Archiv der Kategorie: Allgemein

Stellungnahme von Wolfgang Heide, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe

Stellungnahme zur öffentlichen Anhörung zur 
„Regulierung des Prostitutionsgewerbes“ im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Gesundheit im Deutschen Bundestag am 06. Juni 2016

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, sehr geehrte Damen und Herren.
Ich bedanke mich für die Gelegenheit, mich im Vorfeld der Sitzung am 06. Juni zum Themenkomplex „Prostitution und Gesundheit“ äußern zu dürfen.

Vorbemerkung:

Seit der Gründung Beratungsstelle „Amalie“ in Mannheim betreue ich dort, sowie in meiner Praxis in Heidelberg ehrenamtlich Prostituierte. Diese Betreuung geht weit über medizinische Untersuchungen hinaus, beinhaltet viele Gespräche, ebenso wie „Streetworking“ also aufsuchende Arbeit in den sogenannten Laufhäusern. Da die Frauen im Laufe der Jahre ein Vertrauensverhältnis zu mir aufgebaut haben, berichteten sie mir Dinge, die in einem kurzen Beratungsgespräch nicht an den Tag kommen können.

Aufgrund meiner Erfahrungen wurde ich gebeten eine Stellungnahme zur gesundheitlichen Situation von Prostituierten abzugeben. Weiterlesen

Lutz Besser: Stellungnahme zum ProstituiertenschutzG

Stellungnahme zur Anhörung zum Entwurf eines Gesetzes zur Regelung des Prostitutionsgewerbes sowie zu Schutz von in der Prostitution tätigen Personen. 04.06.2016

Als Arzt, Psychiater, Kinder- und Jugendpsychiater, Traumaexperte und Leiter des zptn – Zentrum für Psychotraumatologie und Traumatherapie Niedersachsen, möchte ich aus meiner lang-jährigen therapeutischen Arbeit mit misshandelten und sexuell ausgebeuteten Menschen und ihren Traumafolgebelastungen und -störungen nun als geladener Sachverständiger v.a. auch emotional unterlegt Stellung beziehen, da die sicherlich im juristischen Bereich notwendige schriftliche Versachlichung von Gesetzesentwürfen und Anträgen verschiedener Fraktionen, die hier zur Diskussion stehen, aus meiner Sicht mit zur Bagatellisierung und Ausblendung von gravierenden Fakten im Bereich der Prostitution in Deutschland beitragen.

Meine Haltung und die dazu gehörigen schriftlichen Formulierungen und verbalen Äußerungen sind frei von irgend einer parteipolitischen oder religiösen Überzeugung oder Zugehörigkeit und sind auch nicht Teil einer konservativen versus progressiven, anders ausgedrückt einer puritanischen, lustfeindlichen versus freie sexuelle Selbstbestimmung bejahenden Haltung. Zum Teilen sexueller Freuden und Lust von gleichgestellten Menschen bekenne ich mich ausdrücklich und halte beglückende Sexualität zwischen zwei Menschen für eine wichtige Ressource in der zwischenmenschlichen Interaktion. Aber es geht in der Diskussion um Prostitution um etwas ganz anderes. Weiterlesen

Die Wahrheit über Prostitution

Rachel Moran geriet mit 15 in die Prostitution. Der Vater hatte Selbstmord begangen, die Mutter war psychisch schwer verstört und lebte mit ihren fünf Töchtern in bitterer Armut am Rand der Gesellschaft. Rachel floh und wurde obdachlos – von da war es nur noch ein Schritt in die Prostitution. Die heute 38-jährige Journalistin prostituierte sich sieben Jahre lang: auf der Straße, im Bordell, als Escort-Girl. Sie hat es überlebt. Doch erst jetzt, viele Jahre später, schrieb sie die bittere Wahrheit auf. Das Buch räumt endgültig auf mit dem Mythos von der „freiwilligen, selbstbestimmten Prostitution“. Sie spricht vom Missbrauch der Täter wie der Scham der Opfer. Was das Buch so besonders und seine Lektüre so unverzichtbar macht, ist der Abgrund des Erlebten bei gleichzeitig hoher Reflektiertheit. Als Autorin und Bloggerin kämpft Moran heute gegen die Verharmlosung und Legalisierung der Prostitu­tion, als Aktivistin ist die Irin die Europa­Koordinatorin von SPACE (Survivors of Prostitution–Abuse Calling for Enlightenment).

