Archiv der Kategorie: Allgemein

Belle de jour und Catherine Deneuve – Die Rolle ihres Lebens

Beitrag von Dr. Ingeborg Kraus – Karlsruhe, den 14.01.2018

Der Film „Belle de jour“ ist ein Meisterwerk. Es ist kein sexistischer Film, kein Film einer Frau, die ihre sexuellen Phantasien ausleben will, oder eine Frau, die aus der prüden Gesellschaft ausbrechen will. Kein anderer Film wurde so wenig verstanden, wie Belle de jour. Catherine Deneuve selbst, die diese Rolle bis auf die Perfektion verkörperte, verstand sie nie. Es ist die Rolle ihres Lebens: eine Frau, die sexuellen Missbrauch nicht erkennt.

Warum lässt sich eine, aus gutem Hause kommende, bildschöne Frau von fremden Männern misshandeln, demütigen und sexuell missbrauchen? Es sind nur zwei kurze Filmszenen, die das Rätsel auflösen. In der 14. Minute des Films, sieht man für ein paar Sekunden ein Mädchen, die kleine Séverine, die von einem Erwachsenen geküsst wird, seine Hand greift unter ihr Kleid. Die zweite Szene: Kurz bevor Séverine zum ersten Mal an der Tür des Bordells klopft bekommt sie einen Flash-Back: Sie sieht die kleine Séverine, die in der Kirche die Hostie verweigert. Sie fühlt sich schuldig für das was ihr angetan wurde. Es ist nicht die Erwachsene, die ins Bordell geht, es ist das Mädchen, das sich schuldig fühlt. Es ist auffällig, wie sich die Erwachsene ständig entschuldigt. Sie leidet unter wiederkehrenden Albträumen, in denen sie gedemütigt, mit Dreck beschmissen, beschimpft, gepeitscht, vergewaltigt wird. Die Erwachsene ist im Leben oft abwesend, wie in Trance, unkonzentriert, sie lässt Dinge fallen. Zu ihrem Mann kann sie keine richtige Nähe entwickeln. Weiterlesen

Darf die Vagina Arbeitswerkzeug sein?

Rede von Dr. Ingeborg Kraus in der Urania auf der Veranstaltung „Sexarbeit“ – der zerschmetterte Mythos. Berlin, am 03.12.2017. 

Ich möchte mich bei den Veranstalterinnen bedanken. Insbesondere bei Rachel Moran und Julie Bindel. Ohne sie hätte diese Buchvorstellung nicht stattgefunden.

Wenn wir Glück haben, werden wir vielleicht noch eine Regierung in diesem Jahr bekommen. Wir beobachten momentan Politiker, die nun seit 8 Wochen miteinander reden und zu einem Null Ergebnis gekommen sind. Zu sehen sind Politiker, die nicht reden wollen, die sich jeglicher Diskussion entziehen. Dann erfährt man, dass ganze Nächte darüber diskutiert wird, wie man manche zum Diskutieren bringt. Es scheint mir, als würde man nicht über die Probleme des Landes reden, sondern nur noch über Konstellationen.

Bundespräsident Frank Walter Steinmeier hat recht, wenn er sagt, dass es nicht sein kann, dass die politischen Kräfte des wirtschaftlich stärksten Landes Europas ihrer politischen Verantwortung nicht nachgehen. Alle Parteien sind dem Gemeinwohl verpflichtet. Sie dienen unserem Land und ihre Verantwortung geht weit über die eigenen Interessen hinaus.

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Abolition means Love!


This is the introduction of a lecture held in Stockholm, Sweden on October 2, 2017 for „the conference on the sex trade“, organized by TALITA.

Dr. Ingeborg Kraus

Last year I went on a tour with Simon through Canada and we were a really good team: I was the “baddy”, talking about the situation in Germany and he was the “goody”, offering solutions. And then he said: “Well, Ingeborg, you should come to Sweden, too.” I asked him: “What can I do in Sweden? People will chase me.” “No, you know”, he said, “we are so used to the law, that people don´t realize how lucky they are.”

15 years ago, Germany, in contrast to Sweden, chose to legalize prostitution without any regulations and it turned out to produce hell on earth. I won´t talk in detail about it, Manuela Schon will do this afternoon. But just to give you a couple of examples: before I came here, two police inspectors had briefed me. Helmut Sporer said that prostitution has risen up to 30% since 2002. We have made a huge mistake implementing this law and have gone the totally wrong way. Prostitution has nothing to do with sexual liberation, it is just money that counts, Sporer says. The profit of this business is enormous: we are talking about 15 billion Euros of transactions every year.

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Ex-Freier fordert: Sexkaufverbot jetzt!

