Fachtagung – Die Loverboy-Methode – Saarbrücken am 14.04.2018

Eine äußerst interessante Fachtagung über die Loverboy-Methode findet am Samstag, den 14. April in Saarbrücken statt. Sandra Norak ist über so einen Zuhälter in die Prostitution geraten. Sie wird über diese Zeit berichten, sowie über das Prostitutionssystem. Welche Hilfe brauchen die Opfer und was bedeutet Hilfe beim Ausstieg aus der Prostitution? Darüber wird Frau Linda Terpstra sprechen, die das Schutzhaus „fier“ in den Niederlanden leitet und Vivianne Wagner, vom Mouvement du Nid-Moselle in Frankreich. Über die Medienrealität und ihre Gefahren für Jugendliche wird Herr Prof. Dr. Jens Vogelgesang sprechen. Inge Hauschildt-Schön, Sprecherin der Marburger Bürgerinitiative bi-gegen-bordell, kämpft seit 2005 gegen das System Prostitution, wird ein Abschluss-Statement geben. Weiterlesen

Liebe Männer, wir müssen reden!

Ich freue mich sehr ein neues Buch gegen Sexkauf vorzustellen, für das ich das Vorwort schreiben durfte. Gisela Jaspersen informiert in ihrem Buch über die historische Einordnung von Prostitution, die verschiedenen Facette der negativen Seiten des Prostitionsgeschäfts und regt eine Neuorientierung in Bezug auf die heutigen Männerbilder an. Die Autorin möchte mit ihrem Buch in erster Linie die Männer erreichen, die als heterosexuelle Freier aktiv sind und sexuelle Leistungen von Mädchen und Frauen kaufen. Zugleich ist das Buch aber auch eine gute Zusammenstellung für Partnerinnen, Elternteile oder Jugendliche, die grundlegendes Wissen über Prostitution in Deutschland erfahren möchten. 

Hier mein Vorwort als Anregung zum Lesen:

Wir tun alle so, als wäre die Gleichstellung zwischen Mann und Frau schon erreicht, und wir müssten nur noch an Feinheiten schleifen. Natürlich ist eine gesetzliche Quote und Lohngleichheit wichtig. Es gibt aber eine Enklave in unserem Land, in der Frauen von allen frauenrechtlichen Errungenschaften ausge- schlossen sind: die Prostitution.

Die Politik behandelt Prostitution nur als Randthema, und eine liberale Gesellschaft will sich da nicht einmischen. „Jede/r soll so leben, wie sie/er es für richtig hält!“, bekommt man oft zu hören. Das Thema wird nicht tiefer reflektiert und analysiert.

Wir kennen sie alle, diese Gespräche unter Bekannten, in denen Prostitution schnell bagatellisiert und als Kavaliersdelikt verharmlost wird. Oft wird geschmunzelt, wenn aber Prostitution kritisiert wird, gibt es sehr schnell erheblichen Widerstand. Ich selbst kann mich an sehr viele solcher Gespräche erinnern. Ein Beispiel dazu: als ich als therapeutische Leiterin in einer Suchtfachklinik für Männer arbeitete, fielen mir nicht nur die pornografischen Poster in der Einrichtung auf, sondern auch, dass die Patienten am Wochenende mit der größten Selbstverständlichkeit in ein Bordell gingen. Als ich dies ansprach, musste ich bitter feststellen, dass die Einrichtung, die sich der männlichen Gesundheit widmete, das Ausleben männlicher Sexualität als wichtigeren Gesundheitsfaktor ansah als die Gewalt gegen Frauen durch Prostitution. Man kann aber nicht die eigene Gesundheit auf Kosten der Gesundheit anderer ausspielen. Man kann nicht die eigene Lust auf Kosten der anderen ausleben. Das geht so nicht!

