Archiv der Kategorie: Psychische und körperliche Auswirkungen

Zur Realität in der Prostitution und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen

von Dr. Anita Heiliger

Die Existenz von Prostitution vermittelt Männern wie Frauen männliche Dominanz in der Gesellschaft. Männern wird (sexuelle) Verfügbarkeit von Frauen vermittelt und Frauen ihr unterlegener gesellschaftlicher Status. Die Juristin Rahel Gugel formuliert in ihrer Arbeit: „Das Spannungsverhältnis zwischen Prostitutionsgesetz und Art. 3 II Grundgesetz“: „Die faktischen Auswirkungen des ProstG normalisieren … nicht nur gesamtgesellschaftlich das sexistische und geschlechtshierarchische Frauenbild in Prostitution und Sexindustrie. Vielmehr stützen und zementieren sie auch allgemein eine diskriminierende geschlechtshierarchische Einstellung von Männern gegenüber Frauen in der Bundesrepublik.“
Prostitution an sich ist Gewalt gegen Frauen und stützt und fördert die männliche Herrschaft sowie die kollektive Entwürdigung von Frauen, sie untergräbt die Bemühungen um Gleichberechtigung der Geschlechter. Die folgenden Berichte von Aussteigerinnen zeigen, dass Prostitution kein Sex ist, sondern kommerzialisierte sexuelle Gewalt.
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Prostitution und Freiwilligkeit

Illustration: Rosa Makstadt

von Dr. Ingeborg Kraus

Prostitution wird oft als eine ganz normale Sache dargestellt, die schon immer existiert hat. Dabei wird kaum über die Frauen nachgedacht, die der Prostitution nachgehen. Wenn ja, kommt immer sehr schnell das Argument der „Freiwilligkeit“ ins Spiel. Wer möchte sich dann noch in die Rolle eines sanktionierenden bzw. verurteilenden Menschen begeben? Doch wie kommt eine Frau überhaupt in die so genannte „freiwillige“ Prostitution und was bedeutet das für sie (und für ihre Kinder)? Prostitution ist zur selbstverständlichen Erwerbsoption geworden: Die Frage ob es ein Beruf wie jeder Andere ist, wurde in den letzten Jahren sowohl von der Politik als auch von Gewerkschaftsseite ernsthaft  diskutiert.

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Studie von Melissa Farley zu Prostitution und Menschenhandel

Auf internationaler Ebene haben Melissa Farley u.a. bisher die einschlägigsten Ergebnisse veröffentlicht mit Daten aus neun verschiedenen Ländern (2004). Demnach zeigten zwei Drittel der untersuchten 854 Frauen in der Prostitution Symptome von PTBS (posttraumatischer Belastungsstörung), die in ihrer Deutlichkeit vergleichbar waren mit denen von therapiesuchenden Kriegsveteranen, Frauen, die in Frauenhäuser flohen, Überlebenden von Vergewaltigungen und Flüchtlingen, die staatlich sanktionierter Folter ausgesetzt waren. Die Intensität der traumaabhängigen Symptome hing von der Intensität der Prostitutionstätigkeit ab. Frauen mit mehreren Freiern berichteten von härteren körperlichen Symptomen. Je länger die Frauen in der Prostitution tätig waren, desto wahrscheinlicher war eine Infektion mit einer Geschlechtskrankheit.
Hier geht es zur Studie „Prostitution and Trafficking in Nine Countries: An Update on Violence and Posttraumatic Stress Disorder„. (PDF auf englischer Sprache).

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