Archiv der Kategorie: Nordisches Modell

Brief an die Prostituiertenschutz-Kommission

Sehr geehrter Dr. Bartsch,

sehr geehrtes Team von der Kommission,

zunächst bedanke ich mich für die Einladung zur Anhörung am 19. Juni. Dazu möchte ich Ihnen eine Rückmeldung geben.

Bei der Anhörung haben alle anderen Geladenen das Wort „Sexarbeit“ benutzt. Sie müssen wissen, dass es ein Schlag ins Gesicht für Frauen in der Prostitution ist, ihre Tätigkeit so zu bezeichnen. Es gibt nur eine kleine Minderheit, die dieses Wording benutzt. Die ganz große Mehrheit der Frauen betrachtet diese Tätigkeit nicht als Arbeit, sondern als sexuelle Gewalt. Wenn Herr Rössler sagt, dass sich dieses Wort in der Wissenschaft durchgesetzt hat, dann stimmt das nicht. Jeder Forscher entscheidet selbst, wie er seine Studie benennt. Und dass man nun nur noch über „Sexarbeit“ in der Forschung spricht, stimmt auch nicht. Er benutzt dieses Wort in seiner Forschung. Andere tun das nicht. Was auch nicht stimmt, ist die Aussage von Herrn Rössler, dass man bei der Analyse der ca. 80 Studien herausgefunden hätte, dass die psychische Gesundheit der Frauen in der Prostitution von der Art und Weise der Ausübung der Prostitution abhängig sei. Er meinte sogar, dass „Escort“ eine Form der Prostitution sei, die nicht schädigend sei. Das stimmt nicht. Es gibt Studien, die belegen, dass egal in welchem Land welche Form der Prostitution oder wie sie ausgeübt wird: Prostitution hoch traumatisierend ist! Ich selbst hatte Frauen in Therapie, die alle Formen der Prostitution erlebt haben. Manche Frauen, die ich in Therapie hatte, sagten mir sogar, dass „Escort“ für sie am schlimmsten war, weil die Freier immer auch Emotionen von ihnen verlangten. Eine Frau erzählte mir, dass sie am Flughafen neben ihrem Freier anfing zu weinen, als vor ihr ein sichtlich liebendes Paar stand. Jede Frau sagte mir, dass es viel schwieriger ist, eine „echte Beziehung“ vorzuspielen, als mal kurz den Körper zur Verfügung zu stellen. Was Herr Rössler hier sagte, stimmt also nicht. Er scheint nicht viel therapeutische Erfahrung mit Frauen in der Prostitution mitzubringen. Weiterlesen

Meine Stellungnahme für die ProstituiertenSchutzKommission

Stellungnahme für die Prostituiertenschutz-Kommission zu folgender Frage:

In der öffentlichen Debatte finden sich Stellungnahmen, die von massiven negativen kausalen Auswirkungen der Prostitutionstätigkeit auf die psychische Gesundheit von Prostituierten ausgehen. Wie ist der Forschungsstand?

Erstellt von Dr. Ingeborg Kraus für die Anhörung der Kommission am 19.06.2026. 

Karlsruhe, 29.05.2026. Weiterlesen

Zehn Jahre Freierbestrafung: Frankreich feiert!

Ich durfte einen Gastbeitrag über 10 Jahre Nordisches Modell in Frankreich für die Tagespost schreiben. Hier mein Text:

In Paris demonstrieren Hunderte nun für die vollständige Abschaffung der Prostitution – und blicken fassungslos auf ein Deutschland, das das Bordell Europas zu bleiben scheint.

 Von Ingeborg Kraus

Prostitution macht krank! Seit zehn Jahren ist es in Frankreich strafbar: Am 13. April 2016 kam das abolitionistische Gesetz: die Freierbestrafung nach Nordischem Modell. Zehn Jahre später demonstrieren 500 Menschen in Paris – für die totale Abschaffung der Prostitution im Land. Es sprachen alle Akteure, die dieses Gesetz ermöglicht haben. Dieser Kampf war nicht einfach. Er wurde parteiübergreifend geführt, federführend waren die Sozialistinnen.

Das Gesetz wurde damals aufgrund der erschütternden Berichte ehemaliger prostituierter Frauen angenommen, die den Mut hatten, über die Gewalt, den Sexismus und den Rassismus zu berichten, dem sie ausgeliefert waren.

