Gegen den Hass – Nordisches Modell jetzt!

Rede von Dr. Ingeborg Kraus auf dem 3. Weltkongress gegen die sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen in Mainz. 03.04.2019 https://www.capworldcongress.org – Lektorat: Angelika Fischer

Ich möchte diese Rede an unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel richten und an den deutschen Staat. Aus der ganzen Welt sind heute Menschen nach Deutschland gekommen weil Sie sich über die gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland ernsthaft Sorgen machen. Ich hoffe, dass die deutschen Politiker und Politikerinnen auch anfangen sich Sorgen zu machen.

Das System Prostitution ist ein System der Gewalt die viele Gesichter hat: 

Es fängt schon bei der Bekleidung an: denn Gewalt ist auch zum Beispiel das völlige Nacktsein oder die leichte Bekleidung im Freien bei winterlichen Temperaturen. In der Straßenprostitution herrschen zudem mangelnde Hygienezustände, kein Schutz, keine Sicherheit, Dunkelheit, man ist den taxierenden Blicken ausgesetzt …

In den Bordellen sind die Frauen zuerst einmal „eingesperrt“. Wenn Personen ohne geschäftliche Absicht Kontakt zu den Frauen suchen, müssen sie sich mit den Betreibern „gut stellen“. Nicht jeder darf mit den Frauen sprechen. Die Frauen sind nicht frei.

In den Bordellen erleben die Frauen keinerlei Selbstbestimmung. Sie haben keine Berechtigung Forderungen zu stellen. Sie stehen in einem völlig asymmetrischen Verhältnis den Männern gegenüber:über 90% der Frauen kommen aus den ärmeren EU-Ländern. Die meisten sind unter 21 Jahre alt und sprechen kein Deutsch. Sie praktizieren keinen Safer Sex, können keine Grenzen setzen, nicht verhandeln. Für 30 Euro müssen sie alles, was die Freier möchten.

Es herrschen desaströse Arbeitszustände: die Frauen sind vom Unternehmen völlig abhängig: viele arbeiten, essen und schlafen in den Bordellen.

Gewalt sind auch die hohen Tagesmieten (bis zu 180,- € muss jede Frau täglich zahlen), was bedeutet, dass Frauen bis zu 6 Freier bedienen müssen, bevor sie überhaupt einen Euro verdienen. Die Ware Frau wird mittlerweile in Deutschland gemäß der Gesetze des härtesten Kapitalismus aufs Maximale ausgebeutet.

Flat-Rate Bordelle sind mittlerweile verboten, aber für 69,- € kann man 2 Frauen und „all you can drink“ erhalten. Es ist zynisch von der Bunderegierung diese Regulierungsansätze als Lösung und Erfolg zu bezeichnen!

Die Arbeitszeiten sind gesundheitsgefährdend: prostituierte Frauen müssen ständig für Kunden „parat“ sein und schlafen dementsprechend maximal 5 Stunden pro Nacht.

Viele Frauen leben in Deutschland wie Nomaden. Sie haben keinen festen Wohnsitz und werden von einem Bordell zum anderen verfrachtet, um den Sexkäufern Abwechslung zu bieten. Oft wissen sie gar nicht, wo sie sich befinden. Die kürzlich eingeführte Anmeldepflicht wird an diesem Zustand nichts ändern.

Grundsätzlich muss man sich fragen: Wenn man Prostitution als Sexarbeit bezeichnet – was ist dann das Arbeitswerkzeug?“ „Die Vagina einer Frau?“

Die Bezahlung für den Geschlechtsverkehr macht diesen Akt nicht besser. Es bleibt eine ungewollte Penetration, eine bezahlte Vergewaltigung. Zudem sind die Sexkäufer seit der Legalisierung perverser und die Praktiken entsprechend gefährlicher geworden. Die Gewalt gegen prostituierte Frauen hat sich dadurch natürlich erhöht.

Die Bewertungen der Freier in den Freierforen lässt erkenne, dass Prostitution gegen die Menschenwürde verstößt. Sie sehen es offensichtlich als ihr Männerrecht, Frauen zu erniedrigen und sie in jeglicher Weise zu benutzen. Es zirkulieren Menü-Listen mit Freierwünschen. Im Ausland löst dies Empörung aus und wird als Folter gesehen. Auch hier, will sich die Bundesregierung aus der Verantwortung stehlen indem sie manche Dienstleistungen mit dem Prostitutionsschutzgesetz verbietet, jedoch andere Leistungen wie Analverkehr, „Faustfick“, Zungenküsse oder „Spiele mit Scheiße und Sperma“ den Frauen zumutet. Prostitution kann nicht reguliert werden, man kann sie nur abschaffen!

Schwangere Frauen sind mittlerweile sehr begehrt bei den Sexkäufern. So sind späte Abtreibungen im Ausland sehr häufig oder viele Frauen geben kurz nach der Geburt ihr Kind zur Adoption frei. Der Stress und die emotionale Situation der schwangeren Frauen bei der Ausübung von Sex am Fließband ist nicht nur für die werdende Mutter schädlich, sondern auch für die Entwicklung des Kindes im Mutterleib   

Ärzte haben die Bundesregierung über diese Missstände informiert. Aber bezüglich des regulären Mutterschutzes wurde nichts verändert. Man muss sich ernsthaft fragen warum die Bundesregierung Experten zur Anhörung im Bundestag einlädt, wenn ihr Rat unmittelbar danach im Papierkorb landet und die Macht des Profits weiterhin die Politik regiert?