Hier ein Auszug aus dem Kapitel „Scham“:

Eines Abends, vor einigen Jahren, fragte mich eine meiner Schwestern in leicht angetrunkenem Zustand: „Wurdest du je vergewaltigt oder missbraucht oder irgend so etwas? Du weißt ja, dass du mit mir über solche ­Sachen reden kannst“.

Gehen wir davon aus, dass der Prostituierten ein Knebel verpasst wird (und ich weiß mit Gewissheit, dass das so ist). Wenn ich das Bild einer geknebelten Frau vor Augen habe, dann sehe ich, wie die Gesellschaft das eine Ende des Knebels festhält, während die Prostituierte das ­andere Ende hält – und sie gemeinsam darauf hinwirken, dass der Knoten sich fester zieht. Obwohl ich zu der Zeit der Prostitution seit mehreren Jahren den ­Rücken gekehrt hatte, war der Knoten meines Knebels noch fest an jenem Abend, als mich meine Schwester fragte, ob ich jemals vergewaltigt worden wäre. Deswegen konnte ich auch den ersten Gedanken, der mir durch den Kopf ging, nicht frei aussprechen. Er lautete: „Jeden Tag!“. Weiterlesen

Prostitution ist unvereinbar mit der Gleichstellung von Frau und Mann

Vortrag von Dr. Ingeborg Kraus in Madrid am 15.10.2015,  anlässlich der Fachtagung zu Prostitution, organisiert durch: „La Comision para la investigation de malos tratos a mujeres“.

In Deutschland wird die Idee eines Sexkauf-Verbots oft noch nicht einmal zur Kenntnis genommen, geschweige denn angestrebt, weil man denkt, es gäbe eine gute Prostitution. Es besteht natürlich Konsens darüber, dass „Kinderprostitution“ schlecht und Zwangsprostitution eine schwere Straftat ist, aber die Prostitution, in der sich zwei erwachsene Menschen einig werden…. Warum sollte sich da der Staat einmischen? Und ihnen vorschreiben, wie sie Sex haben? Oder ihn sogar verbieten? Das geht doch nicht!

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Trauma als Voraussetzung für und Folge der Prostituierung

Vortrag von Frau Dr. Ingeborg Kraus, anlässlich der Fachtagung „Über die Schäden durch die Prostitution“.

München, 4. / 5. Dezember 2015.

Herzlichen Dank an dich, Anita Heiliger, dass du die Fachtagung zustande gebracht hast und es auch ermöglicht hast, dass Melissa Farley nach Deutschland kommt. Denn es war sehr wichtig, was Melissa gestern gesagt hat.

Noch kurz etwas zum Kongress im letzten Jahr in München. Ich habe diesen Workshop – Traumata und Prostitution, Erfahrungen und Forderungen – zusammen mit dir, Anita, organisiert, und er war ja wirklich fantastisch, da kam wirklich international die Elite der Psychotraumatologie nach München, das muss man sich mal vorstellen: Dr. Muriel Salmona aus Paris kam, Michaela Huber kam, die Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Trauma und Dissoziation und es war ganz wichtig, dass Christiane Caspary vom Frauentherapiezentrum München auch da war, die ganz wichtige Themen angesprochen hat, wie Prostitution von Frauen, die auf der Flucht sind, eine Situation die ganz aktuell ist.

