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Gegen den Hass – Nordisches Modell jetzt!

Rede von Dr. Ingeborg Kraus auf dem 3. Weltkongress gegen die sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen in Mainz. 03.04.2019 https://www.capworldcongress.org – Lektorat: Angelika Fischer

Ich möchte diese Rede an unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel richten und an den deutschen Staat. Aus der ganzen Welt sind heute Menschen nach Deutschland gekommen weil Sie sich über die gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland ernsthaft Sorgen machen. Ich hoffe, dass die deutschen Politiker und Politikerinnen auch anfangen sich Sorgen zu machen.

Das System Prostitution ist ein System der Gewalt die viele Gesichter hat: 

Es fängt schon bei der Bekleidung an: denn Gewalt ist auch zum Beispiel das völlige Nacktsein oder die leichte Bekleidung im Freien bei winterlichen Temperaturen. In der Straßenprostitution herrschen zudem mangelnde Hygienezustände, kein Schutz, keine Sicherheit, Dunkelheit, man ist den taxierenden Blicken ausgesetzt …

In den Bordellen sind die Frauen zuerst einmal „eingesperrt“. Wenn Personen ohne geschäftliche Absicht Kontakt zu den Frauen suchen, müssen sie sich mit den Betreibern „gut stellen“. Nicht jeder darf mit den Frauen sprechen. Die Frauen sind nicht frei.

In den Bordellen erleben die Frauen keinerlei Selbstbestimmung. Sie haben keine Berechtigung Forderungen zu stellen. Sie stehen in einem völlig asymmetrischen Verhältnis den Männern gegenüber:über 90% der Frauen kommen aus den ärmeren EU-Ländern. Die meisten sind unter 21 Jahre alt und sprechen kein Deutsch. Sie praktizieren keinen Safer Sex, können keine Grenzen setzen, nicht verhandeln. Für 30 Euro müssen sie alles, was die Freier möchten.

Es herrschen desaströse Arbeitszustände: die Frauen sind vom Unternehmen völlig abhängig: viele arbeiten, essen und schlafen in den Bordellen.

Gewalt sind auch die hohen Tagesmieten (bis zu 180,- € muss jede Frau täglich zahlen), was bedeutet, dass Frauen bis zu 6 Freier bedienen müssen, bevor sie überhaupt einen Euro verdienen. Die Ware Frau wird mittlerweile in Deutschland gemäß der Gesetze des härtesten Kapitalismus aufs Maximale ausgebeutet.

Flat-Rate Bordelle sind mittlerweile verboten, aber für 69,- € kann man 2 Frauen und „all you can drink“ erhalten. Es ist zynisch von der Bunderegierung diese Regulierungsansätze als Lösung und Erfolg zu bezeichnen!

Die Arbeitszeiten sind gesundheitsgefährdend: prostituierte Frauen müssen ständig für Kunden „parat“ sein und schlafen dementsprechend maximal 5 Stunden pro Nacht.

Viele Frauen leben in Deutschland wie Nomaden. Sie haben keinen festen Wohnsitz und werden von einem Bordell zum anderen verfrachtet, um den Sexkäufern Abwechslung zu bieten. Oft wissen sie gar nicht, wo sie sich befinden. Die kürzlich eingeführte Anmeldepflicht wird an diesem Zustand nichts ändern.

Grundsätzlich muss man sich fragen: Wenn man Prostitution als Sexarbeit bezeichnet – was ist dann das Arbeitswerkzeug?“ „Die Vagina einer Frau?“

Die Bezahlung für den Geschlechtsverkehr macht diesen Akt nicht besser. Es bleibt eine ungewollte Penetration, eine bezahlte Vergewaltigung. Zudem sind die Sexkäufer seit der Legalisierung perverser und die Praktiken entsprechend gefährlicher geworden. Die Gewalt gegen prostituierte Frauen hat sich dadurch natürlich erhöht.