Vor dem größten Möbelkaufhaus in Karlsruhe stehen zwei Werbeplakate nebeneinander: für ein Laufhaus und für Hochzeiten. Unverbindlichen Sex kaufen oder eine Liebesbeziehung eingehen und sich die Treue schwören? In Deutschland steht beides scheinbar gleichwertig nebeneinander und das schockiert anscheinend niemanden mehr. Prostitution hat jedoch nicht nur verheerende Auswirkungen auf die Frauen in der Prostitution sondern auch auf die betrogenen Frauen.

In diesem Interview spricht ein ehemaliger Freier über die Folgen seines Handelns auf seine Frau und fordert ein Sexkaufverbot. Die Pornografie war der Einstieg in die Prostitution. Als seine Frau sein Doppelleben aufdeckte, sagte sie „er habe ihr gemeinsames Leben vollständig in Schutt und Asche gelegt“. Sie sei völlig zusammengebrochen. „Ihr wurde sozusagen der Boden des Vertrauens, auf dem sie die Ehe sicher glaubte, unter den Füßen weggezogen, so dieser Ex-Freier heute. Sie litt lange unter schweren posttraumatischen Belastungsstörungen – wie sonst z. B. Folteropfer das tun – und entwickelte Herzrhythmusstörungen, die bis heute noch nicht vorbei sind. Seine Frau konnte nach dem Ereignis auch lange nicht arbeiten.“

Diese tragischen „Kollateralschäden“ der Prostitution sind bis heute überhaupt nicht im Fokus. „Geht man davon aus, dass es natürlich nicht immer die gleichen 1,2 Millionen Männer sind, die jeden Tag zu Prostituierten gehen, und davon dass es eine große Anzahl verheirateter oder in einer eigentlich festen Beziehung lebender Freier sind, ist alleine die Zahl der betroffenen betrogenen und bei Aufdeckung entsprechend seelisch verletzten Frauen sicherlich ohne Übertreibung im zweistelligen Millionenbereich“. Wir müssen daraus schließen, dass Deutschland ein Land betrogener Frauen ist.

Das Interview führte Dr. Ingeborg Kraus. 28.09.2017

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Keine einzige etablierte Partei nimmt eine klare Stellung zur Prostitution ein. Das ist eine Schande!

Von Dr. Ingeborg Kraus. 

Diese Rede wurde in Saarbrücken am 02.09.2017 auf der Fachtagung „Warum Männer zu Prostituierten gehen?“ gehalten (und ergänzt).

Ich bedanke mich sehr bei Hadassah[2], auf dieser wichtigen und hochkarätigen Veranstaltung sprechen zu dürfen und etwas über die Schäden durch die Prostitution zu sagen, da dieser Aspekt, sowie die Gewalt in der Prostitution bei den Evaluationen des deutschen Ansatzes gezielt ignoriert wurden[3].

Kurz etwas zu der Realität in der Prostitution: Weiterlesen

Es gibt kein Recht auf Sex

Prostitution gehört zu Deutschland wie das Amen zur Kirche. „Sollen Männer ruhig zu käuflichen Frauen gehen, das senkt die Kriminalitätsrate“, denken die einen. „Ist doch gut, dass es Frauen gibt, die so was gerne tun“, finden die anderen. Dieses Gedankengut basiert jedoch auf falschen Vorstellungen. Aktuelle Studien zeigen, dass das System der legalen Prostitution patriarchale Grundstrukturen und Gewalt gegen Frauen insgesamt eher fördert. Psychologische Forschungen offenbaren, dass Prostituierte immer großen seelischen Schaden durch ihre Tätigkeit erleiden, auch wenn ihnen dies manchmal nicht bewusst ist. Und selbst Freier bekommen durch Sexkauf nicht das, was sie eigentlich bräuchten. Ein Prostitutionsgesetz wie es in Frankreich jetzt umgesetzt wurde, könnte auch in Deutschland Menschenwürde und Gerechtigkeit stärken.

Von Dr. Ingeborg Kraus.   Dieser Artikel erschien in Raum & Zeit im Dezember 2016.

In der Schule lernt man die Bedürfnispyramide nach Maslow. Als Grundbedürfnisse werden Luft, Wasser, Nahrung und Sex aufgelistet. Man könne immer nur in die nächsthöhere Stufe gelangen, wenn die Untere gegeben und erfüllt sei. Nur so erreiche man die höchste Stufe, und zwar die Selbstverwirklichung. Als 12-jähriges Mädchen habe ich mich gefragt, wie lange man wohl ohne Luft, Wasser und Nahrung überleben könnte? Zwei Minuten ohne Luft, drei Tage ohne Wasser und vielleicht 14 Tage ohne Nahrung? Und wie lange könnte man ohne Sex überleben? Was passiert, wenn man eine Zeitlang keinen Sex hat? Stirbt man? Wird man schwer krank? Passiert da was ganz Schlimmes?

Nein, nichts davon! Es passiert überhaupt nichts! Nur die Fantasie, dass Sex für Männer ein ununterdrückbares Grundbedürfnis sei, lässt Schlimmes in der Welt passieren: Sexuelle Gewalt, Verschleierung der Frauen und Prostitution. Weiterlesen

„Sexualassistenz“ und was davon zu halten ist:

Inge Hauschildt-Schön, 16.01.2017.