Auch in Deutschland gab es vor kurzem große Demonstrationen für einen besseren Schutz von Frauen vor männlicher Gewalt. 250 namenhafte Frauen aus Politik, Wirtschaft und Kultur stellten der Bundesregierung zehn Forderungen dazu. Diese Forderungen sind wichtig und richtig, nur fehlt die wichtigste: die Abolition der Prostitution! Wie kann das sein? Weiterlesen

Leihmutterschaft

Ein Text von Dr. Ingeborg Kraus

Hier als PDF: Leihmutterschaft

Karlsruhe, 13.03.2026

Zum Internationalen Frauentag präsentierte die Städtegruppe Tübingen/Reutlingen[1] vom 25. Februar bis 1. März 2026 zehn preisgekrönte Dokumentar- und Spielfilme aus zehn Ländern zu Menschenrechtsverletzungen an Frauen – mit vielen Gästen.

In den Dokumentarfilm über Leihmutterschaft „9-MONTH CONTRACT“[2] wurde ich als Traumatherapeutin zu der Diskussion nach der Vorführung des Filmes eingeladen. Im Saal war auch die ehemalige Vorsitzende der Frauenunion Frau Widmann-Mauz (CDU), die sich an der Diskussion rege beteiligte.

Ich brachte die psychische und physische Gewalt reproduktiver Ausbeutung von Frauen in den Fokus. Daran anschließend machte ich die Folgen von Leihmutterschaft aus der Perspektive von vulnerablen Frauen in armen Ländern des Globalen Südens sichtbar. Diese betreffen überwiegend die Ukraine (mit 2000 bis 2500 Kindern von Leihmüttern pro Jahr), Georgien und Indien (Vor dem Verbot der kommerziellen Leihmutterschaft im Jahr 2016, wurden 25.000 Kinder jährlich ausgetragen.[3]) und die USA.

Hier mein Resümee zum Thema und zur Veranstaltung: Weiterlesen

Виступ докторки Інгеборг Краус про сексуальну експлуатацію українських жінок

Виступ доктора  Інгеборг Краус на зустрічі експертів з питань протидії торгівлі людьми на запрошення Центру розвитку демократії в Україні, Міністерства соціальної політики України, Вищої школи державного управління при Президентові України та Структури ООН Жінки в Україні 29.04.2025.

У нас є два абсолютно різних закони про проституцію, які були запроваджені в Європі понад 20 років тому: скандинавська модель у Швеції та модель легалізації в Німеччині. Ми знаємо результати. Жодній країні більше не потрібно експериментувати. Завдяки моделі легалізації Німеччина стала борделем Європи, а наша країна перетворилася на Ельдорадо для торговців людьми, сутенерів, власників борделів і покупців сексуальних послуг. Якщо ви оберете німецьку модель, ви збільшите насильство над жінками, які займаються проституцією, а також у суспільстві в цілому. Ви нормалізуєте проституцію, збільшите проституцію і перетворите свою країну на магніт і розсадник для сутенерів. У нас є закон проти торгівлі людьми, але він стає марним, коли приймається закон, який легалізує проституцію. Послухайте наш досвід! Weiterlesen

Speech by Dr. Ingeborg Kraus on the Sexual Exploitation of Ukrainian Women

Speech by Dr. Ingeborg Kraus at the experts meeting on human trafficking at the invitation of the Democracy Development Center in Ukraine, Ministry of Social Policy of Ukraine, Higher School of Public Governance Ukraine and UN Women Ukraine. 29.04.2025. Here as PDF: Speech-Ukraine-Kraus-pdf

We have two completely different laws on prostitution that were introduced in Europe more than 20 years ago: the Nordic model in Sweden and the legalization model in Germany. We know the results. No country needs to experiment anymore. With the legalization model, Germany has become the brothel of Europe, and it has turned our country into an El Dorado for human traffickers, pimps, brothel owners and sexbuyers. If you choose the German model, you will increase violence against women in prostitution, but also in society as a whole. You will normalize prostitution, increase prostitution and turn your country into a magnet and breeding ground for sexbuyers. We have a law against human trafficking, but it gets useless with a law that legalizes prostitution. Listen to our experience! Weiterlesen

