Eine Regulierung der Prostitution ist keine Lösung!

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Regulierungen und Reglementierungen der Prostitution haben immer zwei Nachteile – außer dem Nachteil natürlich, dass sie seit mehreren 100 Jahren immer wieder ihr Scheitern gezeigt haben.

Nachteil 1: Sie treffen letztlich oft doch nur diejenigen, meistens Frauen, in der Prostitution. Das System, das die Prostitution aufrecht erhält und davon profitiert, und zwar die Zuhälter, Menschenhändler und Sexkäufer, werden dadurch nicht belangt. Die Täter kommen somit mal wieder gut davon!

Nachteil 2: Sie senden ein falsches Signal: Sie legen letztlich mit gesetzlichem Gütesiegel fest, welche Formen der Ausbeutung und der sexuellen Gewalt von einer Gesellschaft als normal und schützenswert per gesetzlicher Absicherung betrachtet werden – und verhandeln bestenfalls die Grenzen dazu. Weiterlesen

Die Wahrheit über Prostitution

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Rachel Moran geriet mit 15 in die Prostitution. Der Vater hatte Selbstmord begangen, die Mutter war psychisch schwer verstört und lebte mit ihren fünf Töchtern in bitterer Armut am Rand der Gesellschaft. Rachel floh und wurde obdachlos – von da war es nur noch ein Schritt in die Prostitution. Die heute 38-jährige Journalistin prostituierte sich sieben Jahre lang: auf der Straße, im Bordell, als Escort-Girl. Sie hat es überlebt. Doch erst jetzt, viele Jahre später, schrieb sie die bittere Wahrheit auf. Das Buch räumt endgültig auf mit dem Mythos von der „freiwilligen, selbstbestimmten Prostitution“. Sie spricht vom Missbrauch der Täter wie der Scham der Opfer. Was das Buch so besonders und seine Lektüre so unverzichtbar macht, ist der Abgrund des Erlebten bei gleichzeitig hoher Reflektiertheit. Als Autorin und Bloggerin kämpft Moran heute gegen die Verharmlosung und Legalisierung der Prostitu­tion, als Aktivistin ist die Irin die Europa­Koordinatorin von SPACE (Survivors of Prostitution–Abuse Calling for Enlightenment).

Hier ein Auszug aus dem Kapitel „Scham“:

Eines Abends, vor einigen Jahren, fragte mich eine meiner Schwestern in leicht angetrunkenem Zustand: „Wurdest du je vergewaltigt oder missbraucht oder irgend so etwas? Du weißt ja, dass du mit mir über solche ­Sachen reden kannst“.

Gehen wir davon aus, dass der Prostituierten ein Knebel verpasst wird (und ich weiß mit Gewissheit, dass das so ist). Wenn ich das Bild einer geknebelten Frau vor Augen habe, dann sehe ich, wie die Gesellschaft das eine Ende des Knebels festhält, während die Prostituierte das ­andere Ende hält – und sie gemeinsam darauf hinwirken, dass der Knoten sich fester zieht. Obwohl ich zu der Zeit der Prostitution seit mehreren Jahren den ­Rücken gekehrt hatte, war der Knoten meines Knebels noch fest an jenem Abend, als mich meine Schwester fragte, ob ich jemals vergewaltigt worden wäre. Deswegen konnte ich auch den ersten Gedanken, der mir durch den Kopf ging, nicht frei aussprechen. Er lautete: „Jeden Tag!“. Weiterlesen

„Alle Freier sind Täter“

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Huschke Mau, Aussteigerin aus der Prostitution, in der Süddeutschen Zeitung: Nach einer Kindheit voller Missbrauch und Gewalt beginnt Huschke Mau, sich zu prostituieren. Der Ausstieg nach zehn Jahren im Milieu war schwierig. Heute sagt sie: Freiwillige Prostitution ist ein Mythos. Sie engagiert sich seit ihrem Ausstieg für ein Sexkaufverbot in Deutschland.

