Archiv der Kategorie: Gewalt

Die Geschichte von Liliam Altuntas – Betroffene von Kinderhandel

Liliam Altuntas hat lange auf diesen Tag gewartet: Sie wollte in Deutschland in der Öffentlichkeit sprechen, sie wollte ihre Geschichte erzählen um zu sagen was ihr in diesem Land Wiederfahren ist. Sie wollte in der Sprache ihrer Täter sprechen: Auf Deutsch. Deutschland verließ sie schon vor Jahren, sie bemühte sich aber die Sprache nicht zu vergessen um eines Tages darüber zu sprechen, was ihr in Deutschland angetan wurde, was ihr hier gestohlen wurde.

Im anliegenden Video dürfen wir Liliam Altuntas sprechen hören. Einen ganz großen Dank an Sandra Norak, die dies ermöglichte.

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Wissenschaftliche Studien zu Gewalt, Traumafolgestörungen und Vor-Traumatisierungen bei Menschen in der Prostitution

Ein Text von Ingeborg Kraus, Karlsruhe, den 19.8.2020. Hier der Text als PDF-Format: Prostitution- Ein Krieg gegen Frauen-pdf1

Prostitution kann nicht als ein Job wie jeder andere betrachtet werden, da sie traumatisierend ist. Zahlreiche Studien haben belegt, dass das Risiko in der Prostitution eine Posttraumatische Belastungsstörung zu entwickeln höher liegt als im Krieg gewesen zu sein.Aus der Perspektive der Psychotraumatologie ist Prostitution kein Job wie jeder andere. Michaela Huber, Vorsitzende der Deutsche Gesellschaft für Trauma und Dissoziation (DGTD)[1] sagt folgendes dazu: „Um fremden Menschen die Penetration des eigenen Körpers zu ermöglichen, ist ein Abschalten natürlicher Phänomene erforderlich, die sonst unweigerlich wären: Angst, Scham, Fremdheit, Ekel, Verachtung, Selbstverurteilung, Schmerzen. An die Stelle tritt Gleichgültigkeit, Verhandeln, ein sachliches Verständnis der Penetrationserfahrungen, Umdefinieren der Handlung in eine Arbeit oder Dienstleistung. Die meisten Frauen in der Prostitution haben bereits sehr früh durch sexuelle Gewalt in der Kindheit gelernt, sich abzuschalten“.[2] Fakt ist, dass viele Studien zu diesem Thema einen Zusammenhang zwischen dem Eintritt in die Prostitution und Gewalterfahrungen in der Kindheit[3] feststellen.

Das System Prostitution benutzt diese Traumatisierungen für ihre eigenen Interessen und Profite. Unter keinen Umständen kann Prostitution als Arbeit oder als eine Dienstleistung definiert werden. Die erogenen und reproduktiven Körperteile von Frauen sind zu empfindsam, um als Werkzeug vergegenständlicht zu werden. Prostitution kann nur in einem Zustand der Dissoziation praktiziert werden.

Hier ein paar Studien: Weiterlesen

Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel am europäischen Tag gegen Menschenhandel, den 18.10.2020.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel,

in der Presseunterrichtung nach der Bund-Länder-Konferenz zur Corona-Lage am 14. Oktober weisen Sie auf die Ernsthaftigkeit der kritischen Pandemie-Phase hin, in der wir uns befinden, und sagen, dass wir alles tun müssen, um die Infektionszahlen, die nun steil nach oben steigen, im Griff zu halten. Am 17. Oktober appellieren Sie nochmals an die Bürgerinnen und Bürger und bitten Kontakte und Reisen einzuschränken. Die Ausbreitung des Virus hänge direkt an der Zahl der Kontakte ab.

Wir fragen uns, warum gerade jetzt, wo die Corona-Infektionszahlen einen Höchstwert erreichen, die Bordelle wieder geöffnet werden? Wir machen uns große Sorgen um die Frauen, die nun, zusätzlich zu dieser krank machenden Tätigkeit, im hohen Maße einer gefährlichen Infektion ausgesetzt werden.

Wie kann es sein, in Zeiten, wo man sich die Hand nicht geben soll, Freier das Recht gegeben wird Frauen weiterhin zur sexuellen Benutzung zu kaufen und sie mit ihrem Geschlechtsteil zu penetrieren? Man braucht kein Studium der Medizin, um zu verstehen, dass hier die AHA-Regeln nicht eingehalten werden können. Und ein Blick in die Freierforen reicht, um festzustellen, dass viele Freier noch nicht einmal Mindestschutzmaßnahmen einhalten, so wie die Kondompflicht.

Die Wiedereröffnung der Prostitutionsstätten und die Legalisierung von Sexkauf lassen jede Corona-Verordnung und jeden Appell an die Bürger und Bürgerinnen absurd erscheinen. Weiterlesen

Die Masche der Loverboy-Menschenhändler

Eine sehr gute ZDF-Reportage über Loverboy-Menschenhändler ist seit 18.8.2020 in der Mediathek des ZDF zu finden. Die Perfide Strategie der Täter wird hier gut dargestellt sowie das Leid der Opfer, die in der Scham, Selbstvorwürfen, Angst und Trauma gefangen gehalten bleiben. Hut ab an Sandra Norak, die unermüdlich gegen das System Prostitution kämpft, ein System der Gewalt, das die Politik mit ihrer liberalen Gesetzgebung, in dieser Form erst ermöglicht und fördert.