413 feministische Organisationen rügen die Deutsche Frauenpolitik in der EU

Der folgende Text wurde von der internationalen feministischen Front, die 413 Frauenrechtsorganisationen aus 7 Ländern zählt, befürwortet. Hier wird das politische Handeln der deutschen etablierten Parteien zu den Themen Prostitution, Leihmutterschaft, Selbstbestimmungsgesetz und Schwangerschaftsabbruch, analysiert. Feministische Organisationen werfen einen kritischen Blick auf die deutsche Frauenpolitik in Europa. Schlussfolgernd, löst ihre Frauenpolitik blankes Entsetzen bei ihnen aus. Sie machen sich große Sorgen um den Schutz von Frauen, nicht nur in Deutschland, auch europaweit. Wir leben heute in einem Europa der offenen Grenzen. Mit so einer frauenverachtenden Politik, wie sie in Deutschland geführt wird, sind Frauen in ganz Europa betroffen und viele sind in Gefahr vom deutschen Patriarchat Opfer und ausgebeutet zu werden.

Ein Text von Dr. Ingeborg Kraus,

Karlsruhe, den 30.05.2024. Hier auch als pdf: Deutsche Frauenpolitik in der EU-pdf

Nazi-Deutschland hat Europa in Schutt und Asche gelegt, Millionen Menschen umgebracht, vertrieben und mit dem Holocaust, einen Zivilisationsbruch ohnegleichen vollzogen. Die Europäische Union ist langsam auf diesen Scherben entstanden und gewachsen. Deutschland hat die Demokratie nicht errungen, sie wurde ihr geschenkt. Dafür mussten tausende Soldaten der Alliierten Streitkräfte kämpfen und viele Zehntausende haben ihr Leben dafür gelassen. Das neue demokratische Deutschland ist Teil der EU und trägt aufgrund seiner Täter-Geschichte eine besondere Verantwortung innerhalb der EU. Weiterlesen

Brief an Bundesministerin Paus zum Weltfrauentag

Hier der Brief als pdf:  Brief an Bundesministerin Paus-2-pdf

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Paus,

diese Woche haben wir den internationalen Frauentag gefeiert. Ein Tag an dem das Augenmerk auf die Situation der Frauen gerichtet ist und PolitikerInnen sich rückblickend fragen sollten, ob genug, insbesondere für den Schutz der Frauen vor Gewalt, getan wurde.

In Deutschland haben wir immer noch ein Gesetz zu Prostitution, das eindeutig Frauen vor Gewalt nicht schützt, sondern ganz im Gegenteil, sehr täterfreundlich ist und Frauen in der Prostitution vielseitigen Formen der Gewalt machtlos ausliefert.

In vielen Bereichen machen wir große Fortschritte, insbesondere die Grünen zeigen sich sehr innovativ und bereit neue Wege zu gehen. In der Außenpolitik haben wir jetzt Leitlinien zu einer feministischen Außenpolitik. Es ist keine Revolution, so wie es zurecht Annalena Baerbock sagt, sondern eine Selbstverständlichkeit[1]. Es ist die Umsetzung des Gleichheits- und Gleichberechtigungsgrundsatzes unseres Grundgesetzes sowie der Menschenrechte, denen wir uns verpflichtet haben.

Ich frage mich, warum sich gerade in der Gesetzgebung zu Prostitution nichts in diesem Sinne ändert? Ein Gesetz, das Frauen zum käuflichen Geschlecht degradiert, sexuelle Gewalt als Dienstleistung verschleiert, Deutschland zum Bordell Europas gemacht hat und dem Menschenhandel Tür und Tor geöffnet hat. Ein Gesetz, das sogar mit den Grünen federführend eingeführt wurde. Weiterlesen

Stoppt den Anti-Feminismus der Grünen Frauen!

Von Dr. Ingeborg Kraus,

am 24. September 2022 auf der Demonstration der Radikalfeministinnen in Berlin.

Ich bin seit über 20 Jahren Mitglied der Grünen Partei. Eine Partei, die als einzige einen Frauenstatut hat, was bedeutet, dass alle Ämter und Mandate mindestens zur Hälfte mit Frauen zu besetzen sind. Mindestens jeder zweite Redebeitrag ist für Frauen vorbehalten und sie haben Recht auf mindestens die Hälfte der Redezeit. Es gibt ein Frauenrat, der über die Richtlinien der Frauenpolitik beschließt und den Bundesvorstand berät. Jährlich gibt es eine Bundesfrauenkonferenz, wo die Politik unter dem Aspekt der Frauenförderung debattiert wird.