Kurz vor dem heutigen Weltkongress ließ das Bundesfamilienministerium über ihren Pressesprecher verlauten, dass „bei einem Sexkaufverbot wie in Schweden „die große Gefahr bestehe, dass die Sexarbeiterinnen in die Illegalität gedrängt werden und sie den Gefahren und Risiken des Gewerbes schutzlos ausgeliefert sind.“

Die Bundesregierung hat schon im Jahr 2004 eine große Bundesstudie zur Gewaltbetroffenheit in Auftrag gegeben: 82% der prostituierten Frauen erlebten Formen von psychischer Gewalt, 92% erlebten sexuelle Belästigung, 87% körperliche Gewalt und 59% sexuelle Gewalt. Auch diese Studie war für die Bundesregierung nicht mehr wert als das Papier auf dem es gedruckt war.

Als Antwort auf die Gewalt in der Prostitution hat die Bunderegierung auf einen Film von Madonna e.V. verlinkt, in dem Frauen geraten wird: wenn es gefährlich wird, ziehen sie ihre Stöckelschuhe aus und rennen sie so schnell wie möglich weg! Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man herzhaft darüber lachen!

Deutschland weigert sich diese Gewalt gegen Frauen zu sehen, es weigert sich hinzuschauen und die kriminellen Auswirkungen seines Gesetzes zu sehen. Ich frage mich mittlerweile was unsere Politiker so erblinden lässt? Ich möchte in diesem Zusammenhang die Klimaaktivistin Greta Thunberg zitieren: „wir leben in einer merkwürdigen Welt, in der die Politiker sagen, es ist zu teuer die Welt zu retten, während sie Milliarden Euros verwenden fossile Energieträger zu subventionieren, wir leben in einer merkwürdigen Welt wo sich jeder seine eigene Realität aussuchen und kaufen kann.“

HANDELN SIE ENDLICH!

Ungefähr 50% der Sexkäufer sind verheiratet oder leben in einer Beziehung. Täglich gehen ca. 1,2 Millionen Männer zu Prostituierten in Deutschland. Die Rechnung ist einfach: es sind nicht jeden Tag die gleichen Männer. Was wir auch realisieren müssen ist, dass Deutschland auch ein Land von Millionen betrogenen Frauen ist. Diese Frauen nennen sich „Schattenfrauen“, Frauen die sich im Schatten des Systems Prostitution befinden. Ihre Stimme und ihre Verletzungen werden nicht gehört. Sie bleiben allein mit der Demütigung und Beschämung, was auch ein typisches Merkmal von Traumatisierung ist. Vertrauen, gegenseitige Achtung und echte Intimität wird dadurch unmöglich und damit wirkt sich Prostitution zerstörerisch auf die Grundlage einer Paarbeziehung aus.

Das deutsche Modell schürt Hass! Die Freier hassen die prostituierten Frauen, die Prostituierten verachten die Freier, die Ehefrauen verachten ihre Männer so wie oft auch die Prostituierten Frauen. Es verpestet menschliche Beziehungen. Ein Staat, der so ein System legalisiert, verbreitet Verachtung und Hass zwischen den Geschlechtern. Er zerstört Beziehungen und traumatisiert Frauen und Familien über Generationen hinweg.

Nun etwas zu den psychischen Schäden durch die Prostitution:

Es gibt kaum Datenerhebungen über die Folgen der Prostitution. Hier möchte ich Ärzte und Helfer, die mit Prostituierten arbeiten zu Wort kommen lassen:

Durch die riskanten Sexpraktiken sind die Infektionsraten gestiegen. Eine wissenschaftliche Studie aus dem Jahr 2008, hat ergeben, dass 26% eine behandlungsbedürftige sexuell übertragbare Krankheit hatten. 42% der Frauen waren von einer akuten Infektion oder einer Infektion, die stattgefunden hatte, betroffen.

Die Studie aus dem Jahr 2001 in Deutschland hat herausgefunden, dass 60% der Frauen in der Prostitution ein voll ausgeprägte Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickelt hatten. Die Studie von Schröttle & Müller aus dem Jahr 2004 weist einen hohen Medikamentenkonsum auf: 67% der Frauen in der Prostitution nehmen Schmerzmittel ein, 38% Beruhigungsmittel.

Ein erst kürzlich erstellter Bericht eines deutschen Gynäkologen stellt fest, dass die Gesundheit der Frauen in der Prostitution verheerend ist: Mit 30 sind die Frauen schon vorgealtert, was ein Symptom von extremem und ständigem Stress ist. Alle Frauen leiden unter permanenten Bauchschmerzen, Gastritis und ständigen Infektionen durch die ungesunden Lebensverhältnisse. Nur durch Alkohol, Drogen und Medikamente können sie die emotionalen und seelischen Traumatisierungen ertragen.

Sabine Constabel, die seit über 20 Jahren mit Prostituiertenarbeitet, sagte mir, dass nur wenige Frauen den Ausstieg schaffen. Die Frauen arbeiten so lange, bis sie körperlich zusammenbrechen. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis das passiere.

Warum ist das so, fragte ich mich? Weil Prostitution den Willen bricht. Diese Frauen sehen keine Zukunft für sich, sie haben keine Träume, keine Identität außerhalb der Prostitution. Sie sind auf dieses konstruierte Wesen der „Prostituierten“ reduziert und finden keinen Weg mehr da raus. Sie sind in ihrem Trauma und ihrer Scham eingesperrt.

