Archiv des Autors: Ingeborg Kraus

„Bordell Deutschland“ – ZDF info Dokumentation

Autor: Christian Stracke – Produktion: medi cine medienproduktions GmbH – Redaktion: Natalie Zinkend – Länge: ca. 89 Minuten. Abrufbar auf der Mediathek des ZDF: Bordell Deutschland . Es gibt auch eine kürzere Version (45 min) dieser Doku: Deutschlands Sex-Industrie 

Die Fotos sind aus der ZDF-Doku. Der folgende Text stammt vom ZDF Presseportal: „Laut Experten ist die boomende Sexindustrie der Bundesrepublik Drehscheibe für Zwangs-prostitution und Menschenhandel: Viele der Prostituierten kommen aus dem Ausland, die wenigsten arbeiten freiwillig. „Bordell Deutschland“ zeigt, wie schlimm die Zustände tatsächlich sind und welche Rollen Prostitutionsverbände, Bordellbetreiber und die Politik dabei spielen.

„Komm so oft du willst“, „All you can fuck“ oder „20 Minuten Sex für 20 Euro – der Spartarif im Discountpuff“: In vielen deutschen Städten werben Bordelle so für ihre Flatrate-Angebote. Das Geschäft boomt, mit teilweise bizarren Auswüchsen. Von Flatrate-, über Edel- bis hin zu sogenannten Gangbang-Bordellen, in denen eine Prostituierte mit mehreren Männern gleichzeitig Sex hat – nichts scheint unmöglich.

Jenseits der verklärten Welt von Hollywood, wie sie dem Zuschauer in Filmen wie „Pretty Woman“ präsentiert wird, versteckt sich im Verborgenen eine kriminelle Parallelwelt. Sandra hat jahrelang als Prostituierte gearbeitet und bestätigt die in der Szene vorherrschende Gewalt: „In jedem Club, in dem ich war, habe ich Menschenhandel gesehen. Ich habe natürlich auch Frauen gesehen, die geschlagen werden. Und ich habe auch Freier gesehen, die das gesehen haben und dann trotzdem die Dienstleistung in Anspruch genommen haben.“

Kein Einzelfall, wie Denisa, eine junge Rumänin bestätigt: „90 Prozent haben Zuhälter.“ Jahrelang hat sie in Deutschland als Zwangsprostituierte gearbeitet. Die Expertin und Traumatherapeutin Ingeborg Kraus vergleicht die Erfahrungen von Prostituierten mit denen von Soldaten oder Folteropfern, 60 Prozent der Frauen leiden unter einer posttraumatischen Belastungsstörung.
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Internationale abolitionistische Konferenz – Argentinien/Buenos Aires vom 17. bis 19. Mai 2018

International Abolitionist Conference
Towards a true abolitionism
May 17th, 18th and 19th, 2018 – Buenos Aires, Argentina
Facultad de Filosofía y Letras, University of Buenos Aires (UBA)
Centro Cultural General San Martín, rooms C and D, 1551 Sarmiento Street.

Organizing Committee: Trece Rosas; Furia Trava; Red Alto al Tráfico y a la Trata (RATT Argentina); Taller abierto de historia de género, Cát. Historia Argentina III B, Facultad de Filosofía y Letras, University of Buenos Aires; Instituto Interdisciplinario de Estudios e Investigaciones de América Latina (INDEAL); Facultad de Filosofía y Letras, University of Buenos Aires; Instituto de Historia de España Claudio Sánchez Albornoz, Facultad de Filosofía y Letras, University of Buenos Aires; Centro de Estudios e Investigación en Ciencias Sociales (CEICS).

Schedule of Activities: Weiterlesen

Prostitution und Gesundheit

Ein Beitrag von Dr. Ingeborg Kraus – März 2018.

Die »freiwillige« Entscheidung in die Prostitution zu gehen setzt gewisse Bedingungen voraus. Sich prostituierende Frauen, die meine Praxis aufgesucht haben, wiesen alle eine Geschichte von mangelndem Schutz in ihrer Kindheit auf und, daraus folgend, mangelndem Selbstschutz. Diese Frauen haben sehr früh gelernt, sich »abzuschalten«. Es gibt zahlreiche Studien, die diesen Zusammenhang zwischen Gewalterfahrungen in der Kindheit und Prostitution aufzeigen. Weiterlesen

Schädel-Hirn-Trauma bei prostituierten Frauen

Gewalt in der Prostitution ist allgegenwärtig und kann Schädel-Hirn-Traumata verursachen. Auf Englisch TBI: Traumatic Brain Injury. Diese Studie, die an 66 Frauen und Transfrauen durchgeführt wurde, weist erschreckende Resultate auf: 95% weisen dauerhafte Kopfverletzungen auf, entweder indem sie mit Gegenständen geschlagen wurden oder ihr Kopf gegen Objekte geschlagen wurde. Die Frauen beschreiben akute und chronische Symptome, die von diesen Verletzungen hervorgehen und/oder Gehirnerschütterungen. Diese beinhalten Schwindel, depressive Verstimmungen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Gedächtnisstörungen, Orientierungsprobleme, niedrige Frustrationstoleranz, Erschöpfungszustände, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust, etc. Die Abklärung auf TBI ist äußerst wichtig in der Behandlung von prostituierten Frauen.

