu sagen, da dieser Aspekt, sowie die Gewalt in der Prostitution bei den Evaluationen des deutschen Ansatzes gezielt ignoriert wurden[3].

Kurz etwas zu der Realität in der Prostitution: Weiterlesen

Es gibt kein Recht auf Sex

Prostitution gehört zu Deutschland wie das Amen zur Kirche. „Sollen Männer ruhig zu käuflichen Frauen gehen, das senkt die Kriminalitätsrate“, denken die einen. „Ist doch gut, dass es Frauen gibt, die so was gerne tun“, finden die anderen. Dieses Gedankengut basiert jedoch auf falschen Vorstellungen. Aktuelle Studien zeigen, dass das System der legalen Prostitution patriarchale Grundstrukturen und Gewalt gegen Frauen insgesamt eher fördert. Psychologische Forschungen offenbaren, dass Prostituierte immer großen seelischen Schaden durch ihre Tätigkeit erleiden, auch wenn ihnen dies manchmal nicht bewusst ist. Und selbst Freier bekommen durch Sexkauf nicht das, was sie eigentlich bräuchten. Ein Prostitutionsgesetz wie es in Frankreich jetzt umgesetzt wurde, könnte auch in Deutschland Menschenwürde und Gerechtigkeit stärken.

Von Dr. Ingeborg Kraus.   Dieser Artikel erschien in Raum & Zeit im Dezember 2016.

In der Schule lernt man die Bedürfnispyramide nach Maslow. Als Grundbedürfnisse werden Luft, Wasser, Nahrung und Sex aufgelistet. Man könne immer nur in die nächsthöhere Stufe gelangen, wenn die Untere gegeben und erfüllt sei. Nur so erreiche man die höchste Stufe, und zwar die Selbstverwirklichung. Als 12-jähriges Mädchen habe ich mich gefragt, wie lange man wohl ohne Luft, Wasser und Nahrung überleben könnte? Zwei Minuten ohne Luft, drei Tage ohne Wasser und vielleicht 14 Tage ohne Nahrung? Und wie lange könnte man ohne Sex überleben? Was passiert, wenn man eine Zeitlang keinen Sex hat? Stirbt man? Wird man schwer krank? Passiert da was ganz Schlimmes?

Nein, nichts davon! Es passiert überhaupt nichts! Nur die Fantasie, dass Sex für Männer ein ununterdrückbares Grundbedürfnis sei, lässt Schlimmes in der Welt passieren: Sexuelle Gewalt, Verschleierung der Frauen und Prostitution. Weiterlesen

World Congress on Women‘s Health – Dublin

Title: 15 Years after adoption of the legalization of prostitution in Germany, evaluating the impact on and the consequences for women‘s mental health.

Presenter: Dr. Ingeborg Kraus

Where: 07.02.2017 in Dublin – http://iawmh2017.org/wp/

Introduction/Objective: Germany instituted a law in 2002 that legalized prostitution without any regulation in an attempt to normalise it as a job like any other. It was put in place because it was argued that it wasn’t prostitution that was traumatizing but the stigmatization of these women by society. Fifteen years after passing the law, my colleagues in the field of Psychology and I have analysed the impact of the law on prostition itself and on womens health. This symposium will present the key observations based on direct clinical work & analysis of patient studies, of the mental health impacts of prostitution on women involved in the German sex industry over the last 15 years. I will outline positive approaches as medical practitioners to support and assist women who suffer mental ill-health as a consequence of this experience, and finally; to reflect on a number of recommended policy changes with the objective of more broadly improving the situation. Weiterlesen

„Sexualassistenz“ und was davon zu halten ist:

Inge Hauschildt-Schön, 16.01.2017.

Die pflegepolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion Elisabeth Scharfenberg regt an, dass älteren pflegebedürftigen / behinderten / dementen Menschen zur Befriedigung ihrer sexuellen Bedürfnisse eine sog. „Sexualassistenz“ zur Verfügung gestellt wird (s. OP vom 9. Jan. 2017). Weniger verschleiernd ausgedrückt: Prostitution soll zur sozialen Institution werden, die die bisher unzulängliche Alten- und Behindertenpflege verbessern soll. Die Kosten dafür sollen vom Staat übernommen werden. Die „sexuellen Dienstleistungen“ in Pflegeheimen wären damit legal, ein neuer Markt für Prostitution wäre eröffnet.

Der Vorschlag der Grünen-Politikerin ist zynisch: Sie ignoriert damit den wahren Pflegenotstand (Personalmangel, schlechte Bezahlung der Pflegekräfte, keine Zeit des Pflegepersonals für ein längeres persönliches Gespräch, für intensivere Zuwendung zu den zu versorgenden Menschen u.v.a.m.).
Und er ist dilettantisch und inhuman: Immer wieder weisen Pflegekräfte darauf hin, dass ihre Patientinnen und Patienten sich vor allem eine liebevolle, warmherzige, zeitlich nicht streng limitierte, ruhige und verständnisvolle Pflege wünschen. Diese Bedürfnisse sind mit einer „Sexualassistenz“ , also mit nach Minuten abgerechnetem gekauftem Sex, nicht zu befriedigen. Weiterlesen

Wie die evangelische Kirche und der grüne Pseudo-Feminismus zu Unterstützern der Zuhälterei in Deutschland wurden

Florence Humbert, Historikerin, Dezember 2016.

Emanzipatorische Fortschritte und neue Bürgerrechte in einem friedlichen Europa – das waren die Versprechen der Grünen zum Zeitpunkt ihrer Gründung im Jahr 1982. In den letzten 30 Jahren waren sie der Motor zahlreicher gesellschaftlicher Neuerungen und Umbrüche. Sie sicherten die freiheitlichen Grundrechte unterdrückter Minderheiten, indem sie die Rechte Homosexueller stärkten, das Abtreibungsrecht forderten oder den Weg für die freie Empfängnisverhütung ebneten. Die Grünen waren immer eine frauenfreundliche Partei, indem sie die politische Teilhabe von Frauen förderten. Sie schafften Angebote der Kinderbetreuung, damit auch sie künftig an Kongressen und Treffen teilnehmen konnten. Ein weiterer, historisch wertvoller Verdienst war die Einführung der Frauenquote. Damit waren die Grünen die erste Partei, die auf inner-demokratischer Ebene das von den anderen Parteien kontinuierlich kritisierte und verworfene Prinzip der Parität akkreditierte. Weiterlesen