„Die jungen Frauen, die nach Deutschland kommen, so Frau Constabel, sind völlig überfordert, komplett traumatisiert. Viele verlangen nach ihren ersten Erfahrungen nach Psychopharmaka und Drogen. Sie sagen, anders sei ‚dieses Geschäft‘ nicht auszuhalten.“

Dasselbe berichtet auch Jana Koch-Krawcak, wenn sie als Street Workerin in die Bordelle geht. Sie begegnet verwahrlosten Frauen, die den Kontakt zu sich selbst völlig verloren haben. Sie reagieren verängstigt oder apathisch. Es erscheint offensichtlich, dass sie alles andere brauchen als Sex. Aber daneben stehen die Sexkäufer und scheren sich „einen Dreck“ darum. Sie lachen und amüsieren sich.

Wie geht das? Ich stelle mir die selbe Frage, die sich auch Caroline Emcke in ihrem Buch „Gegen den Hass“ gestellt hat. Ja, wie geht das, die Not der Menschen nicht zu sehen, sondern nur die eigenen Bedürfnisse? Wie geht das?

Es geht, weil Männer denken, ein Recht auf Sex zu haben und dafür Frauen benutzen zu dürfen. Die Frau wird zu einer Konsumware reduziert. Sie wird entmenschlicht, sie ist nur noch das. Das erlaubt dem Sexkäufer jegliche Form von Skrupellosigkeit, ihr Mitgefühl ist blockiert, an seine Stelle tritt Gleichgültigkeit.

Die Legalisierung und Normalisierung der Prostitution kommt einer Kapitulation gegenüber der Gewalt gegen Frauen gleich.

Männern wird signalisiert, dass sie Sex brauchen, dass sie eine regelmäßige Triebabfuhr brauchen um stabil zu bleiben um nicht sexuell übergriffig zu werden. Nach dieser Logik, haben sich also Männer nicht im Griff: das ist die versteckte Botschaft, die das System Prostitution vermittelt. Wenn es wirklich so wäre, dann müssten wir unser Grundgesetz schnellstens ändern. Denn dann wären Männer und Frauen nicht gleichgestellt. Wir müssten daraus ableiten, dass die Frau ein höheres Wesen ist. Denn Emotionsregulation und Frustrationstoleranz sind wichtige zivilisatorische Errungenschaften.

Das deutsche Prostitutionsmodell produziert die Hölle auf Erden. Das Leben und die Rechte dieser Frauen werden geopfert. Aber wofür? Verteidigen diese Gesetze unsere Demokratie? Schützen sie unser Land vor Invasion oder Terrorismus? Nein, diese Frauen werden dafür geopfert, dass einige Männer Sex haben können wann immer sie wollen und mit wem und wie sie es wollen. Und das ist das Problem. Es ist notwendig, dass wir unseren Fokus auf den Sexkäufer richten.

Es ist falsch zu glauben, dass männliche Sexualität nicht kontrollierbar ist. Männer haben einen neuen Weg zu erlernen, wie sie mit Frustration umzugehen haben. Auch deshalb ist die Einführung eines Sexkaufverbots fundamental wichtig.

Wenn wir über Prostitution sprechen, dann ist es notwendig, gleichzeitig darüber nachzudenken, in was für einer Gesellschaft wir eigentlich leben wollen und nicht nur über Schadensbegrenzung. Wir brauchen eine neue Generation von Männern, die nicht auf die sexuelle Ausbeutung und Beherrschung von Frauen zurückgreift, um sich zu behaupten.

Frau Merkel, Deutschland hat eine führende Rolle und auch Verantwortung in Europa. Es kann nicht sein, dass wir es zulassen, dass unsere Männer die vulnerabelsten Frauen sexuell missbrauchen und, wenn sie kaputt sind, einfach wieder wegwerfen.

Wir können und dürfen es nicht zulassen, dass wir wieder zu einer Gesellschaft des Wegschauens werden, Frau Merkel! Entscheiden Sie sich für die Abolition. Die Abolition ist mehr als ein Sexkaufverbot, mit der Abolition zeigen wir Haltung und bewahren unsere Werte.

Ich bedanke mich!

Dr. Ingeborg Kraus

Mainzer Erklärung

Mainz, am 4. April 2019.

Initiativen, Vereine, Organisationen oder Personen, die sich ihr anschließen wollen, können eine kurze Mail an CAP schreiben (contact@cap-international.org) oder sich auf dem englischen Originaltext eintragen.

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Offener Brief an die deutsche Kanzlerin, die deutsche Regierung und den deutschen Bundestag.

  • Verbieten sie Sexkauf und Bordellbetrieb!
  • Bieten Sie den Opfern der Prostitution echte Alternativen und Ausstiegsmöglichkeiten!
  • Beenden Sie umgehend die staatlich geförderte sexuelle Ausbeutung von Frauen, die die Menschenwürde und Deutschlands Verpflichtungen unter internationalen Menschenrechtsgesetzen verletzt!

Wir, deutsche und internationale Überlebende der Prostitution und des Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung, Nichtregierungsorganisationen, die unmittelbar und direkt die Opfer dieser Verbrechen unterstützen, Aktvistinnen und Aktivisten für Menschen- und Frauenrechte, Organisationen und Bewegungen, die alle Formen sexueller und sexistischer Gewalt bekämpfen, sind durch die deutsche Gesetzgebung und öffentlichen Ansätze zur Prostitution schockiert, verletzt und zutiefst erschreckt. Seit 2002 hat Deutschland ein System massiver sexueller Ausbeutung und Menschenrechtsverletzungen an den ärmsten und gefährdetsten Frauen organisiert und geschützt.