Hier der Link zur Reportage: https://www.zdf.de/dokumentation/37-grad/37-verratene-liebe-102.html

Tattoos in der Prostitution als Eigentumsstempel der Zuhälter

Ein Text von Sandra Norak – 02.06.2020

Heute ist „Internationaler Hurentag“ – und es ist in den Medien heute sowie auch die letzte Zeit einiges an „Pro-Sexarbeit“ und Verharmlosungen zu lesen. Ich finde das traurig, deshalb schreibe ich hier nun ein paar persönliche Zeilen, um an die vielen Frauen da draußen zu erinnern, die in der Prostitution immense Ausmaße an Leid und (sexueller) Gewalt erleben.

Ich war lange in der Prostitution. Jahre.

Prostitution ist oft wie Sklaverei.

Ich bin gezeichnet. Bis heute. Über dieses Thema spreche ich nicht so gerne.

Das Tattoo, den Eigentumsstempel meines Zuhälters, der mich als sein Eigentum markieren sollte, trage ich bis heute auf dem Rücken. Es ist ein Drache, ein keltisches Kreuz und ein Totenkopf. Mein Zuhälter bestimmte das Tattoo, er war beim Stechen mit dabei, um die Kontrolle darüber zu haben. Üblich ist es auch oft, dass die Betroffenen einen Barcode oder den Namen des Zuhälters als Eigentumsstempel tätowiert bekommen.

Der Drache war sein „Markenzeichen“. Schon als ich meinen Zuhälter im Chat damals kennenlernte, war der “Drache“ Inhalt seines Chat-Namens. Ich kann mich erinnern wie er zu dem Tätowierer am Ende noch grinsend sagte, dass er den Totenkopf noch in die Mitte einfügen sollte. Der Tätowierer war scheinbar eingeweiht, ansonsten hätte er mich wohl auch mal gefragt, was ich eigentlich auf meinem Rücken haben möchte, was er aber erst gar nicht tat. Er stach mir auf den Rücken, was mein Zuhälter dirigierte.

Ein Eigentumsstempel, ob in Barcodes, Namen oder Zeichen ist im Milieu an der Tagesordnung. Er sagt:

„Du gehörst mir, du bist mein Eigentum, für immer.“ Weiterlesen

Pornografie

Ein Essay von Rosa Makstadt – 03.05.2020.

Was ist Pornografie? Das Wort Pornografie ist abgeleitet aus dem Altgriechischen und bedeutet „über Huren schreiben“. Pornografie bedeutet NICHT „über Sexualität schreiben“ oder „Darstellung sexueller Handlungen“; es bedeutet „die schriftliche und bildliche Darstellung von Frauen als Prostituierte“. Eine Porne, war im antiken Griechenland die Bordellprostituierte, die unterste Klasse der Prostituierten, die allen männlichen Bürgern zur Verfügung stand; eine sexuelle Sklavin.

Die Pornografie, wie sie heute besteht, ist in nur wenigen Jahrzehnten zu einem der lukrativsten Geschäfte geworden, bei dem es um Profite in Millionen- und Milliardenhöhe geht. Die Pornoindustrie erschafft durch die Produktion und Verbreitung von Bildern missbrauchter Frauen enormen Reichtum: Frauen in Pornos, in millionenfacher Auflage, denen alles angetan werden konnte und angetan wurde als jederzeit abrufbare Erinnerung an die sexuelle Entwürdigung von Frauen. Durch ihre finanzielle Mittel hat die Pornoindustrie enorme Einflussmacht und formt Politik, Gesetze und die Kultur mit. Alleine die Webseite „Pornhub“ hat 80 Millionen Besucher pro Tag und somit täglich mehr Besucher als die Filmstreaming-Plattform Netflix. Weiterlesen

Dissoziation in der Prostitution

Was passiert mit einem Menschen, der permanent sexuell missbraucht wird? Dissoziation ist etwas, das man nicht sieht und Menschen verstehen oft nicht was sie nicht sehen, sagt Sandra Norak. Die Dissoziation ist eine Reaktion, die man weder während, noch nach der traumatischen Situation sieht. Deswegen wird sie oft nicht verstanden, was folglich auch die Gewalt in der Prostitution verschleiert. Man denkt, dass keine Gewalt stattfindet, wenn eine Frau währenddessen nicht weint oder laut schreit. Aber die schlimmsten Gewalttaten können im stillen passieren und bleiben deshalb oft unsichtbar für andere.