Die pflegepolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion Elisabeth Scharfenberg regt an, dass älteren pflegebedürftigen / behinderten / dementen Menschen zur Befriedigung ihrer sexuellen Bedürfnisse eine sog. „Sexualassistenz“ zur Verfügung gestellt wird (s. OP vom 9. Jan. 2017). Weniger verschleiernd ausgedrückt: Prostitution soll zur sozialen Institution werden, die die bisher unzulängliche Alten- und Behindertenpflege verbessern soll. Die Kosten dafür sollen vom Staat übernommen werden. Die „sexuellen Dienstleistungen“ in Pflegeheimen wären damit legal, ein neuer Markt für Prostitution wäre eröffnet.

Der Vorschlag der Grünen-Politikerin ist zynisch: Sie ignoriert damit den wahren Pflegenotstand (Personalmangel, schlechte Bezahlung der Pflegekräfte, keine Zeit des Pflegepersonals für ein längeres persönliches Gespräch, für intensivere Zuwendung zu den zu versorgenden Menschen u.v.a.m.).
Und er ist dilettantisch und inhuman: Immer wieder weisen Pflegekräfte darauf hin, dass ihre Patientinnen und Patienten sich vor allem eine liebevolle, warmherzige, zeitlich nicht streng limitierte, ruhige und verständnisvolle Pflege wünschen. Diese Bedürfnisse sind mit einer „Sexualassistenz“ , also mit nach Minuten abgerechnetem gekauftem Sex, nicht zu befriedigen. Weiterlesen

Eine Botschaft der Hoffnung für das neue Jahr

PROSTITUTION IST GEWALT GEGEN FRAUEN:
deshalb werden wir, das Bündnis „Stop Sexkauf“, noch in diesem Jahr wegen des am 1. Juli 2017 in Deutschland in Kraft tretenden neuen Prostituiertenschutzgesetzes und der damit verbundenen Menschenrechtsverletzungen Klage bei der Europäischen Kommission einreichen. Damit wird zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit ein Land wegen der Legalisierung von Prostitution verklagt. Zusammen mit qualifizierten internationalen Rechtsanwälten sind wir noch dabei die Klage zu schreiben. Mein besonderer Dank geht an Lorraine Questiaux in Paris, die es geschafft hat eine Gruppe von Experten in Europäischem Recht dafür zu gewinnen.

In einer Zeit, in der Politik vielfach auf einfältige Lösungen und Populismus zurückgreift, wird diese Klage auch eine Herausforderung für die Europäische Union sein. Wird die EU zu ihrer eigenen Charta stehen, in der Gleichheit und Würde aller Menschen festgeschrieben sind, oder wird sie in einzelnen Staaten, im vorliegenden Fall in Deutschland, Menschenrechtsverletzungen tolerieren? Wird die Europäische Kommission dafür eintreten, dass Europa nicht nur ein Finanzkonstrukt ist, sondern auch ein soziales Projekt mit gleichen Werten? Weiterlesen

Das deutsche Modell produziert die Hölle auf Erden!

Die folgende Präsentation von Frau Dr. Ingeborg Kraus über das deutsche Prostitutionsmodell wurde in Vancouver, Kanada am 20. September 2016 für die Veranstaltung „International Approaches to Prostitution: Sweden, Germany Canada” für ca. 200 Gäste im Orpheum Annex vorgetragen.  Folgende Organisationen haben diesen Vortrag gesponsort: Aboriginal Women’s Organizing Network; Asian Women Coalition Ending Prostitution; Formerly Exploited Voices Now Educating; Foy Allison Law; Resist Exploitation, Embrace Dignity; University Women’s Club of Vancouver; Vancouver Rape Relief und Women’s Shelter.

Danke, dass Sie mich hier nach Vancouver eingeladen haben. Danke an alle Organisationen, die dies möglich gemacht haben, insbesondere Suzanne Jay, die mich eingeladen und alles organisiert hat.

Prostitution war in Deutschland schon immer legalisiert, bis auf eine kurze Zeit im frühen 20. Jahrhundert[2] . Deutschland führte 2002 ein Gesetz ein, das aus der Prostitution versuchte, einen Job wie jeden anderen zu machen. Die Politiker_innen waren der Meinung, dass es nicht die Prostitution selbst war, die das Problem darstellte, sondern die Diskriminierung der Frauen durch die Gesellschaft und es ihnen an Rechten fehlte. Dieses Problem in Betracht ziehend, wollten sie die Frauen so gut wie möglich stärken. (Sie sagten), Prostitution solle nicht mehr als etwas „gegen die gute Moral“ angesehen werden, sondern als ein Job wie jeder Andere. Von nun an wurden die Frauen als Arbeiterinnen betrachtet, als „Sexarbeiterinnen“. Weiterlesen