Anlässlich des 3. Weltkongresses gegen die sexuelle Ausbeutung an Frauen und Mädchen in Mainz versammelt, rufen wir die deutsche Kanzlerin, die Regierung und den Bundestag feierlich dazu auf, der staatlich geförderten sexuellen Ausbeutung der gefährdetsten Frauen sofort ein Ende zu bereiten.

Um dies zu erreichen, fordern wir die deutsche Regierung dazu auf:

  • ihren internationalen Verpflichtungen durch die Kriminalisierung der Ausbeutung der Prostitution einschließlich des Bordellbetriebs und jeglichen Profits aus der Prostitution anderer nachzukommen;
  • anzuerkennen, dass die Bezahlung sexuellen Zugangs zum Körper einer anderen Person wegen deren finanzieller Nöte und nicht deren körperlichen Begehrens eine Form sexueller und sexistischer Gewalt darstellt und den Kauf von Sex zu verbieten;
  • sicherzustellen, dass prostituierten Individuen weder Strafen noch besondere Kontrollen oder Registrierungen auferlegt werden, da diese für ihre eigene Ausbeutung weder Strafen noch Kontrollen unterworfen sein sollen;
  • auf Bundesebene Richtlinien zum Ausstieg aus der Prostitution mit ausgestatteten Programmen einzuführen, die den Opfern der Prostitution und des Menschenhandels Schutz, Begleitung, sowie soziale und finanzielle Unterstützung bieten. Diese Programme müssen Sozialwohnungen, Aufenthaltsgenehmigungen für ausländische Opfer, medizinische und psychologische Gesundheitsversorgung, Bildung und Zugang zu Berufsmöglichkeiten enthalten;
  • die Verantwortung des deutschen Staates für die sexuelle Ausbeutung mehrerer hunderttausender Frauen anzuerkennen und den Opfern der Prostitution und des Menschenhandels, deren Ausbeutung in den deutschen, staatlich zugelassenen Bordellen durch die Gesetzgebung zur Prostitution in der Jahre 2002 und 2017 erlaubt und gefördert wurde.

Übersetzung: Abolition 2014

Prostitution: Weder Sex noch Arbeit!

Morgen beginnt der 3. Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen in Mainz. SOLWODI Deutschland e.V, CAP International und „Armut und Gesundheit in Deutschland e.V.“ organisieren diesen Kongress. Eröffnet wird dieser Kongress am nachmittag des 2. April mit dem Survivors Day. Eine Gruppe von Überlebenden der Prostitution aus Deutschland und der Welt wird die deutschen Behörden dazu auffordern, ihre schädliche öffentliche Politik in Bezug auf Prostitution erneut zu überdenken. im rahmen einer internationalen öffentlichen Konferenz werden sich dann am 3. und 4. April 300 TeilnehmerInnen und 40 ReferentInnen aus 30 Ländern versammeln, darunter Überlebende der Prostitution und des Menschenhandels, VertreterInnen nationaler, regionaler und internationaler NGO´s, renommierte WissenschaftlerInnen und JournalistInnen, Ministerinnen und Abgeordnete sowie VertreterInnen internationaler Organisationen.


Diese öffentliche Konferenz wird sich mit den Realitäten von Prostitution und sexueller Ausbeutung in der Welt, ihren schwerwiegenden Auswirkungen auf die Gesundheit und ihren Folgen in Bezug auf sexuelle Gewalt und geschlechtsspezifische Ungleichheiten befassen. Es wird auch die äußerst Besorgnis erregende Situation in Deutschland, dem „Bordell Europas“ hervorgehoben. Mit diesem Weltkongress wollen die Organisatoren Bewusstsein und Empathie stärken, um die Isolation, Gleichgültigkeit, Ausbeutung und Diskriminierung von hunderttausenden Opfern von Prostitution un Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung zu brechen.


Internationale und deutsche NGOs werden gemeinsam konkrete Forderungen formulieren, um der herrschenden täterfreundlichen Gesetzgebung ein Ende zu bereiten und die Bedingungen für eine Gesellschaft ohne Prostitution und sexuelle Ausbeutung zu schaffen.
Hier das Programm: 3. Weltkongress in Mainz


Prostitution: weder Sex noch Arbeit, sondern eine der radikalsten Formen der sexuellen Ausbeutung!

Demonstrationsmarsch!

Rosen Hicher war 22 Jahre lang in der Prostitution in Frankreich tätig. 10 Jahre brauchte sie, um dem Rotlicht-Milieu zu entkommen. „Kaum eine Prostituierte wird nicht Opfer sexueller Gewalt“, sagt sie. „90% der Frauen in der Prostitution sind heutzutage Opfer krimineller Netzwerke, Opfer von Gewalt, die von Zuhältern und auch Freiern ausgeht.“

Rosen machte 2014 eine „Tour de France“ zu Fuß. Ihr Ausgangspunkt war Saintes, wo sie zuletzt als Prostituierte arbeitete. Ihr Ziel war Paris, wo sie ins Rotlichtmilieu rutschte und einst von Zuhältern angelernt wurde. Sie lief insgesamt 800 Kilometer. Ihr damaliger Demonstrationsmarsch hat durchaus Gehör gefunden, da das französische Parlament, auch bedingt durch diesen Marsch, für die Abolition der Prostitution und die Einführung der Freierbestrafung stimmte.