Die Bewertungen der Freier in den Freierforen lässt erkenne, dass Prostitution gegen die Menschenwürde verstößt. Sie sehen es offensichtlich als ihr Männerrecht, Frauen zu erniedrigen und sie in jeglicher Weise zu benutzen. Es zirkulieren Menü-Listen mit Freierwünschen. Im Ausland löst dies Empörung aus und wird als Folter gesehen. Auch hier, will sich die Bundesregierung aus der Verantwortung stehlen indem sie manche Dienstleistungen mit dem Prostitutionsschutzgesetz verbietet, jedoch andere Leistungen wie Analverkehr, „Faustfick“, Zungenküsse oder „Spiele mit Scheiße und Sperma“ den Frauen zumutet. Prostitution kann nicht reguliert werden, man kann sie nur abschaffen!

Schwangere Frauen sind mittlerweile sehr begehrt bei den Sexkäufern. So sind späte Abtreibungen im Ausland sehr häufig oder viele Frauen geben kurz nach der Geburt ihr Kind zur Adoption frei. Der Stress und die emotionale Situation der schwangeren Frauen bei der Ausübung von Sex am Fließband ist nicht nur für die werdende Mutter schädlich, sondern auch für die Entwicklung des Kindes im Mutterleib   

Ärzte haben die Bundesregierung über diese Missstände informiert. Aber bezüglich des regulären Mutterschutzes wurde nichts verändert. Man muss sich ernsthaft fragen warum die Bundesregierung Experten zur Anhörung im Bundestag einlädt, wenn ihr Rat unmittelbar danach im Papierkorb landet und die Macht des Profits weiterhin die Politik regiert?

Kurz vor dem heutigen Weltkongress ließ das Bundesfamilienministerium über ihren Pressesprecher verlauten, dass „bei einem Sexkaufverbot wie in Schweden „die große Gefahr bestehe, dass die Sexarbeiterinnen in die Illegalität gedrängt werden und sie den Gefahren und Risiken des Gewerbes schutzlos ausgeliefert sind.“

Die Bundesregierung hat schon im Jahr 2004 eine große Bundesstudie zur Gewaltbetroffenheit in Auftrag gegeben: 82% der prostituierten Frauen erlebten Formen von psychischer Gewalt, 92% erlebten sexuelle Belästigung, 87% körperliche Gewalt und 59% sexuelle Gewalt. Auch diese Studie war für die Bundesregierung nicht mehr wert als das Papier auf dem es gedruckt war.

Als Antwort auf die Gewalt in der Prostitution hat die Bunderegierung auf einen Film von Madonna e.V. verlinkt, in dem Frauen geraten wird: wenn es gefährlich wird, ziehen sie ihre Stöckelschuhe aus und rennen sie so schnell wie möglich weg! Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man herzhaft darüber lachen!

Deutschland weigert sich diese Gewalt gegen Frauen zu sehen, es weigert sich hinzuschauen und die kriminellen Auswirkungen seines Gesetzes zu sehen. Ich frage mich mittlerweile was unsere Politiker so erblinden lässt? Ich möchte in diesem Zusammenhang die Klimaaktivistin Greta Thunberg zitieren: „wir leben in einer merkwürdigen Welt, in der die Politiker sagen, es ist zu teuer die Welt zu retten, während sie Milliarden Euros verwenden fossile Energieträger zu subventionieren, wir leben in einer merkwürdigen Welt wo sich jeder seine eigene Realität aussuchen und kaufen kann.“

HANDELN SIE ENDLICH!

Ungefähr 50% der Sexkäufer sind verheiratet oder leben in einer Beziehung. Täglich gehen ca. 1,2 Millionen Männer zu Prostituierten in Deutschland. Die Rechnung ist einfach: es sind nicht jeden Tag die gleichen Männer. Was wir auch realisieren müssen ist, dass Deutschland auch ein Land von Millionen betrogenen Frauen ist. Diese Frauen nennen sich „Schattenfrauen“, Frauen die sich im Schatten des Systems Prostitution befinden. Ihre Stimme und ihre Verletzungen werden nicht gehört. Sie bleiben allein mit der Demütigung und Beschämung, was auch ein typisches Merkmal von Traumatisierung ist. Vertrauen, gegenseitige Achtung und echte Intimität wird dadurch unmöglich und damit wirkt sich Prostitution zerstörerisch auf die Grundlage einer Paarbeziehung aus.