Mit diesem Frauenstatut waren die Grünen extrem Fortschrittlich und haben sich die Rechtliche Gleichstellung der Frauen in allen Bereichen auf die Fahne geschrieben. Die Grüne Partei ist auch aus einer radikalen Frauenbewegung heraus entstanden. Ihre Beharrlichkeit Frauen in der Politik zu fördern, hat sich auf jeden Fall gelohnt: Insgesamt sind im Bundestag nur 34,8% Frauen vertreten, die Frauenquote bei den Grünen macht aber 59,3% aus, im Gegensatz zur CDU/CSU, die nur 23,4% Frauenanteil im Bundestag aufweisen kann.

Euch Grünen Frauen haben wir zu verdanken, dass Vergewaltigung in der Ehe heute eine Straftat ist, dass LGBT Mainstream wurde, dass das konservative Familienbild ins Wanken gekommen ist, dass die Frauenquote nun auch andere Parteien einführen, etc.

Aber von diesem Weg der konsequenten Frauenförderung seit ihr immer wieder abgekommen. Die neue Generation von Grünen Frauen profitiert von dem Radikalismus der Grünen Frauen der ersten Generation, sie betreiben aber keine Politik, die Frauen gesamtgesellschaftlich fördert. Viele Aspekte Eurer Frauenpolitik hilft euch zwar persönlich gewisse Ämter innerhalb der Partei zu ergattern, sie schadet aber massiv vielen Frauen außerhalb der Partei.

Heute würden die Grünen Frauen der ersten Generation hier an dieser Stelle stehen, an der Seite von Radikal Feministinnen und würden gegen eine Politik protestieren, die sexuelle Gewalt gegen Frauen fördert, ihre Errungenschaften in der Gleichstellung gefährdet und ihnen keine Schutzräume mehr garantiert. Heute würden Frauen wie Petra Kelly hier stehen und demonstrieren und sagen: „Ihr habt uns verraten!“ Weiterlesen

Das Nordische Modell zu Prostitution – Ein Perspektivwechsel zum Schutz der Menschenwürde


Corona hat sichtbar gemacht, was Prostitution ist und wohin sie die Frauen führt: und zwar ins NICHTS! Viele prostituierte Frauen sind von einem Tag auf den anderen mittellos und obdachlos geworden, da sie keinen Wohnsitz hatten, sondern nur im Bordell wohnten. Die Mehrheit wurde von ihren Zuhältern in die Heimat zurückgeführt.

16 Bundestagsabgeordnete[1] von CDU und SPD haben sich Mitte Mai öffentlich für das Nordische Modell positioniert und kritisieren den liberalen Weg, den Deutschland mit dem Prostitutionsgesetz von 2002 und dem Prostituiertenschutzgesetz von 2017 eingeschlagen hat. Immer mehr wird in der Politik darüber debattiert, aber Medien berichten oft nur oberflächlich darüber, welche Gesetzgebung die Beste ist. Die Profiteure des Systems haben noch einen sehr großen Einfluss und sind weiterhin mit ihren Verharmlosungen der Prostitution sehr erfolgreich, sodass sich weiterhin viele PolitikerInnen davon beeinflussen lassen haben. Es ist erstaunlich, dass gerade die Parteien des linken Spektrums (SPD, Grüne und Linke), die ja Kapitalismuskritik und Frauenrechte hochhalten, mehrheitlich Prostitution weiterhin als Arbeitsoption betrachten und unreflektiert die Mythen über Prostitution repetieren und so gesetzliche Rahmenbedingungen schaffen, die zulassen, dass Frauen zur Billigware degradiert und sexuell ausgebeutet werden.

In diesem Text will ich diese Lügen entlarven und alle Menschen dazu auffordern einen Weg einzuschlagen, der sexuelle Gewalt nicht mehr als sexuelle Dienstleistung betrachtet. Denn solange Sexkauf legal ist, bleibt diese Form der sexuellen Gewalt gegen Frauen straflos.

Von Dr. Ingeborg Kraus, Karlsruhe, den 12.7.2021.

Hier auch den Text als PDF-Datei: Das nordische Modell-pdf-1 Weiterlesen