Vom 2. bis zum 5. April 2019 wird in Mainz der 3. Weltkongress gegen die sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen stattfinden (https://www.capworldcongress.org).

Das System der sexuellen Ausbeutung wirkt zerstörerisch in einer Gesellschaft. Der Kongress stellt international erfolgreiche Lösungsansätze im Kampf gegen Prostitution und Menschenhandel vor: In den vergangenen 20 Jahren haben Schweden, Island, Norwegen, Kanada, Nordirland, Frankreich, die Republik Irland und Israel den Kauf von Sex verboten – mit positiven Ergebnissen: Die Nachfrage nach Prostitution ist gesunken, der Menschenhandel zurückgegangen. Auch das Frauenbild in diesen Gesellschaften hat sich gewandelt, denn die Gesetzgebung stellt klar: Frauen sind keine Ware! Deutschland hingegen wurde mit seiner liberalen Gesetzgebung zum „Bordell Europas“.

Rosen Hicher wird von Straßburg nach Mainz marschieren, um ihre Solidarität mit prostituierten Frauen und Überlebenden der Prostitution zu bekunden sowie das Ausmaß der Straflosigkeit gegenüber der sexuellen Ausbeutung in Deutschland zu verurteilen.

Rosen wird 207 Kilometer laufen, um die Legalisierung der sexuellen Ausbeutung und die Legalität von Bordellen in Deutschland zu denunzieren. Auf ihrem Weg nach Mainz will sie eine große Zahl von Bordellen passieren und auf die menschenunwürdigen Zustände hinweisen. Am 28. März wird sie in Karlsruhe sein.

Rosen glaubt an die symbolische Kraft des Gehens langer Wege. Auf ihrem Weg will sie andere Menschen mitnehmen und sie über Prostitution aufklären und sie auffordern sich gegen diese radikale Form der sexuellen Ausbeutung von Frauen zu empören und zu stellen. Ihr Marsch ist ein Prozess für sie und für diejenigen, die mitmachen wollen und/oder ihr folgen wollen.

Bis 2025 muss sich der Bundestag nicht mit der Prostitutionsfrage befassen. Das ist so nicht akzeptabel! Diese Haltung ist nicht nur Ausdruck einer Arroganz der politischen Klasse, sondern auch eine unterlassene Hilfestellung für Frauen in Not. Frauen aller Parteien haben erst vor kurzem den internationalen Frauentag gefeiert und zur Gleichstellung aufgerufen. Die Prostitutionsfrage wurde jedoch wieder ignoriert. Es gibt aber keine Gleichstellung, solange es für jeden Mann legal ist, den Körper einer Frau kaufen zu können. Die Prostitution ist keine Nebensache des Feminismus, sondern seine Kernfrage.

Mit besten feministischen Grüßen!

Dr. Ingeborg Kraus

Sandra Norak ist 29 und angehende Juristin (Univ.). Sie war Opfer eines „Loverboys“ und von 2008 – 2014 in der Prostitution. Jetzt betreibt sie Aufklärungsarbeit über Prostitution und Menschenhandel, vor allem über die sogenannte „Loverboy-Methode“. Sandra Norak macht Präventionsarbeit in Schulen, um jungen Mädchen zu zeigen, wie sie „Loverboys“ erkennen und sich vor ihnen schützen können. Sie setzt sich für eine Änderung der liberalen Prostitutionsgesetzgebung in Deutschland ein. Sie betreibt die Seite „My Life in Prostitution“ (https://mylifeinprostitution.wordpress.com) und ist Aktivistin bei „Sisters“.

Anna Schreiber, Diplom-Psychologin und approbierte Psychotherapeutin mit Praxis in Karlsruhe. Von ihr ist aktuell das Buch erschienen: „Körper sucht Seele. Eine Psychotherapeutin blickt zurück auf ihre Zeit als Prostituierte“. Darin beschreibt sie ihre Prostitutionsgeschichte als junge Frau und erhellt die Räume und psychologischen Hintergründe, die im käuflichen Sex wirksam sind. In ihrer Praxis und in ihren Seminaren arbeitet sie mit den Schwerpunkten Paardynamik, Sexualität und Traumatherapie.

Dr. Ingeborg Kraus, Diplompsychologin undinternational renommierte Psychotraumatologin.Sie hat zahlreiche Texte über den Zusammenhang von Trauma und Prostitution veröffentlicht und hält weltweit Vorträge und Fortbildungen zu diesem Thema. Sie hat viele Trauma-Opfer behandelt, darunter auch viele Frauen, die Opfer von Prostitution waren. Frau Dr. Kraus ist die Initiatorin des Appells der TraumatherapeutInnen gegen Prostitution und betreibt die Seite und das Netzwerk „Trauma and Prostitution“, die über die Realitäten in der Prostitution und ihre gesundheitlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen aufklärt. Sie ist Mitgründerin des Bündnisses „Stop Sexkauf“ und hat zusammen mit dem Bündnis die internationale Petition zum Abbau der Prostitution in Deutschland lanciert: www.change.org/p/sexkauf-bestrafen-prostitution-abbauen

Moderation:
Dr. Brigitte Schmid-Hagenmeyer,
Psychologische Psychotherapeutin in eigener Praxis mit Schwerpunkt Traumatherapie, Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen Karlsruhe.