Das deutsche Modell schürt Hass! Die Freier hassen die prostituierten Frauen, die Prostituierten verachten die Freier, die Ehefrauen verachten ihre Männer so wie oft auch die Prostituierten Frauen. Es verpestet menschliche Beziehungen. Ein Staat, der so ein System legalisiert, verbreitet Verachtung und Hass zwischen den Geschlechtern. Er zerstört Beziehungen und traumatisiert Frauen und Familien über Generationen hinweg.

Nun etwas zu den psychischen Schäden durch die Prostitution:

Es gibt kaum Datenerhebungen über die Folgen der Prostitution. Hier möchte ich Ärzte und Helfer, die mit Prostituierten arbeiten zu Wort kommen lassen:

Durch die riskanten Sexpraktiken sind die Infektionsraten gestiegen. Eine wissenschaftliche Studie aus dem Jahr 2008, hat ergeben, dass 26% eine behandlungsbedürftige sexuell übertragbare Krankheit hatten. 42% der Frauen waren von einer akuten Infektion oder einer Infektion, die stattgefunden hatte, betroffen.

Die Studie aus dem Jahr 2001 in Deutschland hat herausgefunden, dass 60% der Frauen in der Prostitution ein voll ausgeprägte Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickelt hatten. Die Studie von Schröttle & Müller aus dem Jahr 2004 weist einen hohen Medikamentenkonsum auf: 67% der Frauen in der Prostitution nehmen Schmerzmittel ein, 38% Beruhigungsmittel.

Ein erst kürzlich erstellter Bericht eines deutschen Gynäkologen stellt fest, dass die Gesundheit der Frauen in der Prostitution verheerend ist: Mit 30 sind die Frauen schon vorgealtert, was ein Symptom von extremem und ständigem Stress ist. Alle Frauen leiden unter permanenten Bauchschmerzen, Gastritis und ständigen Infektionen durch die ungesunden Lebensverhältnisse. Nur durch Alkohol, Drogen und Medikamente können sie die emotionalen und seelischen Traumatisierungen ertragen.

Sabine Constabel, die seit über 20 Jahren mit Prostituiertenarbeitet, sagte mir, dass nur wenige Frauen den Ausstieg schaffen. Die Frauen arbeiten so lange, bis sie körperlich zusammenbrechen. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis das passiere.

Warum ist das so, fragte ich mich? Weil Prostitution den Willen bricht. Diese Frauen sehen keine Zukunft für sich, sie haben keine Träume, keine Identität außerhalb der Prostitution. Sie sind auf dieses konstruierte Wesen der „Prostituierten“ reduziert und finden keinen Weg mehr da raus. Sie sind in ihrem Trauma und ihrer Scham eingesperrt.

„Die jungen Frauen, die nach Deutschland kommen, so Frau Constabel, sind völlig überfordert, komplett traumatisiert. Viele verlangen nach ihren ersten Erfahrungen nach Psychopharmaka und Drogen. Sie sagen, anders sei ‚dieses Geschäft‘ nicht auszuhalten.“

Dasselbe berichtet auch Jana Koch-Krawcak, wenn sie als Street Workerin in die Bordelle geht. Sie begegnet verwahrlosten Frauen, die den Kontakt zu sich selbst völlig verloren haben. Sie reagieren verängstigt oder apathisch. Es erscheint offensichtlich, dass sie alles andere brauchen als Sex. Aber daneben stehen die Sexkäufer und scheren sich „einen Dreck“ darum. Sie lachen und amüsieren sich.