Hier kommen sie zur Studie von Melissa Farley, Party E. Banks, Rosalie J. Ackerman und Jackeline M. Golding: http://digitalcommons.uri.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=1104&context=dignity

RENATE’s Training: Human Trafficking and Trauma: Care for the Victims and Preventive Care for the Carers, 30 April-4 May 2018

30 RENATE members have registered to attend training on the above theme, which will take place at the Pallotti House Conference Centre, Freising, Germany. The training is tailored specifically for RENATE members who in their work, have to address trauma and trauma-related issues.

Amongst the themes to be covered are: Psychotraumatology-short theoretical background, features and symptomatology; Working with victims of sexual abuse- a spiritual, practical approach; Burnout-signs and features, prevention, psycho-hygiene; Trauma Therapy with victims of sexual exploitation in Germany; Spiritual counselling with Victims of Trafficking in Nigeria.

Amongst those contributing to the training, are Sr. Dr. Lea Ackerman, Foundress of SOLWODI; Sr. M. Regina Pröls of the German Conference of Religious; Dr. Ingeborg Kraus will lead on the theme of ‘’Trauma Therapy with vicitms of sexual exploitation in Germany.’’ There will be representation from the German Federal Criminal Police Human Trafficking Unit and members of the German Bishop’s Conference’s Working Group on Human Trafficking. Bishop Dr. Stefan Heße, of the Santa Marta Group will also join us for input and sharing. Weiterlesen

Schattenfrauen

Schattenfrauen sind Frauen, die von ihren Ehemännern mit Prostituierten betrogen werden. Über diese „Kollateralschäden“ des Systems Prostitution wurde bislang kaum nachgedacht und es gibt so gut wie keine Erfahrungsberichte darüber.

Das folgende Interview, das ich mit einer betroffenen Frau führte, ging mir sehr nahe. Zum einen, weil mir die Dimensionen der Verletzungen erst richtig bewusst wurden. Es ist nämlich eine extreme Verletzung, wenn der Partner zu Prostituierten geht. Diese Form von Missbrauch hat zerstörerische Auswirkungen auf das ganze Familiensystem und die Opfer werden nicht ernst genommen und erhalten auch keine richtige Hilfe. Im Gegenteil, die Gefahr besteht, dass selbst Therapeuten eine Opfer-Täter Umkehrung betreiben und man von ihnen ein Brainwashing bekommt. Fachliteratur zu Sexsucht gibt es so gut wie keine in Deutschland, so besteht auch nicht die Möglichkeit sich selbst darüber aufzuklären um zu verstehen, was mit einem gemacht wird. Weiterlesen

Unterschreiben Sie die Petition!

Die Gesetzesform zur Prostitution ist im Juli 2017 umgesetzt worden. LobbyistInnen jubeln schon jetzt über dieses „Prostitutionsschutzgesetz“, das ihnen kaum Grenzen setzt. Die wichtigsten Punkte fehlen oder sind bis zur Wirkungslosigkeit aufgeweicht. Mit solch einer „Reform“ wird Deutschland auch in Zukunft ein Eldorado für Frauenhändler und Einreiseland für Sextouristen bleiben. Das muss gestoppt werden!

Das Bündnis „Stop Sexkauf“ fordert eine grundlegende Neuausrichtung des Prostitutionsgesetzes in Deutschland und hat eine weltweite Petition in 5 Sprachen gestartet. Im Ausland sind namhafte Organisationen „entsetzt“ über die inhumanen Verhältnisse im deutschen Prostitutionsgewerbe und international steht das Pro-Prostitutionsland Deutschland heute fast allein da. Diese Petition drückt auch eine weltweite Empörung gegenüber Deutschland aus! Wir brauchen dringend Eure/Ihre Hilfe, daher bitten wir um Unterzeichnung und Weiterleitung dieser Petition!

Hier kommen Sie zur Petition

Brief an eine Traumatherapeutin

Rede von Dr. Ingeborg Kraus in München auf der Veranstaltung „Prostitution – die unzensierte Wahrheit“, am 16.03.2018.

Lektorat: Ulrike Maier & Firdes Ceylan – Bild: Hailin Wang, „Tiefe Nacht“

Auf dem Weg nach München las ich in einem alternativen Stadtführer das Kapitel über das dritte Reich. Darin konnte ich erfahren, dass SS-Führer Heinrich Himmler ein großer Anhänger der Naturheilkunde war. Ein paar Meter neben seinem Kräutergarten in Dachau wurden Versuche mit homöopathischen Mitteln an Häftlingen unternommen, die an Tuberkulose erkrankt waren. Nur wenige Meter weiter wurden grausame medizinische Versuche mit Unterdruck- und Unterkühlung durchgeführt. Ein paar Meter vom Krematorium entfernt gab es ein KZ-Bordell und noch ein paar Meter weiter befand sich eine Kaninchenzucht um die sich die SS-Wächter liebevoll kümmerten. Nach dem Krieg wurden rund 80% der früheren Beamten wieder eingestellt.