Ulrike Röse-Maier, Feministin, Aktivistin und Unternehmerin. Sie ist Mitbegründerin der Grünen Prostitutionskritikerinnen. Als Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft Frauenpolitik 2005-2010 brachte sie das Thema Prostitution auf die politische Agenda ihrer Partei und kritisierte den liberalen Umgang der Grünen mit dem Thema. 2013 verfasste sie den Karlsruher Appell, der alle politischen Parteien in Deutschland auffordert Prostitution zu beenden (https://karlsruherappell.com/der-appell/).

Demonstration: Wir treffen uns um 18:45 am Fasanenplatz und werden über die Kaiserstrasse durch das Rotlichtviertel der Brunnenstrasse gehen. Die Demo geht von 19.00 bis 19:30. Wir wollen unsere Solidarität mit den Frauen in der Prostitution bekunden, jedoch die Straflosigkeit der sexuellen Ausbeutung denunzieren. Danach treffen wir uns von 20:00-22:00 Uhr im Café Palaver zu Vorträgen, Diskussion und Austausch.


Agenda 2030 der Vereinten Nationen

Bild: Beatriz Sanchez Alvarez (Spanien), Ingeborg Kraus (Deutschland), Agnete Ström (Norwegen), Cherie Jimenez (USA)

„Deutschland wird für 2019/2020 einen Sitz im UN-Sicherheitsrat haben. Die Gleichstellung der Geschlechter ist eine Voraussetzung für eine globale nachhaltige Entwicklung und ein zentraler Grundsatz der Agenda 2030 der Vereinten Nationen. Es kann nicht sein, dass Deutschland eine Mit-Verantwortung für die Herstellung von Frieden auf der Welt anvertraut wird, Deutschland jedoch im eigenen Land, mit seiner Gesetzgebung zu Prostitution, einen Krieg gegen Frauen führt.“ Dr. Ingeborg Kraus, am 4. Februar in Madrid auf der Weltkonferenz in Madrid .

Sustainable Development Goal 5 (SDG 5) erinnert Regierungen daran, dass die Gleichstellung der Geschlechter die Beseitigung von Gewalt und Diskriminierung gegen Frauen und Mädchen erfordert, insbesondere die Beseitigung aller Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen im öffentlichen und privaten Bereich, einschließlich Menschenhandel, sexuelle Ausbeutung und andere Formen der Ausbeutung.

Deutschland: 17 Jahre nach Entkriminalisierung der Zuhälterei

Rede von Dr. Ingeborg Kraus in der Assemblée Nationale von Paris am 24. Mai 2018. Situation en Allemagne, 17 ans après la dépénalisation du proxénétisme.

Lektorat: Florence Humbert – Bild: Gemälde im Raum Colbert der Assemblée Nationale in Paris.

Diese Rede hat großen Zuspruch in der französischen Assemblée Nationale erhalten und auch dazu beigetragen, dass die neue Regierung den eingeschlagenen Kurs (von April 2016) nicht ändert. Ich habe nicht nur die dramatische Situation geschildert, die das ProstGesetz von 2002 hergestellt hat, sondern auch den deutschen Staat in die Verantwortung genommen. Deutschland trägt nämlich eine historische Verantwortung in der Legitimierung der sexuellen Ausbeutung von tausenden von Frauen durch die Sex-Industrie. Hier die wichtigsten Abschnitte von dieser Rede:

  • Das « deutsche Modell » hat die Frauen keineswegs geschützt, es ist für sie zur „Hölle auf Erden“ geworden.
  • Die Prostitution hat sich zu einer richtigen Industrie entwickelt, in der Frauenkörper zum Objekt reduziert und als Ware vermarktet werden.
  • Indem der deutsche Staat die Prostitution liberalisierte und den Sexkäufern eine vollständige Straffreiheit garantierte, hat er zu einer immensen Steigerung der Nachfrage beigetragen.
  • Diese Frauen sind den Gesetzen des kältesten Kapitalismus unterworfen: Ihre Körper werden aufs Maximale ausgebeutet. Wir beobachten die Art von inhumanen Arbeitsbedingungen, die -wie wir dachten- seit Beginn des 20. Jahrhunderts überwunden waren.
  • Der deutsche Staat lässt diese Frauen durch die Sexindustrie ausbeuten und zermalmen und schließt sie noch nicht einmal in sein Sozialsystem ein.
  • Es ist absurd über reproduktive Rechte von Frauen in der Prostitution zu sprechen, denn es geht hier nur um die Rechte des Sexkäufers, die ohne Einschränkungen garantiert werden sollen.
  • Die „freiwillige“ Prostitution ist oft schlimmer als die Zwangsprostitution.
  • Das System Prostitution benutzt die Traumatisierungen in der Kindheit für ihre eigenen Interessen und Profite. Diese Frauen wurden ein erstes Mal in ihrer Kindheit im Stich gelassen und werden nun ein zweites Mal durch eine staatliche Politik im Stich gelassen, die ihre Ausbeutung legitimiert.
  • Das deutsche Modell schürt Hass! Es verpestet menschliche Beziehungen. Ein Staat, der so ein System legalisiert, verbreitet Verachtung und Hass zwischen den Geschlechtern. Er zerstört Beziehungen und traumatisiert Familien über Generationen hinweg. Das deutsche Modell schürt auch Verachtung unter sozialen Klassen. Es spaltet die Bürger und Bürgerinnen eines Landes und trägt dazu bei, eine europäische Kohäsion zu verhindern.
  • Deutschland weigert sich hinzuschauen und die kriminellen Auswirkungen seines Gesetzes zu sehen, das Zuhälterei und sexuelle Ausbeutung in großem Maße ermöglicht hat.
  • Deutschland ist zum Zuhälter der vulnerabelsten Frauen Europas geworden.
  • Seitdem Frankreich das Gesetz von April 2016 eingeführt hat, spricht man nicht mehr vom nordischen Modell, sondern vom Gleichstellungs-Modell. Ich hoffe, dass Frankreich uns helfen wird, dieses Modell der Gleichstellung und Solidarität in Europa herzustellen. Deutschland, bedauerlicherweise, schafft es nicht!