Wie geht das? Ich stelle mir die selbe Frage, die sich auch Caroline Emcke in ihrem Buch „Gegen den Hass“ gestellt hat. Ja, wie geht das, die Not der Menschen nicht zu sehen, sondern nur die eigenen Bedürfnisse? Wie geht das?

Es geht, weil Männer denken, ein Recht auf Sex zu haben und dafür Frauen benutzen zu dürfen. Die Frau wird zu einer Konsumware reduziert. Sie wird entmenschlicht, sie ist nur noch das. Das erlaubt dem Sexkäufer jegliche Form von Skrupellosigkeit, ihr Mitgefühl ist blockiert, an seine Stelle tritt Gleichgültigkeit.

Die Legalisierung und Normalisierung der Prostitution kommt einer Kapitulation gegenüber der Gewalt gegen Frauen gleich.

Männern wird signalisiert, dass sie Sex brauchen, dass sie eine regelmäßige Triebabfuhr brauchen um stabil zu bleiben um nicht sexuell übergriffig zu werden. Nach dieser Logik, haben sich also Männer nicht im Griff: das ist die versteckte Botschaft, die das System Prostitution vermittelt. Wenn es wirklich so wäre, dann müssten wir unser Grundgesetz schnellstens ändern. Denn dann wären Männer und Frauen nicht gleichgestellt. Wir müssten daraus ableiten, dass die Frau ein höheres Wesen ist. Denn Emotionsregulation und Frustrationstoleranz sind wichtige zivilisatorische Errungenschaften.

Das deutsche Prostitutionsmodell produziert die Hölle auf Erden. Das Leben und die Rechte dieser Frauen werden geopfert. Aber wofür? Verteidigen diese Gesetze unsere Demokratie? Schützen sie unser Land vor Invasion oder Terrorismus? Nein, diese Frauen werden dafür geopfert, dass einige Männer Sex haben können wann immer sie wollen und mit wem und wie sie es wollen. Und das ist das Problem. Es ist notwendig, dass wir unseren Fokus auf den Sexkäufer richten.

Es ist falsch zu glauben, dass männliche Sexualität nicht kontrollierbar ist. Männer haben einen neuen Weg zu erlernen, wie sie mit Frustration umzugehen haben. Auch deshalb ist die Einführung eines Sexkaufverbots fundamental wichtig.

Wenn wir über Prostitution sprechen, dann ist es notwendig, gleichzeitig darüber nachzudenken, in was für einer Gesellschaft wir eigentlich leben wollen und nicht nur über Schadensbegrenzung. Wir brauchen eine neue Generation von Männern, die nicht auf die sexuelle Ausbeutung und Beherrschung von Frauen zurückgreift, um sich zu behaupten.

Frau Merkel, Deutschland hat eine führende Rolle und auch Verantwortung in Europa. Es kann nicht sein, dass wir es zulassen, dass unsere Männer die vulnerabelsten Frauen sexuell missbrauchen und, wenn sie kaputt sind, einfach wieder wegwerfen.

Wir können und dürfen es nicht zulassen, dass wir wieder zu einer Gesellschaft des Wegschauens werden, Frau Merkel! Entscheiden Sie sich für die Abolition. Die Abolition ist mehr als ein Sexkaufverbot, mit der Abolition zeigen wir Haltung und bewahren unsere Werte.

Ich bedanke mich!

Dr. Ingeborg Kraus

Deutschland: 17 Jahre nach Entkriminalisierung der Zuhälterei

Rede von Dr. Ingeborg Kraus in der Assemblée Nationale von Paris am 24. Mai 2018. Situation en Allemagne, 17 ans après la dépénalisation du proxénétisme.

Lektorat: Florence Humbert – Bild: Gemälde im Raum Colbert der Assemblée Nationale in Paris.