„Meine Familie würden viele wohl als asozial bezeichnen. Wir lebten zwar in einer Eigenheimsiedlung, mit dem Haus hat sich mein Vater allerdings finanziell übernommen. Unser Haus wurde nie fertig, es hatte innen lange Zeit nicht mal Türen – das wollte mein Vater auch nicht, der hatte das Bedürfnis, uns alle zu kontrollieren.

Verprügelt hat er die ganze Familie, meine Mutter auch häufig vergewaltigt. Oft mussten meine Schwester, mein Bruder und ich uns nackt ausziehen und er hat uns angebrüllt. Wenn ich gebadet habe, hat er meinen Kopf unter Wasser gedrückt. Und manchmal hat er uns auch mitten in der Nacht aus dem Bett geprügelt. Damals dachte ich, er wird uns alle umbringen.

So wuchs ich auf, in einer Atmosphäre von Terror und Angst – und mit dem Gefühl, alles falsch wahrzunehmen. Denn trotz der Brutalität meines Vaters hat meine Mutter immer zu ihm gehalten. Es war alles verdreht: Er hat sie verdroschen, ich bin dazwischengegangen und habe die Schläge abbekommen. Und danach haben beide so getan, als wäre ich einfach ein seltsames Kind. Ich erfuhr später, dass ich im Gegensatz zu meinen Geschwistern nicht das leibliche Kind meines Vaters war. Vielleicht erklärt das, warum ich am meisten abgekriegt habe. Weiterlesen

Trauma als Voraussetzung für und Folge der Prostituierung

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Zum Nachhören: hier die Audiodatei des Fachvortrages von Dr. Ingeborg Kraus in Saarbrücken.  Die Veranstaltung wurde mit 5 Fortbildungspunkten von der Ärztekammer akkreditiert. Es kamen über 50 professionelle aus dem Bereich Medizin, Psychotherapie und Sozialarbeit. Somit bekommt der Abolitionismus eine neue Dimension: er wird als professionelle Fortbildung anerkannt. Es ist nicht mehr nur eine Meinung oder Idee!

http://www.frauengenderbibliothek-saar.de/blog/zum-nachhoeren/

Trauma und Dissoziation bei Kindern und Jugendlichen

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Die DGTD ladet alle Professionellen ein, die mit traumatisierten Menschen und in diesem Jahr besonders mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Die Jahrestagung findet in Berlin vom 23. bis 24.09.2016 statt.

Es werden Themen vertieft, die in der Arbeit mit sexuell traumatisierten Menschen sehr hilfreich sein werden: 
* Sexualisierte Gewalt im Zeitalter des digitalen Exhibitionismus. * Rituelle / organisierte Gewalt: Folgen für Kinder und ihre Familien. * Traumasensible Ausstiegsbegleitung. * Überlebensstrategie Dissoziation bei häuslichen und anderen Gewalterfahrungen. * Traumapädagogik in Helfersystemen.

Was macht Gewalt mit Kindern? Was geschieht in ihrem noch reifenden Gehirn, wenn der Stress durch Vernachlässigung, seelische Qualen und körperliche oder sexualisierte Gewalt unerträglich wird?

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Weitere Infos finden sie unter folgendem Link: http://www.dgtd.de/tagung-2016/programm/freitag/

Saarbrücken: 15.04.2016 in der Gender Bibliothek

Der Verein Hadassah initiative féminine und die FrauenGenderBibliothek Saar laden ein zum Fachvortrag „Trauma als Voraussetzung für und Folge der Prostituierung“ von Frau Dr. Ingeborg Kraus. Führende deutsche TraumatherapeutInnen fordern die gesetzliche Einführung eines Sexkaufverbots.

In ihrem Vortrag erläutert Frau Dr. Ingeborg Kraus, dass frühe Traumata den Weg in die Prostitution bahnen und welche Folgen die Prostituierung für Frauen und Männer hat.

Die Veranstaltung richtet sich an ein Fachpublikum aus den Bereichen Psychotherapie, Medizin und Sozialarbeit sowie an die interessierte Öffentlichkeit. Nach dem Vortrag besteht die Möglichkeit zur Diskussion. Die Veranstaltung wird von der Psychotherapeutenkammer des Saarlandes mit 5 Fortbildungspunkten akkreditiert.