Bei der Lektüre dieses Kapitels wurde mir plötzlich bewusst, dass wir eine Geschichte der Dissoziation des Bösen haben. Nicht nur auf individueller Ebene, also dass der gleiche Mensch, der sich liebevoll um Kaninchen kümmert in der Lage ist, anschließend Menschen zu vergasen, sondern auch auf kollektiver Ebene. Unser Volk hat das Böse abgespalten und nach dem Krieg so weiter gemacht, als wäre nichts passiert.

Diese Form der kollektiven Dissoziation erlebe ich auch im Bereich der Prostitution. Hier ist es jedoch enorm wichtig hinzuschauen, aufzuklären und kritisch zu sein um dazu beizutragen, Frauen aus ihrer prekären Situation herauszuholen. Alles andere legitimiert die psychische und physische Zerstörung vieler Frauen, die im „System Prostitution“ gefangen sind. Weiterlesen

Fachtagung – Die Loverboy-Methode – Saarbrücken am 14.04.2018

Eine äußerst interessante Fachtagung über die Loverboy-Methode findet am Samstag, den 14. April in Saarbrücken statt. Sandra Norak ist über so einen Zuhälter in die Prostitution geraten. Sie wird über diese Zeit berichten, sowie über das Prostitutionssystem. Welche Hilfe brauchen die Opfer und was bedeutet Hilfe beim Ausstieg aus der Prostitution? Darüber wird Frau Linda Terpstra sprechen, die das Schutzhaus „fier“ in den Niederlanden leitet und Vivianne Wagner, vom Mouvement du Nid-Moselle in Frankreich. Über die Medienrealität und ihre Gefahren für Jugendliche wird Herr Prof. Dr. Jens Vogelgesang sprechen. Inge Hauschildt-Schön, Sprecherin der Marburger Bürgerinitiative bi-gegen-bordell, kämpft seit 2005 gegen das System Prostitution, wird ein Abschluss-Statement geben. Weiterlesen

Liebe Männer, wir müssen reden!

Ich freue mich sehr ein neues Buch gegen Sexkauf vorzustellen, für das ich das Vorwort schreiben durfte. Gisela Jaspersen informiert in ihrem Buch über die historische Einordnung von Prostitution, die verschiedenen Facette der negativen Seiten des Prostitionsgeschäfts und regt eine Neuorientierung in Bezug auf die heutigen Männerbilder an. Die Autorin möchte mit ihrem Buch in erster Linie die Männer erreichen, die als heterosexuelle Freier aktiv sind und sexuelle Leistungen von Mädchen und Frauen kaufen. Zugleich ist das Buch aber auch eine gute Zusammenstellung für Partnerinnen, Elternteile oder Jugendliche, die grundlegendes Wissen über Prostitution in Deutschland erfahren möchten. 

Hier mein Vorwort als Anregung zum Lesen:

Wir tun alle so, als wäre die Gleichstellung zwischen Mann und Frau schon erreicht, und wir müssten nur noch an Feinheiten schleifen. Natürlich ist eine gesetzliche Quote und Lohngleichheit wichtig. Es gibt aber eine Enklave in unserem Land, in der Frauen von allen frauenrechtlichen Errungenschaften ausge- schlossen sind: die Prostitution.

Die Politik behandelt Prostitution nur als Randthema, und eine liberale Gesellschaft will sich da nicht einmischen. „Jede/r soll so leben, wie sie/er es für richtig hält!“, bekommt man oft zu hören. Das Thema wird nicht tiefer reflektiert und analysiert.

Wir kennen sie alle, diese Gespräche unter Bekannten, in denen Prostitution schnell bagatellisiert und als Kavaliersdelikt verharmlost wird. Oft wird geschmunzelt, wenn aber Prostitution kritisiert wird, gibt es sehr schnell erheblichen Widerstand. Ich selbst kann mich an sehr viele solcher Gespräche erinnern. Ein Beispiel dazu: als ich als therapeutische Leiterin in einer Suchtfachklinik für Männer arbeitete, fielen mir nicht nur die pornografischen Poster in der Einrichtung auf, sondern auch, dass die Patienten am Wochenende mit der größten Selbstverständlichkeit in ein Bordell gingen. Als ich dies ansprach, musste ich bitter feststellen, dass die Einrichtung, die sich der männlichen Gesundheit widmete, das Ausleben männlicher Sexualität als wichtigeren Gesundheitsfaktor ansah als die Gewalt gegen Frauen durch Prostitution. Man kann aber nicht die eigene Gesundheit auf Kosten der Gesundheit anderer ausspielen. Man kann nicht die eigene Lust auf Kosten der anderen ausleben. Das geht so nicht!

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