Diese Rede hat großen Zuspruch in der französischen Assemblée Nationale erhalten und auch dazu beigetragen, dass die neue Regierung den eingeschlagenen Kurs (von April 2016) nicht ändert. Ich habe nicht nur die dramatische Situation geschildert, die das ProstGesetz von 2002 hergestellt hat, sondern auch den deutschen Staat in die Verantwortung genommen. Deutschland trägt nämlich eine historische Verantwortung in der Legitimierung der sexuellen Ausbeutung von tausenden von Frauen durch die Sex-Industrie. Hier die wichtigsten Abschnitte von dieser Rede:

  • Das « deutsche Modell » hat die Frauen keineswegs geschützt, es ist für sie zur „Hölle auf Erden“ geworden.
  • Die Prostitution hat sich zu einer richtigen Industrie entwickelt, in der Frauenkörper zum Objekt reduziert und als Ware vermarktet werden.
  • Indem der deutsche Staat die Prostitution liberalisierte und den Sexkäufern eine vollständige Straffreiheit garantierte, hat er zu einer immensen Steigerung der Nachfrage beigetragen.
  • Diese Frauen sind den Gesetzen des kältesten Kapitalismus unterworfen: Ihre Körper werden aufs Maximale ausgebeutet. Wir beobachten die Art von inhumanen Arbeitsbedingungen, die -wie wir dachten- seit Beginn des 20. Jahrhunderts überwunden waren.
  • Der deutsche Staat lässt diese Frauen durch die Sexindustrie ausbeuten und zermalmen und schließt sie noch nicht einmal in sein Sozialsystem ein.
  • Es ist absurd über reproduktive Rechte von Frauen in der Prostitution zu sprechen, denn es geht hier nur um die Rechte des Sexkäufers, die ohne Einschränkungen garantiert werden sollen.
  • Die „freiwillige“ Prostitution ist oft schlimmer als die Zwangsprostitution.
  • Das System Prostitution benutzt die Traumatisierungen in der Kindheit für ihre eigenen Interessen und Profite. Diese Frauen wurden ein erstes Mal in ihrer Kindheit im Stich gelassen und werden nun ein zweites Mal durch eine staatliche Politik im Stich gelassen, die ihre Ausbeutung legitimiert.
  • Das deutsche Modell schürt Hass! Es verpestet menschliche Beziehungen. Ein Staat, der so ein System legalisiert, verbreitet Verachtung und Hass zwischen den Geschlechtern. Er zerstört Beziehungen und traumatisiert Familien über Generationen hinweg. Das deutsche Modell schürt auch Verachtung unter sozialen Klassen. Es spaltet die Bürger und Bürgerinnen eines Landes und trägt dazu bei, eine europäische Kohäsion zu verhindern.
  • Deutschland weigert sich hinzuschauen und die kriminellen Auswirkungen seines Gesetzes zu sehen, das Zuhälterei und sexuelle Ausbeutung in großem Maße ermöglicht hat.
  • Deutschland ist zum Zuhälter der vulnerabelsten Frauen Europas geworden.
  • Seitdem Frankreich das Gesetz von April 2016 eingeführt hat, spricht man nicht mehr vom nordischen Modell, sondern vom Gleichstellungs-Modell. Ich hoffe, dass Frankreich uns helfen wird, dieses Modell der Gleichstellung und Solidarität in Europa herzustellen. Deutschland, bedauerlicherweise, schafft es nicht!

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Izbor jednakosti između muškaraca i žena za Hrvatsku !

Izlaganje dr. Ingeborg Kraus 3. prosinca 2018. u Zagrebu na tribini u sklopu Festivala ljudskih prava, koju su organizirali Centar za žene žrtve rata – ROSA, Zagreb i Ženska udruga Izvor“, Tenja, u suradnji s Veleposlanstvom Francuske Republike u Republici Hrvatskoj. Na tribini su uz Ingeborg Kraus govorile Veleposlanica Francuske Republike Corinne Meunier, Pravobraniteljica za ravnopravnost spolova Višnja Ljubičić, Laurence Rossignol, zastupnica u francuskom Parlamentu i bivša Ministrica za obitelj, djecu i ženska prava, Isabelle Collot, predstavnica francuske nevladine organizacije “Mouvement du Nid”, Nela Pamuković iz Centra za žene žrtve rata – ROSA i Nikolina Zec iz Ženske udruge Izvor, dok je tribinu moderirala Rada Borić, feministička aktivistkinja i političarka.