Hier kann der Vortrag nachgehört werden: http://www.frauengenderbibliothek-saar.de/blog/zum-nachhoeren/

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Konferenz in Straßburg: Prostitution und Gesundheit

Frankreich hat am 06.04.2016 die Freierbestrafung gewählt. Ein historischer Tag und ein großer Schritt zum Abbau des Systems Prostitution. Zu diesem Anlass organisiert der Verein „Mouvement du Nid“, der im wesentlichen auch zu diesem Erfolg beigetragen hat, eine Konferenz zum Thema „Prostitution und Gesundheit“. Frau Dr. Kraus wird über „Trauma und Prostitution“ referieren.

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Prostitution ist unvereinbar mit der Gleichstellung von Frau und Mann

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Vortrag von Dr. Ingeborg Kraus in Madrid am 15.10.2015,  anlässlich der Fachtagung zu Prostitution, organisiert durch: „La Comision para la investigation de malos tratos a mujeres“.

In Deutschland wird die Idee eines Sexkauf-Verbots oft noch nicht einmal zur Kenntnis genommen, geschweige denn angestrebt, weil man denkt, es gäbe eine gute Prostitution. Es besteht natürlich Konsens darüber, dass „Kinderprostitution“ schlecht und Zwangsprostitution eine schwere Straftat ist, aber die Prostitution, in der sich zwei erwachsene Menschen einig werden…. Warum sollte sich da der Staat einmischen? Und ihnen vorschreiben, wie sie Sex haben? Oder ihn sogar verbieten? Das geht doch nicht!

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Trauma als Voraussetzung für und Folge der Prostituierung

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Vortrag von Frau Dr. Ingeborg Kraus, anlässlich der Fachtagung „Über die Schäden durch die Prostitution“.

München, 4. / 5. Dezember 2015.

Herzlichen Dank an dich, Anita Heiliger, dass du die Fachtagung zustande gebracht hast und es auch ermöglicht hast, dass Melissa Farley nach Deutschland kommt. Denn es war sehr wichtig, was Melissa gestern gesagt hat.

Noch kurz etwas zum Kongress im letzten Jahr in München. Ich habe diesen Workshop – Traumata und Prostitution, Erfahrungen und Forderungen – zusammen mit dir, Anita, organisiert, und er war ja wirklich fantastisch, da kam wirklich international die Elite der Psychotraumatologie nach München, das muss man sich mal vorstellen: Dr. Muriel Salmona aus Paris kam, Michaela Huber kam, die Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Trauma und Dissoziation und es war ganz wichtig, dass Christiane Caspary vom Frauentherapiezentrum München auch da war, die ganz wichtige Themen angesprochen hat, wie Prostitution von Frauen, die auf der Flucht sind, eine Situation die ganz aktuell ist.

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Resolution der Fachtagung „Über die Schäden durch die Prostitution“

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14. Dez. 2015 — Die TeilnehmerInnen der Fachtagung des Bündnisses Stop Sexkauf „Über die Schäden durch die Prostitution“ sind empört, dass die zuständigen Bundestagsabgeordneten es nicht geschafft haben, notwendige Schutzmaßnahmen für Frauen in der Prostitution umzusetzen. Der von CDU/CSU zunächst in Absprache mit der SPD vorgelegte Entwurf eines neuen Prostituiertenschutzgesetzes wurde in der vorigen Woche endgültig von der SPD Fraktion gekippt.
Die SPD konnte sich noch nicht einmal zu regelmäßigen Gesundheitsberatungen für die prostituierten Frauen und zu einer Heraufsetzung des Schutzalters von 18 auf 21 Jahre bereit erklären. Auch die dem Schutz der Frauen dienende regelmäßige Anmeldepflicht der Frauen wurde abgelehnt und soll nur einmalig persönlich von den betroffenen Frauen selbst erfolgen; vier Jahre später genüge dann eine digitale Anmeldung.

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