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Nie wieder Prostitution!

­­­­­Ein Text von Sandra Norak und Dr. Ingeborg Kraus. 18.09.2018.

Als Aktivistinnen gegen das System Prostitution haben wir uns durch die für den Prix Europa 2018 nominierte ZDFinfo Dokumentation „Bordell Deutschland – Milliardengeschäft Prostitution“ kenneng­­elernt, in der wir beide als Expertinnen zum Thema mitwirkten. Sandra Norak als Loverboy-Opfer, Aussteigerin von 6 Jahren Prostitution und angehende Juristin. Dr. Ingeborg Kraus als Diplompsychologin und Traumatherapeutin. In diesem gemeinsamen Text möchten wir unsere Erfahrungen und Perspektiven vereinen.

Manchmal erscheint ein Weg für uns sehr lang, manchmal zu lang, so dass wir glauben, dass wir nicht genug Kraft haben und es nicht schaffen, ihn zu Ende gehen zu können. Der Ausstieg aus der Prostitution und damit aus einem Milieu, das meist den Körper und die Seele dieses Menschen zerstört hat, ist ein ganz besonders langer und schmerzhafter Weg, der manchmal kein Ende zu nehmen scheint und auf dem man Hürden begegnet, die sich zunächst als unüberwindbar darstellen.

Immer wieder hören und lesen wir von Aussteigerinnen, die mit den Gedanken ringen wieder in die Prostitution einzusteigen oder letztlich wirklich zurückgehen, obwohl sie ihre bereits gemachte Prostitutionserfahrung als traumatisierend ansehen und Prostitution als Gewalt bezeichnen. Dieses Verhalten stößt bei vielen Außenstehenden auf Unverständnis.

Wir möchten mit unserem Text über die Schwierigkeiten des Ausstiegs aus der Prostitution aufklären und zugleich Frauen während des Ausstiegs sowie danach Mut machen.

Wenn in unserer Gesellschaft über Prostitution gesprochen wird, so hat sich durch das ProstG aus dem Jahr 2002 bei vielen die Vorstellung eingeprägt, dass sie ein Job wie jeder andere ist. Prostitution aber hinterlässt tiefe Narben an Körper und Seele. Der Ausstieg ist nicht vergleichbar mit einem einfachen Jobwechsel. Einmal in diesem Prostitutionssystem gefangen, kommen Betroffene oft nur schwer bis gar nicht mehr raus. Weiterlesen

„Bordell Deutschland“ – ZDF info Dokumentation

Autor: Christian Stracke – Produktion: medi cine medienproduktions GmbH – Redaktion: Natalie Zinkend – Länge: ca. 89 Minuten. Abrufbar auf der Mediathek des ZDF: Bordell Deutschland . Es gibt auch eine kürzere Version (45 min) dieser Doku: Deutschlands Sex-Industrie 

Die Fotos sind aus der ZDF-Doku. Der folgende Text stammt vom ZDF Presseportal: „Laut Experten ist die boomende Sexindustrie der Bundesrepublik Drehscheibe für Zwangs-prostitution und Menschenhandel: Viele der Prostituierten kommen aus dem Ausland, die wenigsten arbeiten freiwillig. „Bordell Deutschland“ zeigt, wie schlimm die Zustände tatsächlich sind und welche Rollen Prostitutionsverbände, Bordellbetreiber und die Politik dabei spielen.

„Komm so oft du willst“, „All you can fuck“ oder „20 Minuten Sex für 20 Euro – der Spartarif im Discountpuff“: In vielen deutschen Städten werben Bordelle so für ihre Flatrate-Angebote. Das Geschäft boomt, mit teilweise bizarren Auswüchsen. Von Flatrate-, über Edel- bis hin zu sogenannten Gangbang-Bordellen, in denen eine Prostituierte mit mehreren Männern gleichzeitig Sex hat – nichts scheint unmöglich.

Jenseits der verklärten Welt von Hollywood, wie sie dem Zuschauer in Filmen wie „Pretty Woman“ präsentiert wird, versteckt sich im Verborgenen eine kriminelle Parallelwelt. Sandra hat jahrelang als Prostituierte gearbeitet und bestätigt die in der Szene vorherrschende Gewalt: „In jedem Club, in dem ich war, habe ich Menschenhandel gesehen. Ich habe natürlich auch Frauen gesehen, die geschlagen werden. Und ich habe auch Freier gesehen, die das gesehen haben und dann trotzdem die Dienstleistung in Anspruch genommen haben.“

Kein Einzelfall, wie Denisa, eine junge Rumänin bestätigt: „90 Prozent haben Zuhälter.“ Jahrelang hat sie in Deutschland als Zwangsprostituierte gearbeitet. Die Expertin und Traumatherapeutin Ingeborg Kraus vergleicht die Erfahrungen von Prostituierten mit denen von Soldaten oder Folteropfern, 60 Prozent der Frauen leiden unter einer posttraumatischen Belastungsstörung.
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Kinder-, Jugend-, und Tierpornographische Schriften – wie hoch sollte das Schutzniveau sein?