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Medien und Prostitution

Ein Beitrag von Ulrike Maier und Dr. Ingeborg Kraus

Bislang dominiert ein ganz bestimmtes Bild der Prostitution die deutschen Medien: Die selbstbewusste Sexarbeiterin, die ihrem Beruf gerne nachgeht. Nur vereinzelt gibt es kritische Stimmen, so wie ein Spiegel-Artikel von 2013 oder die neue ZDF-Dokumentation „Bordell Deutschland“. Durch massive mediale Gegendarstellungen, die immer noch einen romantischen Blick auf Sexarbeiterinnen werfen, verblassen diese realitätsnahen Reportagen und Fragen, die sich aus dem System Prostitution ergeben, werden erst gar nicht gestellt: Welche gesellschaftliche Konsequenzen hat der liberale Umgang mit dem Sexkauf? Wer sind die Sexkäufer? Was macht Prostitution mit Frauen? Was macht es mit Männern? Welche Konsequenzen hat Prostitution für das Verhältnis der Geschlechter untereinander? Hier ein paar Beispiele für gefährliche Verharmlosung: Weiterlesen

Kirche und Prostitution

Dieser hervorragende Artikel von Geneviève Hesse erschien am 21.01.18 in der Bistumpresse. Aufgrund von Beschwerden gegen die Interview-Aussagen (insbesondere gegen den Satz die „Säulen der Sex-Industrie“) hat die Redaktion von „Tag des Herrn“ den Beitrag am 24.01.18 von seiner Webseite entfernt. Wir bedanken uns bei Frau Hesse für Ihre Standhaftigkeit, sich bei ihrer Aufklärung gegen Prostitution nicht zensieren zu lassen. (Bild von Marc Chagall, der zahlreiche Bleiglasfenster für Kirchen gestaltete)

Anfang Dezember 2017 gab es in Berlin in der Urania eine Podiumsdiskussion über Wege aus der Prostitution und Strafen gegen Sex-Käufer – das sogenannte Nordische Modell, das schon in Schweden, Norwegen, Island, Irland, Kanada und Frankreich gilt. Referentinnen und einen Aktivisten fragte Geneviève Hesse, was sie von der Haltung der Kirche im Umgang mit Prostitution denken.

1 „Säulen der Sexindustrie“

Die katholische und die evangelische Kirchen in Deutschland helfen den Frauen nicht zum Ausstieg – so die Vorwürfe von Inge Bell, stellvertretende Vorstandsvorsitzende von Solwodi und Terre des Femmes, und von der Traumatherapeutin Dr. Ingeborg Kraus.

Was halten Sie von der Position der deutschen Kirchen über Prostitution?
Ingeborg Kraus: In jeder deutschen Großstadt existieren Beratungsstellen für Prostituierte. Fast alle sind kirchlich. Dem Sexkaufverbot gegenüber nehmen sie eine feindliche Haltung ein. Sie dienen den betroffenen Frauen zwar als Anlaufstelle, helfen ihnen aber nur dazu, im Prostitutionsgeschäft zu überleben. Insofern sind Caritas und Diakonie mächtige Säulen der Sexindustrie: Sie tragen dazu bei, dass Frauen in ihrer prekären Situation verharren. Folglich legitimieren sie die psychische und physische Zerstörung der Frauen durch Männer, die sich den erniedrigenden Zugang zu ihren Körpern erkaufen. Auf der katholischen Seite kenne ich nur Solwodi, das sich für das nordische Modell einsetzt (Hilfe beim Ausstieg aus der Prostitution und für ein Sexkaufverbot), auf der evangelischen Seite Neustart.

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Belle de jour und Catherine Deneuve – Die Rolle ihres Lebens

Beitrag von Dr. Ingeborg Kraus – Karlsruhe, den 14.01.2018

Der Film „Belle de jour“ ist ein Meisterwerk. Es ist kein sexistischer Film, kein Film einer Frau, die ihre sexuellen Phantasien ausleben will, oder eine Frau, die aus der prüden Gesellschaft ausbrechen will. Kein anderer Film wurde so wenig verstanden, wie Belle de jour. Catherine Deneuve selbst, die diese Rolle bis auf die Perfektion verkörperte, verstand sie nie. Es ist die Rolle ihres Lebens: eine Frau, die sexuellen Missbrauch nicht erkennt.

