Archiv der Kategorie: Nordisches Modell

Brief an UN-Frauen

Konsultation zur Ermittlung von Standpunkten zum Vorgehen von UN-Frauen in Bezug auf „Sexarbeit“, Sexhandel und Prostitution.

Dr. Ingeborg Kraus

„Wissenschaftler für eine Welt ohne Prostitution“[1] ist ein Netzwerk von Gesundheits-ExpertInnen (im Fachgebiet Medizin, Psychologie und Psychotraumatologie) mit Sitz in Karlsruhe. Wir bieten Frauen in der Prostitution therapeutische und medizinische Unterstützung an. Diese Gruppe ist aus einem Appell[2] heraus entstanden, der besagt, dass Prostitution entmenschlicht, herabwürdigt und die universalen Rechte eines Menschen verletzt, ja dass Prostitution selbst Gewalt ist und eine Fortsetzung von Gewalt im Leben einer Frauen darstellt. In anderen Worten: „Es gibt keine gute Prostitution“.

Unsere Gruppe fordert ebenso ein Gesetz, das Männer in die Verantwortung nimmt und auf die gesetzliche Einführung eines Sexkaufverbotes besteht. Denn wir sind müde, zum zusammenflicken der Frauen gebraucht zu werden, während die Politik Männer dazu anstiftet „Frauen kaputt zu machen“. Dieser Appell wurde von den bekanntesten und einflussreichsten Traumatherapeutinnen und Experten aus Deutschland unterzeichnet. Wir wollen über die Realitäten in der Prostitution und ihrer Gesundheitsschäden informieren, über die verheerenden Auswirkungen eines Gesetzes, das Prostitution legalisiert, aufklären, die Stimmen der Gesundheitsexperten, die in direktem Kontakt mit den Opfern der Prostitution stehen, zu Wort kommen lassen. Wir wollen unsere klinischen Erfahrungen sowie Texte und wissenschaftliche Studien über Prostitution bekannt machen. Weiterlesen

Eine Regulierung der Prostitution ist keine Lösung!

Regulierungen und Reglementierungen der Prostitution haben immer zwei Nachteile – außer dem Nachteil natürlich, dass sie seit mehreren 100 Jahren immer wieder ihr Scheitern gezeigt haben.

Nachteil 1: Sie treffen letztlich oft doch nur diejenigen, meistens Frauen, in der Prostitution. Das System, das die Prostitution aufrecht erhält und davon profitiert, und zwar die Zuhälter, Menschenhändler und Sexkäufer, werden dadurch nicht belangt. Die Täter kommen somit mal wieder gut davon!

Nachteil 2: Sie senden ein falsches Signal: Sie legen letztlich mit gesetzlichem Gütesiegel fest, welche Formen der Ausbeutung und der sexuellen Gewalt von einer Gesellschaft als normal und schützenswert per gesetzlicher Absicherung betrachtet werden – und verhandeln bestenfalls die Grenzen dazu. Weiterlesen

Resolution der Fachtagung „Über die Schäden durch die Prostitution“

14. Dez. 2015 — Die TeilnehmerInnen der Fachtagung des Bündnisses Stop Sexkauf „Über die Schäden durch die Prostitution“ sind empört, dass die zuständigen Bundestagsabgeordneten es nicht geschafft haben, notwendige Schutzmaßnahmen für Frauen in der Prostitution umzusetzen. Der von CDU/CSU zunächst in Absprache mit der SPD vorgelegte Entwurf eines neuen Prostituiertenschutzgesetzes wurde in der vorigen Woche endgültig von der SPD Fraktion gekippt.
Die SPD konnte sich noch nicht einmal zu regelmäßigen Gesundheitsberatungen für die prostituierten Frauen und zu einer Heraufsetzung des Schutzalters von 18 auf 21 Jahre bereit erklären. Auch die dem Schutz der Frauen dienende regelmäßige Anmeldepflicht der Frauen wurde abgelehnt und soll nur einmalig persönlich von den betroffenen Frauen selbst erfolgen; vier Jahre später genüge dann eine digitale Anmeldung.

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Prostitution: Warum Deutschland Sexkauf verbieten muss

Bild 2Expertinnen aus ganz Deutschland haben sich  am 20.06.2014 in München getroffen, um die Situation der Frauen in der Prostitution zu diskutieren. Sie kamen einhellig zu dem Ergebnis, dass Prostitution an sich Gewalt gegen Frauen ist. Die Realität der Frauen in der Prostitution wird öffentlich, fachlich und politisch glorifiziert, bagatellisiert, ignoriert und geleugnet. Nach Ansicht der Expertinnen muss die Nachfrage nach Prostitution beendet werden, ein Sexkaufverbot sehen sie daher als unerlässlich an. Sie haben die Initiative Stop Sexkauf gegründet, die als Plattform für alle Gruppierungen und Personen fungieren wird, die eine grundlegende Lösung für die Frage der Prostitution anstreben. 

Die Journalistin Sabrina Hoffmann nahm an diesem Netzwerktreffen teil und schrieb folgenden Artikel dazu:

von Sabrina Hoffmann

Zwei Jahre waren genug, um ihr Leben zu zerstören. Zwei Jahre hat Marie als Prostituierte gearbeitet. Männer demütigten, benutzten und schlugen sie. Mit Anfang 40 fing Marie an, ihren Körper zu verkaufen. Weil sie keinen anderen Ausweg aus ihrer finanziellen Not sah.

Es schien eine gute Möglichkeit, schnell an Geld zu kommen. Warum auch nicht, dachte sie sich. „Du bist eine erwachsene Frau. Du hast gelebt, du hast geliebt.“ Am Anfang fühlte sie sich sogar geschmeichelt. Denn Männer bezahlten dafür, mit ihr zu schlafen. Also musste sie etwas wert sein.

Doch Marie merkte bald, dass sie den Männern gleichgültig war. Für die Freier zählte nur, dass Marie ihre sexuellen Wünsche erfüllte, egal wie ausgefallen oder abartig sie waren.

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Prostitution: Das Schwedische Modell

von Karlsruher Appell

Das schwedische Modell wird oft im Zusammenhang mit der Forderung nach einer Abschaffung der Prostitution erwähnt. In der ApuZ vom Februar 2013 erschien dazu ein Beitrag von Susanne Dodillet, der diesem Blogpost auszugsweise zugrunde liegt.

Das „Gesetz zum Verbot des Kaufs sexueller Dienste“ trat 1999 in Schweden in Kraft. Seitdem kann, „wer sich für eine Gegenleistung kurzzeitige sexuelle Verbin­dungen verschafft“, zu einer Geld­- oder Ge­fängnisstrafe verurteilt werden. Schweden war das erste Land, das den Kauf sexueller Dienstleistungen und damit die Freier bestrafte. Zwei Jahre später trat das deutsche ProstG in Kraft. Es befreite die Prostitution vom Stigma der Sittenwidrigkeit und wurde als „Schlag gegen Doppelmoral und für die Rechte von Prostituierten“ gefeiert. In Schweden bezeichnete man dies jedoch als Katastrophe.

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