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Resolution der Fachtagung „Über die Schäden durch die Prostitution“

14. Dez. 2015 — Die TeilnehmerInnen der Fachtagung des Bündnisses Stop Sexkauf „Über die Schäden durch die Prostitution“ sind empört, dass die zuständigen Bundestagsabgeordneten es nicht geschafft haben, notwendige Schutzmaßnahmen für Frauen in der Prostitution umzusetzen. Der von CDU/CSU zunächst in Absprache mit der SPD vorgelegte Entwurf eines neuen Prostituiertenschutzgesetzes wurde in der vorigen Woche endgültig von der SPD Fraktion gekippt.
Die SPD konnte sich noch nicht einmal zu regelmäßigen Gesundheitsberatungen für die prostituierten Frauen und zu einer Heraufsetzung des Schutzalters von 18 auf 21 Jahre bereit erklären. Auch die dem Schutz der Frauen dienende regelmäßige Anmeldepflicht der Frauen wurde abgelehnt und soll nur einmalig persönlich von den betroffenen Frauen selbst erfolgen; vier Jahre später genüge dann eine digitale Anmeldung.

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Fachtagung in München 4./5.12.2015: Über die Schäden durch die Prostitution

Diese Fachtagung zentriert sich auf den Aspekt der Schäden durch die Prostitution, weil die Bundesregierung auch in ihrem neuen Gesetzentwurf Prostitution als Normalität behandelt und die Realität in der Prostitution völlig ignoriert: die Entwürdigung der Frauen, die physische und psychische Verletzung, die Traumatisierung, die Gewalt durch die Sexkäufer.

Die US-amerikanische Psychologin und Forscherin Dr. Melissa Farley wird zum ersten Mal nach Deutschland kommen und über ihre zahlreichen Forschungsergebnisse zu Gewalterfahrungen von prostituierten  Frauen sprechen.

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Trauma und Prostitution aus traumatherapeutischer Sicht

Michaela Huber, erste Vorsitzende der deutschen Gesellschaft für Trauma und Dissoziation, sieht einen deutlichen Zusammenhang zwischen Gewalt in der Kindheit und einem späteren Eintritt in die Prostitution. Sexuelle Gewalt spielt dabei die sichtbarste Rolle, aber auch andere körperliche und seelische Gewalt sowie extreme Vernachlässigung sind Gefährdungsszenarien, die in die Prostitution führen. In ihrem Vortrag auf dem Kongress „Stop Sexkauf“ in München erläutert sie diese Zusammenhänge:

Vortrag von Michaela Huber zu Trauma und Prostitution: http://www.michaela-huber.com/files/vortraege2014/trauma-und-prostitution-aus-traumatherapeutischer-sicht.pdf

Resultat der CSW bei der UN in New York: ein offener Brief an die Bundeskanzlerin!

Anfang März fanden in der UN in New York anlässlich des 20. Jahrestags der Vierten Weltfrauenkonferenz in Peking von 1995 mehrere internationale Treffen und Veranstaltungen statt.

Mit dabei waren zahlreiche Nichtregierungsorganisationen, die sich mit dem Thema sexueller Ausbeutung und Gewalt befassten, darunter mit der Prostitution. Aus Deutschland war die Trauma-Expertin Dr. Ingeborg Kraus vertreten, die dort zur Bedeutung von Traumatisierung im Zusammenhang mit Prostitution sprach.

Bei diesen Expertinnentreffen wurde ein Brief an die deutsche Kanzlerin verfasst, der Deutschland auffordert, international anerkannte Resolutionen und Richtlinien zu Prostitution und zu Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung endlich anerkennen und verantwortlich umzusetzen; die Initiative dazu ergriffen Dr. Ingeborg Kraus und die Coalition against Trafficking in Women (CATW international) unter der Leitung von Taina Bien-Aimé.

Der Brief wurde innerhalb von wenigen Tagen von mehr als 130 Individuen und NGOs aus der gesamten Welt unterzeichnet. Er ging am Montag, den 23. März 2014 abends an die Kanzlerin und an zahlreiche deutsche Zeitungen. EMMA hat bereits darüber berichtet, auf weitere Pressereaktionen, und vor allem auf die Reaktion der Politik, sind wir gespannt.

Hier der EMMA Artikel: http://www.emma.de/artikel/prostitution-un-konferenz-98-organisationen-ruegen-merkel

Hier der offene Brief:  https://stopsexkaufdotorg.files.wordpress.com/2015/03/lettertochancellorangelamerkel-2.pdf

Und die deutsche Übersetzung des Briefes: Letter+to+Merkel+deutsch-3_-1_