Već nekoliko godina putujem po cijelom svijetu kako bih govorila o učincima njemačkog modela i često uočavam da su ljudi slabo informirani i ne znaju koje su posljedice uvođenja nekih zakona. No, danas svi sve znamo. Švedska i Njemačka su gotovo istovremeno krenule potpuno suprotnim putem. Švedska je 1999. odlučila penalizirati one koji kupuju seks i dekriminalizirati prostituirane osobe, dok je Njemačka odlučila legalizirati prostituciju i pretvoriti je u zanat kao bilo koji drugi. Nakon svih tih godina, sada znamo koje su posljedice. Pogledajte, poslušajte naša iskustva prije nego što krenete u opasnu pustolovinu koja uvelike utječe na razvoj mentaliteta u cijelom društvu. Danas, naime, kada upitate mladog Šveđanina što misli o muškarcima koji kupuju žene, on će vam reći da to prezire. Dok s druge strane, mladi u Njemačkoj smatraju da je to cool pa čak i maturanti proslavljaju kraj školovanja ili momačku večer u javnoj kući.

Film koji ste upravo odgledali pokazuje praktički sve o učincima njemačkog modela, a prije nego što je izašao, pokušalo se spriječiti njegovo objavljivanje. Danas, tijekom gotovo godinu dana drugi kanal njemačke televizije ZDF-info nije imao pravo dati prava na prikazivanje filma u javnosti. Prema tome, današnja projekcija je premijera. Postoje skupine kojima je u interesu da se istina ne sazna. Te skupine su toliko moćne da su uspjele spriječiti najveći javni televizijski kanal u prikazivanju filma u zemlji u kojoj je sloboda medija upisana u njezin ustav. Spominjem to zato što je lobiranje seksualne industrije skovalo javno mnijenje. Naime, ako nasumice pitate bilo koga, ljude koji se ne bave tim pitanjem, čut ćete nekoliko mitova o prostituciji. Reći će vam da ako prostitucija nije legalizirana, da bi to bilo gore za žene, da bi se one time bavile ilegalno, da bi se povećalo seksualno nasilje, da je to najstariji zanat na svijetu itd. Weiterlesen

Prostitution und Gesundheit

Ein Beitrag von Dr. Ingeborg Kraus – März 2018.

Die »freiwillige« Entscheidung in die Prostitution zu gehen setzt gewisse Bedingungen voraus. Sich prostituierende Frauen, die meine Praxis aufgesucht haben, wiesen alle eine Geschichte von mangelndem Schutz in ihrer Kindheit auf und, daraus folgend, mangelndem Selbstschutz. Diese Frauen haben sehr früh gelernt, sich »abzuschalten«. Es gibt zahlreiche Studien, die diesen Zusammenhang zwischen Gewalterfahrungen in der Kindheit und Prostitution aufzeigen. Weiterlesen

Schattenfrauen

Schattenfrauen sind Frauen, die von ihren Ehemännern mit Prostituierten betrogen werden. Über diese „Kollateralschäden“ des Systems Prostitution wurde bislang kaum nachgedacht und es gibt so gut wie keine Erfahrungsberichte darüber.

Das folgende Interview, das ich mit einer betroffenen Frau führte, ging mir sehr nahe. Zum einen, weil mir die Dimensionen der Verletzungen erst richtig bewusst wurden. Es ist nämlich eine extreme Verletzung, wenn der Partner zu Prostituierten geht. Diese Form von Missbrauch hat zerstörerische Auswirkungen auf das ganze Familiensystem und die Opfer werden nicht ernst genommen und erhalten auch keine richtige Hilfe. Im Gegenteil, die Gefahr besteht, dass selbst Therapeuten eine Opfer-Täter Umkehrung betreiben und man von ihnen ein Brainwashing bekommt. Fachliteratur zu Sexsucht gibt es so gut wie keine in Deutschland, so besteht auch nicht die Möglichkeit sich selbst darüber aufzuklären um zu verstehen, was mit einem gemacht wird. Weiterlesen

Darf die Vagina Arbeitswerkzeug sein?

Rede von Dr. Ingeborg Kraus in der Urania auf der Veranstaltung „Sexarbeit“ – der zerschmetterte Mythos. Berlin, am 03.12.2017. 

Ich möchte mich bei den Veranstalterinnen bedanken. Insbesondere bei Rachel Moran und Julie Bindel. Ohne sie hätte diese Buchvorstellung nicht stattgefunden.

Wenn wir Glück haben, werden wir vielleicht noch eine Regierung in diesem Jahr bekommen. Wir beobachten momentan Politiker, die nun seit 8 Wochen miteinander reden und zu einem Null Ergebnis gekommen sind. Zu sehen sind Politiker, die nicht reden wollen, die sich jeglicher Diskussion entziehen. Dann erfährt man, dass ganze Nächte darüber diskutiert wird, wie man manche zum Diskutieren bringt. Es scheint mir, als würde man nicht über die Probleme des Landes reden, sondern nur noch über Konstellationen.

Bundespräsident Frank Walter Steinmeier hat recht, wenn er sagt, dass es nicht sein kann, dass die politischen Kräfte des wirtschaftlich stärksten Landes Europas ihrer politischen Verantwortung nicht nachgehen. Alle Parteien sind dem Gemeinwohl verpflichtet. Sie dienen unserem Land und ihre Verantwortung geht weit über die eigenen Interessen hinaus.

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Abolition means Love!


This is the introduction of a lecture held in Stockholm, Sweden on October 2, 2017 for „the conference on the sex trade“, organized by TALITA.

Dr. Ingeborg Kraus

Last year I went on a tour with Simon through Canada and we were a really good team: I was the “baddy”, talking about the situation in Germany and he was the “goody”, offering solutions. And then he said: “Well, Ingeborg, you should come to Sweden, too.” I asked him: “What can I do in Sweden? People will chase me.” “No, you know”, he said, “we are so used to the law, that people don´t realize how lucky they are.”

15 years ago, Germany, in contrast to Sweden, chose to legalize prostitution without any regulations and it turned out to produce hell on earth. I won´t talk in detail about it, Manuela Schon will do this afternoon. But just to give you a couple of examples: before I came here, two police inspectors had briefed me. Helmut Sporer said that prostitution has risen up to 30% since 2002. We have made a huge mistake implementing this law and have gone the totally wrong way. Prostitution has nothing to do with sexual liberation, it is just money that counts, Sporer says. The profit of this business is enormous: we are talking about 15 billion Euros of transactions every year.

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Wie die evangelische Kirche und der grüne Pseudo-Feminismus zu Unterstützern der Zuhälterei in Deutschland wurden

Florence Humbert, Historikerin, Dezember 2016.

Emanzipatorische Fortschritte und neue Bürgerrechte in einem friedlichen Europa – das waren die Versprechen der Grünen zum Zeitpunkt ihrer Gründung im Jahr 1982. In den letzten 30 Jahren waren sie der Motor zahlreicher gesellschaftlicher Neuerungen und Umbrüche. Sie sicherten die freiheitlichen Grundrechte unterdrückter Minderheiten, indem sie die Rechte Homosexueller stärkten, das Abtreibungsrecht forderten oder den Weg für die freie Empfängnisverhütung ebneten. Die Grünen waren immer eine frauenfreundliche Partei, indem sie die politische Teilhabe von Frauen förderten. Sie schafften Angebote der Kinderbetreuung, damit auch sie künftig an Kongressen und Treffen teilnehmen konnten. Ein weiterer, historisch wertvoller Verdienst war die Einführung der Frauenquote. Damit waren die Grünen die erste Partei, die auf inner-demokratischer Ebene das von den anderen Parteien kontinuierlich kritisierte und verworfene Prinzip der Parität akkreditierte. Weiterlesen

Das deutsche Modell produziert die Hölle auf Erden!

Die folgende Präsentation von Frau Dr. Ingeborg Kraus über das deutsche Prostitutionsmodell wurde in Vancouver, Kanada am 20. September 2016 für die Veranstaltung „International Approaches to Prostitution: Sweden, Germany Canada” für ca. 200 Gäste im Orpheum Annex vorgetragen.  Folgende Organisationen haben diesen Vortrag gesponsort: Aboriginal Women’s Organizing Network; Asian Women Coalition Ending Prostitution; Formerly Exploited Voices Now Educating; Foy Allison Law; Resist Exploitation, Embrace Dignity; University Women’s Club of Vancouver; Vancouver Rape Relief und Women’s Shelter.

Danke, dass Sie mich hier nach Vancouver eingeladen haben. Danke an alle Organisationen, die dies möglich gemacht haben, insbesondere Suzanne Jay, die mich eingeladen und alles organisiert hat.

Prostitution war in Deutschland schon immer legalisiert, bis auf eine kurze Zeit im frühen 20. Jahrhundert[2] . Deutschland führte 2002 ein Gesetz ein, das aus der Prostitution versuchte, einen Job wie jeden anderen zu machen. Die Politiker_innen waren der Meinung, dass es nicht die Prostitution selbst war, die das Problem darstellte, sondern die Diskriminierung der Frauen durch die Gesellschaft und es ihnen an Rechten fehlte. Dieses Problem in Betracht ziehend, wollten sie die Frauen so gut wie möglich stärken. (Sie sagten), Prostitution solle nicht mehr als etwas „gegen die gute Moral“ angesehen werden, sondern als ein Job wie jeder Andere. Von nun an wurden die Frauen als Arbeiterinnen betrachtet, als „Sexarbeiterinnen“. Weiterlesen

Brief an UN-Frauen

Konsultation zur Ermittlung von Standpunkten zum Vorgehen von UN-Frauen in Bezug auf „Sexarbeit“, Sexhandel und Prostitution.

Dr. Ingeborg Kraus

„Wissenschaftler für eine Welt ohne Prostitution“[1] ist ein Netzwerk von Gesundheits-ExpertInnen (im Fachgebiet Medizin, Psychologie und Psychotraumatologie) mit Sitz in Karlsruhe. Wir bieten Frauen in der Prostitution therapeutische und medizinische Unterstützung an. Diese Gruppe ist aus einem Appell[2] heraus entstanden, der besagt, dass Prostitution entmenschlicht, herabwürdigt und die universalen Rechte eines Menschen verletzt, ja dass Prostitution selbst Gewalt ist und eine Fortsetzung von Gewalt im Leben einer Frauen darstellt. In anderen Worten: „Es gibt keine gute Prostitution“.

Unsere Gruppe fordert ebenso ein Gesetz, das Männer in die Verantwortung nimmt und auf die gesetzliche Einführung eines Sexkaufverbotes besteht. Denn wir sind müde, zum zusammenflicken der Frauen gebraucht zu werden, während die Politik Männer dazu anstiftet „Frauen kaputt zu machen“. Dieser Appell wurde von den bekanntesten und einflussreichsten Traumatherapeutinnen und Experten aus Deutschland unterzeichnet. Wir wollen über die Realitäten in der Prostitution und ihrer Gesundheitsschäden informieren, über die verheerenden Auswirkungen eines Gesetzes, das Prostitution legalisiert, aufklären, die Stimmen der Gesundheitsexperten, die in direktem Kontakt mit den Opfern der Prostitution stehen, zu Wort kommen lassen. Wir wollen unsere klinischen Erfahrungen sowie Texte und wissenschaftliche Studien über Prostitution bekannt machen. Weiterlesen