Nach wie vor geben viele „große“ Zeitungen in Deutschland den „glücklichen Sexarbeiterinnen“ sehr viel Raum. In „Der Welt“ schreibt zum Beispiel Salomé Balthus regelmäßig Kolumnen. Durch diese massive mediale einseitige Darstellung, die immer noch einen romantischen Blick auf Prostitution wirft und somit zur Verharmlosung beiträgt, bekommt der Leser / die Leserin nicht nur ein ganz falsches Bild von dem Gewerbe, es zementiert auch die patriarchalen Geschlechterverhältnisse. Nun ist „die Welt“ aber zu weit gegangen, indem sie völlig unkritisch einen neuen Text („Du kriegst mich nicht!„) von Frau Balthus veröffentlicht hat, da es hier um Kinder/Jugendschutz geht. In einem anderen Text von Frau Balthus („Das Gesetz der Doppelmoral„), der sogar im Feuilleton der „Welt“ gedruckt wurde, wird pädokriminelles Verhalten verharmlosend dargestellt. „Es geht hier nicht darum, Kunst/Bilder zu verbieten, weil man sie unpassend findet, es geht darum, Kinder und Jugendliche, eine der schutzwürdigsten Gruppen unserer Gesellschaft, zu schützen„, so Frau Norak. Die Zeitung „Die Welt“ scheint sich in diesem Fall nicht die Aufklärung und den Schutz der Kinder/Jugendlichen zur Aufgabe gemacht zu haben, sondern verbreitet einfach Texte, die Bezüge zu pornographischem und pädokriminellem Verhalten aufweisen. Die Presse hat aber eine Verantwortung der Gesellschaft und insbesondere den Schutzbefohlenen gegenüber. Diese Verantwortung jedoch mit dem Schutzschild der „Pressefreiheit“ wegzufegen, zeugt nicht nur von einem schlechten Journalismus: hier stellt sich mir die Frage, in wie fern sich diese Zeitung auch in Mittäterschaft zieht.

Hier lesen sie eine wichtige Reaktion von Sandra Norak (Aussteigerin von 6 Jahren Prostitution und angehende Juristin) auf den Artikel „Du kriegst mich nicht!„:

Kinder-, Jugend-, und Tierpornographische Schriften – wie hoch sollte das Schutzniveau sein?

Izbor jednakosti između muškaraca i žena za Hrvatsku !

Izlaganje dr. Ingeborg Kraus 3. prosinca 2018. u Zagrebu na tribini u sklopu Festivala ljudskih prava, koju su organizirali Centar za žene žrtve rata – ROSA, Zagreb i Ženska udruga Izvor“, Tenja, u suradnji s Veleposlanstvom Francuske Republike u Republici Hrvatskoj. Na tribini su uz Ingeborg Kraus govorile Veleposlanica Francuske Republike Corinne Meunier, Pravobraniteljica za ravnopravnost spolova Višnja Ljubičić, Laurence Rossignol, zastupnica u francuskom Parlamentu i bivša Ministrica za obitelj, djecu i ženska prava, Isabelle Collot, predstavnica francuske nevladine organizacije “Mouvement du Nid”, Nela Pamuković iz Centra za žene žrtve rata – ROSA i Nikolina Zec iz Ženske udruge Izvor, dok je tribinu moderirala Rada Borić, feministička aktivistkinja i političarka.

Već nekoliko godina putujem po cijelom svijetu kako bih govorila o učincima njemačkog modela i često uočavam da su ljudi slabo informirani i ne znaju koje su posljedice uvođenja nekih zakona. No, danas svi sve znamo. Švedska i Njemačka su gotovo istovremeno krenule potpuno suprotnim putem. Švedska je 1999. odlučila penalizirati one koji kupuju seks i dekriminalizirati prostituirane osobe, dok je Njemačka odlučila legalizirati prostituciju i pretvoriti je u zanat kao bilo koji drugi. Nakon svih tih godina, sada znamo koje su posljedice. Pogledajte, poslušajte naša iskustva prije nego što krenete u opasnu pustolovinu koja uvelike utječe na razvoj mentaliteta u cijelom društvu. Danas, naime, kada upitate mladog Šveđanina što misli o muškarcima koji kupuju žene, on će vam reći da to prezire. Dok s druge strane, mladi u Njemačkoj smatraju da je to cool pa čak i maturanti proslavljaju kraj školovanja ili momačku večer u javnoj kući.

Film koji ste upravo odgledali pokazuje praktički sve o učincima njemačkog modela, a prije nego što je izašao, pokušalo se spriječiti njegovo objavljivanje. Danas, tijekom gotovo godinu dana drugi kanal njemačke televizije ZDF-info nije imao pravo dati prava na prikazivanje filma u javnosti. Prema tome, današnja projekcija je premijera. Postoje skupine kojima je u interesu da se istina ne sazna. Te skupine su toliko moćne da su uspjele spriječiti najveći javni televizijski kanal u prikazivanju filma u zemlji u kojoj je sloboda medija upisana u njezin ustav. Spominjem to zato što je lobiranje seksualne industrije skovalo javno mnijenje. Naime, ako nasumice pitate bilo koga, ljude koji se ne bave tim pitanjem, čut ćete nekoliko mitova o prostituciji. Reći će vam da ako prostitucija nije legalizirana, da bi to bilo gore za žene, da bi se one time bavile ilegalno, da bi se povećalo seksualno nasilje, da je to najstariji zanat na svijetu itd. Weiterlesen