Warum lässt sich eine, aus gutem Hause kommende, bildschöne Frau von fremden Männern misshandeln, demütigen und sexuell missbrauchen? Es sind nur zwei kurze Filmszenen, die das Rätsel auflösen. In der 14. Minute des Films, sieht man für ein paar Sekunden ein Mädchen, die kleine Séverine, die von einem Erwachsenen geküsst wird, seine Hand greift unter ihr Kleid. Die zweite Szene: Kurz bevor Séverine zum ersten Mal an der Tür des Bordells klopft bekommt sie einen Flash-Back: Sie sieht die kleine Séverine, die in der Kirche die Hostie verweigert. Sie fühlt sich schuldig für das was ihr angetan wurde. Es ist nicht die Erwachsene, die ins Bordell geht, es ist das Mädchen, das sich schuldig fühlt. Es ist auffällig, wie sich die Erwachsene ständig entschuldigt. Sie leidet unter wiederkehrenden Albträumen, in denen sie gedemütigt, mit Dreck beschmissen, beschimpft, gepeitscht, vergewaltigt wird. Die Erwachsene ist im Leben oft abwesend, wie in Trance, unkonzentriert, sie lässt Dinge fallen. Zu ihrem Mann kann sie keine richtige Nähe entwickeln. Weiterlesen

Darf die Vagina Arbeitswerkzeug sein?

Rede von Dr. Ingeborg Kraus in der Urania auf der Veranstaltung „Sexarbeit“ – der zerschmetterte Mythos. Berlin, am 03.12.2017. 

Ich möchte mich bei den Veranstalterinnen bedanken. Insbesondere bei Rachel Moran und Julie Bindel. Ohne sie hätte diese Buchvorstellung nicht stattgefunden.

Wenn wir Glück haben, werden wir vielleicht noch eine Regierung in diesem Jahr bekommen. Wir beobachten momentan Politiker, die nun seit 8 Wochen miteinander reden und zu einem Null Ergebnis gekommen sind. Zu sehen sind Politiker, die nicht reden wollen, die sich jeglicher Diskussion entziehen. Dann erfährt man, dass ganze Nächte darüber diskutiert wird, wie man manche zum Diskutieren bringt. Es scheint mir, als würde man nicht über die Probleme des Landes reden, sondern nur noch über Konstellationen.

Bundespräsident Frank Walter Steinmeier hat recht, wenn er sagt, dass es nicht sein kann, dass die politischen Kräfte des wirtschaftlich stärksten Landes Europas ihrer politischen Verantwortung nicht nachgehen. Alle Parteien sind dem Gemeinwohl verpflichtet. Sie dienen unserem Land und ihre Verantwortung geht weit über die eigenen Interessen hinaus.

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Prostitution can not be regulated, it has to be abolished!

Dr. Ingeborg Kraus, Pamplona/Spain, 26.10.2017. 

On the picture: Ingeborg Kraus, Sonia Sanchez and Sheila Jeffreys.

Thank you for inviting me here to this international conference in Pamplona, to all the organizations that have made this possible, and especially Sara Vicente from the “Comision para la investigacion de malos tratos a mujeres”.

15 years ago, nearly at the same time, Sweden and Germany have choosen a complete different way how to deal with prostitution. Sweden decided to punish the sex buyers and Germany exactly the opposite. Time has gone and we can now see without any misunderstandings, which model has been the most protective for the women and the society.

Prostitution has always been legal in Germany, except a short period of time in the early 20th century.[1] Germany instituted a law in 2002 that tried to make out of prostitution a job as any other. The politicians thought, that it wasn´t prostitution itself that was the problem, but the discrimination of the women by the society and the lack of rights they had. Considering the problem from this perspective, they wanted to strengthen the women as best as possible. (They said): Prostitution should not be seen any more as something “against the good morals“, but as a job. For now on, the women were considered as workers, “sex workers.” And if they are workers, they should have the same rights as any other worker that run a business or is employed somewhere, like having a social security or if their rights are not respected, they should have the right to enforce a claim by legal action. The state didn´t want to put any regulations concerning the sex practices. They said that nobody can say how people should have sex. As they run a business, they are also allowed to make publicity for it. So the new law cancelled the restriction of promoting prostitution. Pimping became forbidden.

Fifteen years after passing the law, what are the outcomes? Weiterlesen