Im nachfolgenden Text, der in der Fachzeitschrift Dignity veröffentlicht wurde, beschreibt Sandra Norak ihre Erfahrungen mit Dissoziation in der Prostitution, ihre langfristigen Folgen und wie sie durch die Arbeit mit Pferden diesen verselbstständigten Mechanismus auflösen konnte: Loss of Self in dissociation in prostitution. Und hier der gefilmte Vortrag in Washington.

Offener Brief an das Deutsche Institut für Menschenrechte

Offener Brief von Dr. Ingeborg Kraus und vielen MitunterzeichnerInnen an das Deutsche Institut für Menschenrechte zu seinem Positionspapier „Prostitution und Sexkaufverbot“ vom 17.10.2019.

Hier als pdf-Datei: Offener Brief an das DMIR-pdf

Karlsruhe, den 21.01.2020

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe vor kurzem an einer Konferenz zum Thema Prostitution in Boston teilgenommen. Dort sprachen ExpertInnen aus Schweden und ich möchte Ihnen positive Botschaften von ihnen übermitteln: Niemand in Schweden vermisst Prostitution! Also niemand schaut nostalgisch zurück und vermisst die „guten alten Zeiten“, wo es Bordelle in Schweden gab und man dort Frauen für die männliche Triebabfuhr kaufen durfte. Nein, Sexkauf vermisst niemand in Schweden. Sexkauf hat keinen Nutzen in einer Gesellschaft. Sexkauf verursacht aber sehr viel Leid und immense Menschenrechtsverletzungen: Er verursacht Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung in atemberaubenden Dimensionen, er verursacht Gewalt / Mord, Demütigung und Frauenhass, er verursacht menschenunwürdige Verhältnisse und finanzielle Ausbeutung, er macht krank und traumatisiert Menschen oft ein Leben lang.

Warum gerade das deutsche Institut für Menschenrechte Sexkauf schützt, der aber völlig nutzlos ist, jedoch massive Menschenrechtsverletzungen hervorruft, finde ich persönlich merkwürdig!

Aber gut, sie postulieren, dass „wissenschaftliche Studien“ zeigen würden, dass ein Sexkaufverbot das Risiko sexuell übertragbarer Erkrankungen erhöhen würde, Gewalt steigen würde und die Arbeitsbedingungen der Menschen in der Prostitution sich verschlechtern würden. Auch Menschenhandel würde sich mit einem Sexkaufverbot nicht verringern“.

Ihre Recherchen, die zu dieser Schlussfolgerung führen, sind nicht ausreichend. Sie lassen nämlich wichtige Studien und Abkommen aus. Ich möchte Sie deshalb über einiges mehr informieren. Weiterlesen

Warum Frauen ihre Ausbeutung verteidigen

Ein Text von Sandra Norak und Dr. Ingeborg Kraus, 01.12.2019

Bild: Rosa Makstadt

Es fällt uns auf, dass bei manchen Veranstaltungen zum Thema Prostitution und Nordisches Modell Profiteure des Systems auftauchen, dass u.a. ganz ungeniert Zuhälter und Bordellbetreiber auftreten und Zwischenrufe tätigen. Uns fällt auf, dass diese vermehrt mit Frauen auftauchen, die in ihren Etablissements als Prostituierte tätig waren und jetzt ebenfalls von der Prostitution anderer profitieren oder aber dass sie Frauen mitnehmen, die gerade noch in der Prostitution bei ihnen tätig sind. Der Verdacht liegt nahe, dass diese sich noch in der Prostitution befindenden Frauen als Schutzschild für die Zwecke der Profiteure missbraucht werden. Dieses Szenario ist uns sehr stark in einer Veranstaltung diese Woche in Karlsruhe aufgefallen und gab uns den Anlass zu diesem Text.

Es ist eindeutig, dass deren Ziel war, die Veranstaltung zu sprengen und das Nordische Modell ohne jegliche Argumentationskultur oder Diskussion dazu zu diskreditieren. Es schien, als hätten sich diese Menschen gezielt organisiert zu kommen, um die Veranstaltung zu sabotieren.

Ok, dass die Profiteure, wie Bordellbetreiber und Zuhälter, kommen und ihr Wirtschaftsmodell und das viele Geld, das sie damit verdienen, nicht verlieren wollen ist klar und erscheint nicht verwunderlich. Uns fällt allerdings auf, dass vermehrt auch Frauen mitgenommen werden, die noch in der Prostitution sind, um das System zu verteidigen. Weiterlesen

Aktenzeichen XY Spezial – Loverboy-Masche

Die Spezialsendung Aktenzeichen XY vom 27.03.2019 über die Lover-Boy-Masche mit Sandra Norak , Dr. Ingeborg Kraus und Bärbel Kannemann (von No-Loverboy e.V.) ist nun auf Youtube. Fast 6 Millionen Fernsehzuschauer waren Live dabei!

Wie erkennt man Loverboys? Wie können Eltern erkennen ob ihr Kind ein Opfer ist? Was können Betroffenen tun? Hier finden Sie Antworten: ZDF-Infos über die Loverboy-Masche

Den Film mit anschließender Live-Sendung können Sie hier Nachsehen: