In Madrid, kurz vor den Wahlen im November, wurden die PolitikerInnen eingeladen sich Experten aus dem Ausland anzuhören: Sonia Sanchez (eine Aussteigerin aus Argentinien), Taina Bien-Aimé (Vorsitzende von CATW aus New-York), Grégoire Théry (Anwalt aus Paris), Dr. Ingeborg Kraus (Psychotraumatologin aus Deutschland). 

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Trauma und Prostitution aus traumatherapeutischer Sicht
Michaela Huber, erste Vorsitzende der deutschen Gesellschaft für Trauma und Dissoziation, sieht einen deutlichen Zusammenhang zwischen Gewalt in der Kindheit und einem späteren Eintritt in die Prostitution. Sexuelle Gewalt spielt dabei die sichtbarste Rolle, aber auch andere körperliche und seelische Gewalt sowie extreme Vernachlässigung sind Gefährdungsszenarien, die in die Prostitution führen. In ihrem Vortrag auf dem Kongress „Stop Sexkauf“ in München erläutert sie diese Zusammenhänge:
Vortrag von Michaela Huber zu Trauma und Prostitution: http://www.michaela-huber.com/files/vortraege2014/trauma-und-prostitution-aus-traumatherapeutischer-sicht.pdf
Resultat der CSW bei der UN in New York: ein offener Brief an die Bundeskanzlerin!
Anfang März fanden in der UN in New York anlässlich des 20. Jahrestags der Vierten Weltfrauenkonferenz in Peking von 1995 mehrere internationale Treffen und Veranstaltungen statt.
Mit dabei waren zahlreiche Nichtregierungsorganisationen, die sich mit dem Thema sexueller Ausbeutung und Gewalt befassten, darunter mit der Prostitution. Aus Deutschland war die Trauma-Expertin Dr. Ingeborg Kraus vertreten, die dort zur Bedeutung von Traumatisierung im Zusammenhang mit Prostitution sprach.
Bei diesen Expertinnentreffen wurde ein Brief an die deutsche Kanzlerin verfasst, der Deutschland auffordert, international anerkannte Resolutionen und Richtlinien zu Prostitution und zu Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung endlich anerkennen und verantwortlich umzusetzen; die Initiative dazu ergriffen Dr. Ingeborg Kraus und die Coalition against Trafficking in Women (CATW international) unter der Leitung von Taina Bien-Aimé.
Der Brief wurde innerhalb von wenigen Tagen von mehr als 130 Individuen und NGOs aus der gesamten Welt unterzeichnet. Er ging am Montag, den 23. März 2014 abends an die Kanzlerin und an zahlreiche deutsche Zeitungen. EMMA hat bereits darüber berichtet, auf weitere Pressereaktionen, und vor allem auf die Reaktion der Politik, sind wir gespannt.
Hier der EMMA Artikel: http://www.emma.de/artikel/prostitution-un-konferenz-98-organisationen-ruegen-merkel
Hier der offene Brief: https://stopsexkaufdotorg.files.wordpress.com/2015/03/lettertochancellorangelamerkel-2.pdf
Und die deutsche Übersetzung des Briefes: Letter+to+Merkel+deutsch-3_-1_
Zur Realität in der Prostitution und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen
von Dr. Anita Heiliger
Die Existenz von Prostitution vermittelt Männern wie Frauen männliche Dominanz in der Gesellschaft. Männern wird (sexuelle) Verfügbarkeit von Frauen vermittelt und Frauen ihr unterlegener gesellschaftlicher Status. Die Juristin Rahel Gugel formuliert in ihrer Arbeit: „Das Spannungsverhältnis zwischen Prostitutionsgesetz und Art. 3 II Grundgesetz“: „Die faktischen Auswirkungen des ProstG normalisieren … nicht nur gesamtgesellschaftlich das sexistische und geschlechtshierarchische Frauenbild in Prostitution und Sexindustrie. Vielmehr stützen und zementieren sie auch allgemein eine diskriminierende geschlechtshierarchische Einstellung von Männern gegenüber Frauen in der Bundesrepublik.“
Prostitution an sich ist Gewalt gegen Frauen und stützt und fördert die männliche Herrschaft sowie die kollektive Entwürdigung von Frauen, sie untergräbt die Bemühungen um Gleichberechtigung der Geschlechter. Die folgenden Berichte von Aussteigerinnen zeigen, dass Prostitution kein Sex ist, sondern kommerzialisierte sexuelle Gewalt.
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Prostitution: Warum Deutschland Sexkauf verbieten muss
Expertinnen aus ganz Deutschland haben sich am 20.06.2014 in München getroffen, um die Situation der Frauen in der Prostitution zu diskutieren. Sie kamen einhellig zu dem Ergebnis, dass Prostitution an sich Gewalt gegen Frauen ist. Die Realität der Frauen in der Prostitution wird öffentlich, fachlich und politisch glorifiziert, bagatellisiert, ignoriert und geleugnet. Nach Ansicht der Expertinnen muss die Nachfrage nach Prostitution beendet werden, ein Sexkaufverbot sehen sie daher als unerlässlich an. Sie haben die Initiative Stop Sexkauf gegründet, die als Plattform für alle Gruppierungen und Personen fungieren wird, die eine grundlegende Lösung für die Frage der Prostitution anstreben.
Die Journalistin Sabrina Hoffmann nahm an diesem Netzwerktreffen teil und schrieb folgenden Artikel dazu:
von Sabrina Hoffmann
Zwei Jahre waren genug, um ihr Leben zu zerstören. Zwei Jahre hat Marie als Prostituierte gearbeitet. Männer demütigten, benutzten und schlugen sie. Mit Anfang 40 fing Marie an, ihren Körper zu verkaufen. Weil sie keinen anderen Ausweg aus ihrer finanziellen Not sah.
Es schien eine gute Möglichkeit, schnell an Geld zu kommen. Warum auch nicht, dachte sie sich. „Du bist eine erwachsene Frau. Du hast gelebt, du hast geliebt.“ Am Anfang fühlte sie sich sogar geschmeichelt. Denn Männer bezahlten dafür, mit ihr zu schlafen. Also musste sie etwas wert sein.
Doch Marie merkte bald, dass sie den Männern gleichgültig war. Für die Freier zählte nur, dass Marie ihre sexuellen Wünsche erfüllte, egal wie ausgefallen oder abartig sie waren.
Menschenhandel, Prostitution und Ungleichheit: Ein öffentlicher Vortrag von Catharine MacKinnon
Catharine MacKinnon ist Professorin für Rechtswissenschaft, Anwältin und radikale Feministin. In ihrem Gastvortrag an der University of Chicago Law School spricht sie über die Folgen und die Bedeutung der systematischen Misshandlung von Frauen, über ihre Erfahrungen in Indien, das schwedische Modell und warum das Experiment der Legalisierung gescheitert ist.
Die Textversion ihres Vortrags (PDF- englische Sprache) finden sie hier.




